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Aare Logbuch

von Liliane Waldner

Einführung in die Aare

Die Aare ist 288 Kilometer lang. Sie entspringt im Oberaargletscher und Unteraargletscher im Grimselgebiet. Ihre Quellhöhe beim Oberaargletscher ist 2310 m.ü.M. Sie mündet auf 311 m.ü.M. bei Koblenz in den Rhein. Sie fliesst durch die Kantone Bern, Solothurn und Aarau.

Mehr darüber:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aare
Giessbachfälle
Das Aare Logbuch - ein Patchwork

Erst mit der Zeit hat sich ein systematisches Logbuch für mein Flussprojekt entwickelt. Dieses ist allmählich aus dem Erwandern der Flusslandschaft entlang der Aare im Jahr 2011 entstanden. Ich habe Flussabschnitte, die ich bereits auf Wanderungen in früheren Jahren begangen habe, nicht mehr wiederholt, sondern aus meiner Erinnerung niedergeschrieben.  2011 habe ich die Fluss-Etappen noch nicht datiert. Dies ist erst später hinzugekommen, ebenfalls das System, die Flüsse konsequent von der Mündung bzw. Grenze bis zur Quelle abzuschreiten. Mit der Zeit ist mir bewusst geworden, dass die Seen, durch die ein Fluss fliesst, integraler Bestandteil des Flusses sind. Ohne Fluss - keine Seen! Ich habe die Thunersee- und Brienzersee-Strecke deshalb später nachgeholt und hier dokumentiert.

Aare-Wanderungen vor 2010

Bereits vor dem Start meines Fluss-Projektes habe ich zwei Aare-Abschnitte abgeschritten.
Bei meiner Fluss- und Schlösserwanderung von Zürich nach Aarau, bin ich zwischen Wildegg und Aarau der Aare entlang marschiert. Die Strecke ist durch ein wunderschönes Naturschutzgebiet mit Auen geprägt. Als imposant ist mir das Kraftwerk Rupperswil - Auenstein in Erinnerung geblieben.

Dem Limmatwasser entlang bis zur Rheinmündung bei Koblenz bin ich an einem heissen Sommertag gelaufen. Beim Wasserschloss bei Turgi mündet die Limmat in die Aare. Prägend auf dem Weg von Turgi nach Koblenz sind das Kernkraftwerk Beznau sowie der Klingnauer Stausee. Der asphaltierte Weg am Klingnauer Stausee hatte mich an diesem heiss-schwülen Tag besonders gefordert.

Nun folgen die neueren Aare-Etappen des Frühlings und Sommers 2011, die ich noch nicht datiert und später aus dem Gedächtnis niedergeschrieben habe, nachdem ich mit der systematischen Logbuch-Führung begonnen habe:



Thun - Bern

An einem sonnigen April-Tag starte ich frühmorgens in Thun. Der Aareweg führt von der Altstadt aus die Aare abwärts. Praktisch der gesamte Weg ist bis in die Hauptstadt hinein naturnah. Das Ufer ist auf weiten Strecken von Wäldern gesäumt. Vor allem die Auen ab Münsingen lassen vergessen, dass die Aare bereits durch urbanes Gebiet fliesst. Die in Belp startenden und landenden Flugzeuge dominieren eine Weile lang die Geräuschkulisse. Wunderbar erstreckt sich das Naturschutzgebiet Giessen entlang der Aare. Danach bin ich bereits im Stadtzentrum. Die Gürbe mündet auf Berner Stadtboden in die Aare. Auf der Gegenseite taucht der Tierpark Dählhölzli auf. Beim Marzilibad wärmen sich Sonnenhungrige und mutige Knaben schliessen mit dem noch kühlen Aarewasser Bekanntschaft. Am Schluss steige ich die Bundeshausterassen hinauf und gelange in die Altstadt. Dort kehre ich beim Beck Glatz beim Waisenhausplatz ein. Beck Glatz erzielte 2010 den 2. Rang beim KMU-Nachhaltigkeitspreis der Zürcher Kantonalbank.

Diese Etappe mit ihren Naturschutzgebieten hat den Appetit geweckt, die Aare als Ganzes abzumarschieren.


Nidau - Bellach

Ich starte bei der Bahnstation Nidau. Die Bahn hält auf der Aarebrücke, so dass ich direkt an den Nidau-Büren-Kanal gelange. Er ist das Resultat der Juragewässerkorrektion. Noch vor wenigen Jahrhunderten bildete die Gegend von Solothurn bis zum Neuenburgersee eine riesige Seen- und Sumpflandschaft, die von der Aare immer wieder überschwemmt worden ist. Bis in das 19. Jahrhundert litten die Menschen im Seeland unter Malaria und Armut. Mit der Juragewässerkorrektion ist das Land bewohnbar und urbar gemacht worden. Am Anfang wurde die Aare in ein enges, künstliches Bett gezwungen. Mit der Zeit hat der Mensch gelernt, dass ein Kompromiss mit der Natur nötig ist, um mit der Urkraft der Aare leben zu können. So sind entlang der Aare in den letzten Jahre viele Passagen renaturiert worden, sind reizvolle Feuchtgebiete und Auen entstanden, die unter Schutz stehen.

Auf dem breiten Weg verlasse ich das mittelalterliche Städtchen Nidau Richtung Solothurn. Der Bootshafen liegt bald zurück. Es ist ein sonniger, trockener Biswindtag. Die Umgebung wird immer idyllischer. Nach über zwei Stunden komme ich zum Häftli. Dieses liegt wie auf einer Insel zwischen dem Kanal und dem Altlauf der Aare. Ich zweige zum Aussichtsturm ab und klettere hinauf. Tafeln mahnen zur Ruhe. Die Vögel dürfen nicht gestört werden. Vom Häftli-Turm staune ich eine urtümliche Welt an, die sich entlang des Altlaufs gebildet hat. Nur die Vögel singen, ansonst fühle ich mich auf der Welt allein. Danach geht es noch gut eine Dreiviertelstunde bis ins historische Städtchen Büren an der Aare. Auf einer Parkbank mache ich eine kurze Teerast.

Gegen die Arch-Brücke weitet sich der Blick auf die Landschaft. Linkerhand erstrecken sich die Jurahöhen. Ich überquere die Arch-Brücke. Vom nahen Flugplatz Grenchen werden Segelflugzeuge in die Höhe geschleppt. Der Weg schlängelt sich mit dem Fluss zur Storchensiedlung Altreu. Der Frühling ist die richtige Jahreszeit, um die grossen Vögel in ihren Nestern auf den hablichen Bauernhäusern zu bewundern. Ich bin froh, im schattigen Informationszentrum rasten zu können und zu meiner Teerast mit Vollkornstengeln, Körnern und Trockenfrüchten sitzend Videos betrachten zu können. In Altreu gibt es auch ein Restaurant für Einkehrfreudige.

Danach setze ich meinen Weg fort. Nach Altreu geht es durch die Selzacherwiti. Dies war früher die Hasenkammer der Schweiz. Durch die Juragewässerkorrektion und Trockenlegung starben die Wildtiere praktisch aus. Der Mensch hat sich später eines Besseren besinnt und die übertreibungen wieder korrigiert. Jetzt sind die Wildtiere wieder zurückgekehrt und zu ihrer Beobachtung sogar einen Beobachtungsturm errichtet worden. Tatsächlich hoppelt mir in sicherem Abstand ein Hase über den Weg.

Ich spreche in der Selzacherwiti mit einem Landwirt. Er klagt, dass das Gras wegen der Trockenheit nicht richtig wächst. Er wird es noch niedrig gewachsen schneiden müssen, damit es nicht verfault. Wir blicken in die Jurahöhen, wo sich dunkle Wolken zusammenziehen. Er meint resigniert, bei diesem Nordwind komme heute trotzdem nichts. Er sollte sich täuschen. Nach der Selzacherwiti gelange ich nach Bellach und stehe praktisch vor den Toren Solothurns. Meine Nase sagt mir, zur Bahnstation zu gehen. Ich muss nur noch wenige Minuten warten, bis der Zug mich nach Solothurn hineinnimmt. Dort habe ich Lust auf ein Bier und finde im Bahnhofladen ein originelles Solothurner Bier namens öufi (11). Solothurn ist der elfte Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Kaum verlasse ich den Laden, donnert es und fällt ein Platzregen nieder.


Links:
http://www.bve.be.ch/de/index/wasser/wasser/gewaesserunterhalt.html
http://www.ala-schweiz.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=68&Itemid=11
http://www.ausflieger.ch/default.asp?module=tipp&ID=68&art=1
http://www.witi-schutzzone.ch/index.php?id=36
http://www.oeufi-bier.ch/



Solothurn - Aarwangen

Vom Bahnhof der Ambassadorenstadt sind es nur fünf Minuten bis zum Aareufer, wo ich meinen Weg flussabwärts fortsetze. Ich geniesse zuerst die Sicht auf Solothurns Altstadt. Dann marschiere ich zügig flussabwärts und verlasse die Stadt. Vor Luterbach gelange ich zum Emmenschachen, wo die Emme in einem wild-romantischen Naturschutzgebiet in die Aare mündet. Das Auengebiet hat nationale Bedeutung. Luterbach war übrigens der Wohnort des populären Bundesrates Willi Ritschard. Ich setze meinen Weg fort und der Lärm der nahenden Autobahn kommt immer näher. In einem kurzen, abschüssigen Waldstück unweit von Deitingen produziere ich einen Sturz. Es war offenbar nicht schlau, dass ich trotz des flachen Weges nur niederschaftige Sportschuhe angezogen habe. Mein etwas ungelenkes, kribbelndes Fussgelenk braucht offenbar auf allen Kieswegen den Halt eines höheren Schaftes. Ich rapple mich wieder auf, klebe Pflaster auf die blutenden Stellen und setze meinen Weg fort.

Die Autobahn verläuft ein Stück weit sogar parallel zum Wanderweg, aber bald ist wieder Ruhe. Das Städtchen Wangen an der Aare taucht auf. Es ist nach gut drei Stunden Zeit für eine Teerast im Altstädtchen. Ich absolviere danach einen Altstadtrundgang. Das Wanderwegschild zeigt weniger als zwei Stunden bis Aarwangen. Dies schaffe ich trotz leichter Schmerzen noch und schreite wieder voran. Die Aare schlängelt sich nun durch ein ruhigeres Gebiet dem Städtchen Aarwangen entgegen. Bei der Brücke liegt die Haltestelle des Bähnchens, welches mich nach Langenthal bringen wird. Vorher inspiziere ich noch das kleine Schlösschen auf der anderen Strassenseite. Das Bezirksamt liegt darin.

Die Kraft der Aare wird gut ausgenutzt. Oberhalb von Wangen an der Aare liegt das Kraftwerk Flumenthal und unterhalb jenes von Bannwil.

Heute bin ich froh, dass der Marsch beendet ist und ich via Langenthal mit dem Interregio nach Hause komme. Wer einkehren will, findet Restaurants in Wangen an der Aare sowie in Aarwangen.


Links:
http://www.artenschutz.ch/emmenschachen.htm




Aarwangen - Olten

Der Marsch startet wieder beim Schloss und geht der Aare entlang hinab. Bald passiere ich das Kraftwerk Wynau. Im Bereich Wolfwil - Wynau kommt ein naturbelassener Flussabschnitt, bei dem eine Tafel auf die Urkraft Aare hinweist. Nach einer Abbiegung tauchen kleine Inselchen auf. Der Weg führt dann nach Murgenthal hinein und von der Aare weg. Über einen bewaldeten Höhenzug gelange ich nach Rothrist. Eingangs des Waldes mache ich bei einem Schützenhaus meine Rast. Ich nutze die Gelegenheit, in diesem fast einsamen Waldstück Schafgarben für meinen Tee zu sammeln. In Rothrist lassen Rivella und der Fuhrpark des Nationalrat Giezendanner grüssen. Dort hat mich die Aare wieder.

Unterhalb des Kraftwerkes Rupoldingen erstreckt sich ein Naturschutzgebiet mit Inselchen. Biber sollen dort wieder zu Hause sein. Bald blicke ich auf die markante Festung Aarburg hinauf. Bei Aarburg kann unterhalb der Altstadt mit seiner Festung vor der Brücke ein seltenes Naturphänomen beobachtet werden, eine gigantische Wasserwaage. Die Aare dreht dort auf der Altstadtseite unterhalb der Festung und fliesst wieder hunderte von Metern weit den Fluss hinauf. Ich schalte bei dieser Sehenswürdigkeit meine Rast ein. Die Festung Aarburg kann übrigens im Sommerhalbjahr an Samstagnachmittagen besichtigt werden. Bei Aarburg wird die Brücke überquert und danach geht es gemütlich weiter nach Olten, dessen Altstadt ebenfalls sehenswert ist. Auf einem Marktstand in der Altstadt werden frische Erdbeeren aus der Region verkauft, die ich auf der Heimfahrt genüsslich verzehre.

Einkehrgelegenheiten bestehen in Aarburg und Olten.

http://www.aare-asa.ch/fileadmin/website/sujet-bilder/Dokumente/Barner_Aare-definitiv_1_.pdf
http://www.aarburg.ch/content/tourismus/festung_jugendheim.php




Olten - Aarau

Dieser Abschnitt dauert nur gut vier Marschstunden. Vom Bahnhof gelange ich innert Minuten zur Aare, um meinen Marsch flussabwärts fortzusetzen. Nach einem Flussknick, führt der Weg vis-à-vis von Winznau auf der anderen Seite der Brücke weiter. Ich befinde mich nun auf einer Insel mit Auenwäldern, dessen Uferweg ich entlangstreife. Unvermittelt stehe ich vor dem Kernkraftwerk Gösgen auf dem anderen Seite des Ufers. Seine Dampffahne steigt friedlich in den Himmel. Wären nicht Tschernobyl und Fukushima, könnte ich meinen, die Kernkraft sei eine saubere Art, Strom zu produzieren, die sogar in eine liebliche Naturlandschaft passt. Unterhalb des Kernkraftwerkes und Mülidorf liegt das Wasserkraftwerk Olten-Gösgen.

Nach der Brücke beim Kraftwerk führt der Weg bald durch den Ballypark bei Schönenwerd. Der Industrielle C.F. Bally hinterliess eine wunderschöne Gartenlandschaft. Es ist Zeit für einen Teehalt, bevor ich den Rest des Weges nach Aarau unter die Füsse nehme. Ich gelange durch den ausgedehnten Schachenwald, in dessen Nähe auch die Pferderennbahn und das Fussballstadion des FC Aarau liegen.

Vom Aareufer ist es nur etwa 10 - 15 Minuten zum Bahnhof Aarau. Ich schnappe mir eine Butterbretzel und ein Getränk. Da ich die Strecke Wildegg - Aarau aus meinen früheren Fluss- und Schlösserwanderungen in den Aarau kenne, nehme ich den Regio-Express nach Wildegg.

Links:
http://www.schoenenwerd.ch/de/tourismus/tourismusballypark/


Wildegg - Brugg

Wildegg ist mit dem gegenüberliegenden Holderbank das Herzstück der Zementindustrie, die durch die Schmidheiny-Dynastie bzw. der heutigen Holcim aufgebaut worden ist. Wildegg beherbergt auch das Schloss mit seiner sehenswerten Wohnausstellung. Ich habe das Schloss vor vielen Jahren mit meiner Mutter auf einer Wanderung von Brugg via Habsburg nach Wildegg besucht. Der gemütliche Nachmittagsspaziergang dauert kaum drei Stunden. Unterhalb Bad Schinznach führt der breite Weg durch ein ausgedehntes Naturschutzgebiet. Auf der langgezogenen Aareinsel sollen Biber leben. Brugg ist bald erreicht. Dort muss sich die Aare durch eine enge Schlucht zwängen. Es gibt deshalb zwei Aareschluchten, die berühmte zwischen Meiringen und Innertkirchen sowie jene von Brugg.

Links:

http://www.moeriken-wildegg.ch/documents/wildegg_brugg.pdf



Brugg - Gebenstorfer Horn (Wasserschloss)

Berühmt ist der Ausblick vom Gebenstorfer Horn zum Wasserschloss. Die Nachmittagswanderung von Brugg zum Horn dauert nur 1 Stunde 20 Minuten. Vom Bahnhof bin ich via Altstadt in wenigen Minuten an der Aarebrücke, um wieder in den Wanderweg einzufädeln. Sehr bald verlässt der Wanderweg die Aare und ich gelange auf dem Gebiet von Windisch zur früheren Spinnerei Kunz mit ihrem imposanten Wehr an der Reuss. Nach dem überschreiten der Brücke stehe ich auf Gebenstorfer Boden. Ich passiere das Dorf und danach steigt der Weg steil und am Schluss in Kehren zum Gebenstorfer Horn. Von dort aus geniesse ich einen etwas eingeschränkten Panoramablick auf das Wasserschloss. Der Aussichtspunkt ist mit Bäumen ziemlich zugewachsen. Unter mir liegen Turgi und die Flüsse Reuss und Limmat, die in dieser Reihenfolge in die Aare münden. Ich verstehe, warum sich die Römer (Vindonissa) und die Habsburger mit ihrer ersten Hauptstadt Brugg an diesem strategisch wichtigen Ort niedergelassen haben.

Ich bin froh, dass ich nicht den steilen Weg hinunter absteigen muss. Ich laufe wegen meiner MS viel lieber steil bergauf als bergab. Nun kann ich durch den Wald praktisch eben innert etwa 40 Minuten zum Restaurant Baldegg laufen. Unterwegs finde ich schöne Stellen, um Schafgarben für meinen Abendtee zu sammeln. Sie sollen helfen, mein Immunsystem zu stärken. Mindestens ist das Teekräuter sammeln eine gute Koordinationsübung für mein Gleichgewicht. Im gepflegten Restaurant Baldegg genehmige ich mir einen Zvieri. Von dort fährt ein Bus alle Viertelstunde nach Baden.

Links:
http://www.gebenstorf.ch/leben/fotogalerie/fotogalerie.html




Hagneck - Wohlen bei Bern

Heute steht eine lange Etappe von gut 7 - 8 Stunden an. Die Aare mündet bei Hagneck in den Bielersee. Das Bähnchen von Biel her hält bei der Aarebrücke, wo ich gleich losmarschieren kann. In der Morgenfrische sind erst zwei Hündelerinnen unterwegs. Der Weg entlang des Aare-Hagneck-Kanals ist breit und flach. Als ich zur Brücke beim Städtchen Aarberg gelange, ist es bereits wärmer. Ich kaufe an einem Stand frische Erdbeeren aus dem Seeland und nehme diese für meine Rast mit. Nach dem EW Aarberg lasse ich das Städtchen rasch hinter mich.  Bei der nächsten Brücke wechselt der Weg auf die Seite von Niederried bei Kallnach. Es wird heiss und ich bin dankbar, von den Bewässerungsfontainen für die Felder kurz erwischt zu werden. Der Weg führt durch das verträumte Nest Niederried und danach wieder hinab. Dort ist Zeit für Teehalt und ich verschlinge dazu die verführerisch frisch duftenden Erdbeeren in einem Zug.

Ich steige zur Krone der mächtigen Staumauer hinauf und wechsle wieder die Flussseite. Dahinter liegt der Niederried Stausee mit seinem ausgedehnten Schilfgebiet samt Inselchen. Dort lassen sich im Frühling zehntausend Vögel nieder und die Biber hausen ebenfalls in diesem wunderbaren Naturschutzgebiet. Nach der Brücke geht der Weg entlang des Niederriedsees bis nach Oltigen. Hier scheint die Zeit seit Gotthelf still gestanden zu sein. Er steigt danach an und bei einem Schlosshubel sowie bei Grabishöll führen abenteuerliche Pfade zu einer Ruine oder Höhle. Ich wage mich wegen meines Gleichgewichtssinns nicht dahin und wandere auf dem Hauptweg weiter, passiere Oberruntigen und steige danach sehr steil wieder zur Aare hinab. Gegenüber von Oberruntigen mündet die Saane in die Aare. Danach komme ich an einsamen landwirtschaftlichen Gebäuden vorbei, deren Einwohner wohl auch noch Fischen gehen. Danach raste ich an einem einsamen Platz mit einem kleinen Weiher. Ich habe das Gefühl, in der Wildnis zu sein.

Nach der nächsten Aarebiegung stehe ich aber plötzlich dem Kernkraftwerk Mühleberg mit seinem Riesengebäude an der Aare gegenüber. Durch die Rast ermuntert, laufe ich locker der Aare entlang. Bei Wichacher taucht das Wasserkraftwerk Mühleberg mit seinem mächtigen, backsteinernen Maschinenhaus auf. Obwohl ich weiss, dass ich in der Hitze wieder aufsteigen muss, steige ich zum prächtigen Wasserkraftwerk ab und beschaue es von Nahem. Es staut den mächtigen Wohlensee auf. Danach steige ich wieder nach Wichacher auf und gelange auf das Strässchen, welches den Wohlensee entlang führt. Dieses geht nach der Eymatt wieder in einen Wanderweg über. Boote fahren auf dem Wohlensee und Leute grillieren an seinen Ufern. Es ist ein riesiges Erholungsgebiet. Nach dem Ereignissen von Fukushima fröstelt mich der Gedanke, was mit dem Kernkraftwerk passiert, wenn der Damm birst. Es war schon kühn, ein Kernkraftwerk nahe einer Hauptstadt direkt unter einem so mächtigen Stausee hinzustellen. Irgendwann plagt mich auf dem Weg entlang des Sees wieder der Durst und ich raste an einem schönen Plätzchen. Danach geht es flott weiter und nach Hofe sehe ich die Wohleibrügg. Nun steigt der Weg nach der Hofemühle nach Wohlen hinauf, wo mich das Postauto nach Bern mitnimmt.

Dies darf ich nicht vergessen: Auf dem Weg von der Postautostation in Bern zu den Bahngeleisen stosse ich auf einen Bierladen mit unzähligen Biersorten. Ich suche immer das lokale und originale und finde ein Berner Müntschi von der Felsenau Brauerei in der Stadt Bern: „Steht das Müntschi auf dem Kopf, mischen sich Wasser, Hefe, Malz und Hopf.“

Links:
http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/angelfischerei/pachtgewaesser/niederriedsee.html
http://www.bkw-fmb.ch/bkwfmb/de/home/thema_energie_und/Energieproduktion/Wasserkraft/laufwerke/Niederried.html




Weissenstein am 31. Juli 2011

Dies ist kein Fluss, aber dieser Berg gehört hier trotzdem hierhin. Wegen meiner Krankheit habe ich mich jahrelang nicht mehr auf eine Clubtour oder auf einen richtigen Bergweg gewagt. Dank der intensiven Therapie bin ich dank gutem Wetter bereits vor Pfingsten wieder einmal von Arth-Goldau aus auf die Rigi gestiegen. Ich habe dies in meinen jungen Jahren immer als Vorbereitung auf die Bergtouren mit dem SFAC, dem damaligen Frauenalpenclub, gemacht. Der Weissenstein ist ein vortrefflicher Aussichtpunkt auf die Aare-Region.

Am Sonntag vor dem 1. August bin ich deshalb mit meiner Cousine Gisela Sager nach Solothurn gefahren, um auf den Weissenstein zu steigen. Die Wegzeit ab Bahnhof beträgt gut vier Stunden. Nach der Stadt duchquerten wir die bekannte Verenaschlucht mit der Grotte, die der heiligen Verena Zuflucht bot. Sie soll dort als Einsiedlerin ihre Wunderwerke vollbracht haben. Danach steigt der Weg durch einen Wald immer stutziger an, bis wir uns auf einem Pfad mit felsigen Stufen in einer Wand mit weissen Kalkfelsen befinden. Der Wanderweg ist mit stabilen Stufen und Geländer gesichert. Der unbequemste Teil ist der Schlussaufstieg entlang eines Wanderweges, welcher wie ein ausgetrockenes Bachbett aussieht. Dort müssen wir beide auf jeden Tritt achten, bevor wir auf die Passstrasse gelangen. Beim Kurhaus oben genehmigen wir uns einen währschaften Imbiss. Vor vielen Jahren übernachtete ich mit meinem damaligen Freund auf einer Jurahöhenwanderung in diesem Kurhaus.

Weil die Sesselbahn eingestellt ist, fahren wir mit dem Postauto nach Oberdorf hinunter.

Links:
http://www.bielersee.ch/download/Verenaschlucht.pdf
http://www.kurhausweissenstein.ch/




Meiringen - Guttannen

Eigentlich will ich von Brienz zum Grimselpass sowie, wenn möglich, zum Oberaarsee an diesem Sommerwochenende innert drei Tagen steigen. Der Wetterbericht für den Sonntag ist jedoch schlecht, so dass ich das Programm abkürzen muss.

Von Meiringen nach Innertkirchen führt der Weg durch die imposante Aareschlucht. Es hat an diesem Freitagmorgen nur wenige Leute bei dieser Touristenattraktion. Nach Innertkirchen führt ein steiler Bergweg zum Weiler Unterstock hinauf. Ich befinde mich das erste Mal seit vielen Jahren wieder auf einem weiss-rot-weissen Bergweg. Dies ist ein Vorgeschmack auf das, was mich erwartet. Nach dem Unterstock wandere ich Alpweiden entlang, bis der Weg zum Boden hinabsteigt und die Aare überquert. Sie ist jetzt ein etwas besserer Bergbach. Nach dem Boden geht es auf der anderen Seite leichten Schrittes nach Guttannen. Sobald ich nicht ständig koordinieren muss, komme ich wieder auf Touren. In Gadmen ist nach knapp sechs Stunden Schluss und ich nehme das Postauto für die Heimfahrt.

Links:
http://www.aareschlucht.ch/




Guttannen - Grimsel Hospiz

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich letztes Mal an zwei Tagen hintereinander solche Touren gewandert bin. Dank dem intensiven therapeutischen Training kann ich solches angehen. Heute werde ich gefordert. Ich bin froh, dass ich nachts genügend und gut geschlafen habe. Der Säumerpfad über den Grimsel ist auch Teil der Tilsiterroute. Der Weg ist am Anfang einfach, aber bald beginnt wieder der weiss-rot-weisse Bergweg. Er führt praktisch parallel zur Strasse, nur dass ich immer wieder zur Strasse ab- bzw. von dort wieder aufsteigen muss, während die Strasse schön gleichmässig bergauf angelegt ist. Nach einigem auf und ab gelange ich endlich zum steilen Anstieg nach Handeck. Dort steige ich leichtfüssig hinauf und in dieser Phase erhole ich mich vom koordinieren.

Ich erblicke die mächtige Hängebrücke vom Hotel Handeck zur Gelmerbahn. Das Hotel Handegg ist ein populäres Hotel mit riesigem Picknick-Platz samt Feuerstellen, Spielplatz, Kleintieren, eigener Käserei. Nach dem Hotel steigt der Weg wieder steil an und ich strebe dem Grimsel entgegen. Auf dem ganzen Weg entlang hängen saftige Heidelbeeren an den Stauden. Einige Leute sammeln eifrig Heidelbeeren. Ich bin jedoch so gefordert, dass ich nicht wage, mit Beeren pflücken, Zeit zu versäumen. Am felsigen Hang oben tauchen spiegelglatt geschliffene Granitflächen auf. Es sieht wie eine grosse, schiefe Tanzebene aus, auf der eine Familie herumläuft. Ich blicke kurz und gehe weiter.


Bald taucht die Staumauer des Räterichsbodensees mit der Gerstenegg auf. Bei der Gerstenegg befindet sich eine Kristallhöhle, durch die sich Gesellschaften führen lassen können.
Der Weg schwingt sich über den Räterichsbodensee und ich finde an einem luftigen Platz eine kurze Rast. Von  unten dröhnt der Lärm der Motorräder hinauf. Ich muss an einigen Stellen entlang des Räterichsbodensees gut aufpassen. Der See liegt tief unter dem schmalen Weg. Mit Bedacht muss ich die Bergbäche und Rinnen queren. Plötzlich bewegen sich über mir Kletterinnen und Kletterer wie Spinnen im Fels. Ich befinde mich in einem beliebten Klettergebiet. Allmählich tauchen wie aus einem tiefen Untergrund in mir Bewegungsmuster auf, die durch die langen Krankheitsjahre verschüttet worden sind. Ich fühle mich dumpf in frühere Jahre zurückversetzt, als ich mich in den Bergen wie eine Gemse bewegte. Nach dem See steigt der Weg steil auf und danach steil zum Fuss der Grimselstaumauer ab. Eine Frau überholt mich beim Abstieg. Sie rastet unten. Ich tue es ihr gleich. Über uns sitzt die gigantische Staumauer des Grimselsees. Wir brechen gleichzeitig zum Grimsel Hospiz auf. Der Weg hinauf ist steil, aber weil meine Koordinationsfähigkeiten nicht gefragt sind, zünde ich aus Freude meinen Turbomotor. Ich lasse die Frau bald hinter mir und gelange auf die alte, gepflästerte Strasse zum Hospiz. Auch ich habe ein Recht zum Lärmen, nicht nur die Scharen von Motorradfahrerinnen. Im Hochgefühl, es geschafft zu haben, plärre ich den Sechseläutenmarsch auf der Schlusskehre zum Hospiz hinaus. Dort besuche ich zuerst die Kapelle und danke Gott, dass er mir Kraft und Schutz gegeben hat, bevor ich im Restaurant eine Zvieriplatte nehme. Ich mache auf dem Grimsel-Hospiz nur Schluss, weil ich befürchte, sonst das letzte Postauto um Fünf zu verpassen. Die Luft hätte bis zum Pass gereicht, aber ich bin mir nicht sicher gewesen, ob Koordinationsfähigkeiten gefragt gewesen wären und ich deswegen das Postauto verpasst hätte.

Links:
http://www.grimselwelt.ch/
http://kristalle.ch/Strahlen/Geschuetzte_Kluft_Gerstenegg.asp




13. Mai 2012: Bern - Wohlen bei Bern

Eigentlich will ich den Weg in Wohlen nach Bern fortsetzen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe. Weil der Zug 13 Minuten Verspätung hat und das Postauto nach Wohlen weg ist, drehe ich die Sache um.

Mit dem Bus gelange ich zum Bärenpark. Ich muss vorausschicken, dass ich die etwa halbstündige Strecke Bärenpark - Dählhölzli letztes Jahr mit meiner Cousine gelaufen bin, als wir am Ostersonntag beide Tieranlagen besucht haben. Somit habe ich die Aarestrecke bis zum Abfluss in Thun vollständig abelaufen. Den Aarekanal zwischen Interlaken Ost und Interlaken West bzw. Weisenau lief ich im schlimmen Jahr meines Schubes von 2010 ab, um meine Beine wenigstens etwas zu fordern, um danach im Kaffee -Schuh einzukehren.

Vom Bus aus sehe ich in Berns Altstadt mehrere asiatische Gruppen. Wären die Berner Altstadt-Häuser nicht, dann könnte ich ebenso gut in Tokyo oder Peking sein. Ich erstatte den Bärinnen und Bären einen kurzen Höflichkeitsbesuch und starte dann zur Aarewanderung. Bei der vorherrschenden Bise, ist es am angenehmsten, im Schutze eines tief eingeschnittenen Flusstales zu gehen. Oben erstrecken sich die Altstadthäuser. Das Freibad an der Aare ist angesichts des kühlen Wetters menschenleer. Das Fabrikgebäude der ehemaligen Brauerei Gassner zieht mein Interesse an. Laut Berner Zeitung wurde dort bis 1968 Bier gebraut. Danach diente das Fabrikgebäude bis März 2012 als Schaffensort für Künstler. Die Nachfahrin des Brauers will auf dem Fabrikareal Wohnungen errichten. Ab der Brücke Felsenau beginnt der Kiesweg.

Vor der Station Worblaufen passiere ich ein Gelände mit historischen Fabrikgebäuden. Die Zeit scheint dort still gestanden zu sein. Auf einer Seite befindet sich der Werkplatz eines baunahen Betriebes aus Ittigen. Die meisten Fabrikgebäude erscheinen mir ungenutzt dahinzudämmern. Nach der ARA Worblental beginnt der Landschaftsweg Zollikofen mit erläuternden Tafeln zu den Pflanzen. Eine Tafel erklärt, dass sich dort Giessen befinden, d.h. Bäche, die aus Grundwasser entstehen. Solche Giessen befinden sich in Gegenden, wo ein mäandriender Fluss begradigt worden ist.

Das barocke Schloss Reichenbach mit seiner Orangerie und Fähre ist eine empfehlenswerte Sehenswürdigkeit. Die Fähre wurde 1743 für den englischen Gesandten eingerichtet, der dieses Schloss übernahm. Dies erklärt eine Tafel des Berner Landschaftsweg. Ein Restaurant samt Spielplatz laden zum Verweilen ein. Weiter unten befindet sich eine weitere Fähre. Zollikofen und Bremgarten fallen mit ihren hablichen Häusern auf. Dort dürfte das reiche Bern residieren.

Nach der Neubrügg, einer gedeckten Holzbrücke beim Eingang nach Stuckihaus, mache ich meine Teerast. Die Neubrügg ist die älteste erhaltene Holzbrücke im Kanton Bern. Die Aare fliesst danach langsamer und langsamer. Sie wird allmählich breiter und an den Ufern säumen sie teilweise breite Schilfbestände.

Die Wohleibrücke markiert den Beginn des Wohlensees. Dahinter befindet sich ein grosser Rastplatz, von dem der Weg nach Wohlen aufsteigt. Ich steige auf und begegne mir virtuell dort selber, wo der Wanderweg sich mit jenem vereint, auf dem ich letztes Jahr von Hagneck her nach Wohlen gelaufen bin. Nun ist die Lücke geschlossen und ich habe die ganze Aare vom Thunersee bis zur Rheinmündung abmarschiert.

Unterhalb von Schloss Reichenbach befinden sich im Bereich Zollikofen/Bremgarten zwei Rastplätze mit Feuerstellen. Oberhalb der Wohleibrücke ist ein grosser Rastplatz. Das Restaurant beim Schloss Reichenbach bietet sich als Einkehrmöglichkeit an.

Vom Bärenpark zum Schloss Reichenbach benötigte ich 2 Stunden. Das Wanderwegschild gibt ab Schloss Reichenbach nach Wohlen 2 Stunden 50 Minuten an.

Links:
http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Alte-Brauerei-verliert-einen-Teil-seiner-Kultur/story/23663037
http://www.zollikofen.ch/de/freizeitmain/attraktiveorte/landschaftsweg/welcome.php?action=showobject&object_id=7697
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Reichenbach
http://www.jenk.ch/wordpress/wp-content/uploads/Berner-Landschaftsweg.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Neubr%C3%BCgg




20. Mai 2012: Bellach - Solothurn



Damit ich die Aare lückenlos abmarschiert bin, habe ich heute noch das gut einstündige Teilstück zwischen Bellach und Solothurn absolviert. Ich habe dort begonnen, wo ich letztes Jahr wegen dem drohenden Gewitter aufgehört habe, in der Witi. Diese Landschaft und Schutzzone erstreckt sich zwischen Grenchen und Solothurn. Die Aare fliesst gemächlich an Ufern mit Schilfbeständen und kleinen Inselchen vorbei.

Der Wanderweg zwischen der Badi Solothurn und Altreu ist rollstuhlgängig. Letztes Jahr rollten dort Rollstuhlsportler flott an mir vorbei.

Auf dem Weg nach Solothurn komme ich an einem Bauernhof mit Hochstammbäumen vorbei. Nach der Badi erreiche ich bald die Krummturmschanze, in deren Park alte Kanonen stehen. Eine Gruppe macht dort einen Picknick und breitet ihr Tischtuch über der Mauer aus und baut darauf ein Buffet auf. Nun bin ich bereits in der Altstadt und schlendere etwas herum. Beim Basler Tor findet das kantonale Schwingfest statt und in der Altstadt drinnen die Solothurner Literaturtage. Die Urseren-Kathedrale ist wegen der Brandsanierung geschlossen.

Links:
http://www.witi-schutzzone.ch/
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Pfingstsonntag 2012: Wasserschloss der Schweiz

Ich komme heute nach Brugg zurück, um noch einige Aufnahmen vom Wasserschloss zu machen. Letzten Sommer marschierte ich von Brugg zum Gebenstorfer Horn, um vom Aussichtspunkt auf das Wasserschloss zu blicken. Heute bin ich von meiner Cousine Gisela Sager begleitet.

Vom Bahnhof Brugg durchqueren wir die Altstadt. Vor der historischen Brücke mit dem Turm biegt der Weg nach links die Aare hinab. Bald verlässt der Weg die Aare und wir gelangen zur Spinnerei Kunz mit ihrem mächtigen Wehr in Windisch an der Reuss. Der Zürcher Fabrikant Heinrich Kunz errichtete zwischen 1828 und 1839 das Wehr sowie die Fabrik. Sie war eine der grössten Spinnereien in Europa. 1879 war die Spinnerei Kunz mit 900 Beschäftigten die grösste Arbeitgeberin im Kanton Aargau.

Die Brücke der Spinnerei würde nach Gebenstorf führen und der Wanderweg von dort zum Horn. Weil der Aussichtspunkt heutzutage so zugewachsen ist, dass kein lückenfreier Blick mehr auf das Wasserschloss mit der markanten Landspitze Vogelsang besteht, folgen wir dem Industriekulturweg der Reuss entlang. Hinter der Fabrik liegt der Technopark Aargau. Dort entstehen neue Industrien auf industriehistorischem Boden. Von der Eisenbahnbrücke aus erhalten wir eine Panoramasicht auf die Mündung der Reuss in die Aare. Auf der westlichen Seite steht ein Armeebunker. Gruppen mit Schlauchbooten fahren die Aare hinab.

Wir überqueren die Eisenbahnbrücke. Auf der anderen Seite gehen wir das Strässchen geradeaus und folgen nicht dem Wanderwegpfeil nach rechts. Der Weg geradeaus führt uns exakt bis zum Limmatspitz, wo die Limmat in die Aare mündet. Bei der Brücke nach Laufohr steht eine Biberstatue. Ein Mann erklärt uns, dass im Wasserschloss Biber leben. Das Strässchen geht in einen Pfad über. Der Limmatspitz ist ein Naturschutzgebiet. Kleine Inselchen trennen die sich vereinigenden Flüsse. Wir rasten auf der Wiese über dem Limmatspitz. Danach laufen wir Limmat-seitig zum Bahnhof Turgi. Die reine Wanderzeit beträgt nicht viel mehr als gut zwei Stunden. Erst jetzt habe ich das Gefühl, die Flüsse Aare, Reuss und Limmat richtiggehend verstätet zu haben.

Links:

http://www.aargautourismus.ch/de/page.cfm/Ausflugsziele/Schulen/28611
http://www.pronatura-aargau.ch/cms/fileadmin/user_upload/3_pn/dokumente/wandertipps/ag_limmatspitz_de.pdf
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7. Juli 2012: Brienz - Meiringen

Letztes Jahr habe ich dieses Teilstück aus Witterungsgründen und wegen meiner Kniebänderentzündung ausgelassen. Die Böden sind nach einer Woche mit Hagel und Gewitterregen nass und tief. Das letzte Teilstück an der Emme muss deshalb noch warten.
Das Auf und Ab des Wetters hat mir während der Woche zugesetzt. Die Füsse haben stark zu kribbeln begonnen. Das Kribbeln hat sich bis ins Gesäss und in den Brustkorb fortgesetzt. Es hat sich komisch angefühlt, wie wenn ich nochmals ein paar Kniesocken tragen würde. Die Füsse sind manchmal richtig taub und schwer gewesen. Ich habe verzweifelt die Adresse des Hanfteelieferanten gesucht und ihm ein Mail geschrieben. Weil er auf einer Handelsmesse in Deutschland gewesen ist, habe ich erst am Freitagabend eine Antwort erhalten. Hanfteekräuter sind nächsten Mittwoch in seinem Ladengeschäft erhältlich. Ich bin trotz der Beschwerden am Mittwoch und Donnerstag mit den schwereren meiner beiden Wanderschuhe auf den Uetliberg gelaufen. Die schweren Bergschuhe sind für den Uetliberg nicht nötig. Deren höheres Gewicht sollen meine Muskeln zusätzlich stärken. Danach habe ich mich in der Badewanne mit Eiswürfeln eingerieben und hinterher kaltes Wasser einlaufen lassen. Dies löst bei mir in dieser Lage ein Wonnegefühl aus. Wenn ich mich wieder besser fühle, bin ich auf diese Brachialkur weniger erpicht. Zusätzlich habe ich mir wieder mehr Bettruhe gegönnt. Eigentlich sollte ich immer mindestens 8 Stunden Bettruhe haben und nicht meinen, ich käme wie die Gesunden mit wenig Schlaf aus.

Am Freitag hat der letzte der beiden Rettungstage 2012 der Stiftung San Arena begonnen. Ich präsidiere als Vertreterin der Zürcher Kantonalbank den Stiftungsrat. An diesem Tag haben Betriebssanitäterinnen und Betriebssanitäter aus verschiedenen Firmen ihr Wissen in praktischen Workshops aufgefrischt. Ich habe mich einer Gruppe angeschlossen und bei den verschiedenen Rettungsübungen mitgemacht. Ich habe mich gut gefühlt und das strenge Programm erstaunlicherweise gut bewältigt. Am bin ich trotz der Beschwerden anfangs bis Mitte Wcche in aufgekratzter Stimmung. Das tägliche Training und das strenge Therapieprogramm haben ihren Wert.

Beim Abmarsch in Brienz erwarte ich für heute einen gemütlichen Tag. Die Wanderzeit nach Meiringen ist mit 3 Stunden 20 Minuten angegeben. Dies ist im Vergleich mit anderen Touren ein Klacks. So hallt das zügige Tik-Tak meiner Wanderstöcke bald über dem Asphalt und Kiesweg. Das rhythmische Tik-Tak ist wie ein Metronom für meine Wandergeschwindigkeit. Ich denke: Was für die weltmeisterlichen Spanier ihr Tiki-Taki beim Fussball ist, ist für mich das Tik-Tak der Wanderstöcke. Tik-Tak: zu Fuss den Schweizer Flüssen entlang.

Gegen Ende des Brienzersees geht der Weg nach oben. Dies habe ich auf der elektronischen Karte zu Hause so erwartet. Ich komme durch ein Naturschutzgebiet nach Hofstetten und von dort zügig nach Brienzwiler und streife dabei das Freilichtmuseum Ballenberg von oben. Brienzwiler ist ein urigeses Dörfchen mit währschaften Berner Holzchalets. Dort könnten Ferien ruhig sein. Es gibt sogar ein Pilgerhaus im Dorf.

Danach zeigt das Wegschild nach Meiringen via einen Beerihubel und zu einem Naturlehrpfad. Vielleicht übersehe ich in der Ortsmitte von Brienzwiler die Abzweigung zum leichten, flachen Weg der Eisenbahnlinie und Aare entlang nach Meiringen. Es ist dieser Weg, den ich gemäss der elektronischen Karte zu Hause gehen wollte. Es kommt heute aber anders und ich lande Richtung Beerihubel auf einem Weg, den ich wegen der Nässe heute vermeiden wollte.

Der Weg steigt nach Brienzwiler einen steilen Grashang auf und zieht sich danach in einem Wald fort. Die Steintritte und Baumwurzeln sind nass und ich muss in kleinen Schritten vorwärts gehen. Weiter oben zeigt ein braunes Schild „Zwergiloch-Rundweg“. Dieser Weg geht parallel mit dem gelb klassierten Wanderweg. Manche Passagen erfordern Trittsicherheit. Anderswo sind solche Wege weiss-rot-weiss bezeichnet, hier interessanterweise oder besser irrigerweise gelb. Manchmal geht es auf schmalem, mit Geisteinsbrocken und nass-glatten Wurzeln versehenen Weg geradeaus, dann wieder steil auf oder ab. An der einen oder anderen Stelle bin ich froh, mich an einem Baum halten zu können. Grosse Felssbrocken säumen den Hang, die Umgebung wird karstig und ich muss aufpassen, wo ich zwischen den Felsblöcken hintrete. Ich denke fest daran, dass ich die goldene SAC-Nadel erhalten habe und dass ich dies wegen meiner Vorgeschichte in jungen Jahren kann. Dies verleiht mir auf diesem einsamen Pfad die notwendige Selbstsicherheit. Dazu kommt noch ein unerschütterliches Gottvertrauen. Das Schild Zwärgiloch zeigt an einer Weggabelung steil nach unten, der gelbe Wanderweg geradeaus.

Auf einer Anhöhe stehen bald danach zwei rote Sitzbänke des Verkehrsvereins  Sie bieten Sicht auf den tief unten liegenden Flugplatz Meiringen, den gegenüberliegenden Wasserfall und das Haslital hinauf. Es ist Zeit für eine Teerast. Nacher komme ich an einer Stelle mit Holzschlag und frischen Spänen vorbei und kurz danach liegt ein toter Fuchs auf dem Pfad. Ich fotografiere ihn und erstatte später in Meiringen beim Polizeiposten. Er ist jung, sieht gut aus und ist leider tot. Die Fliegen kümmern sich um ihn. Ich muss über den bedauernswerten Kerl hinübersteigen, um weiter zu kommen. Es gibt in diesem Steilhang kein Ausweichen.

Auf einer ebenen, einfacheren Graspassage produziere ich eine Bauchlandung, weil ich gespannt in die Ferne blicke, um auszumachen, wie es generell weitergeht. Es ist dank der weichen Landung nichts passiert und ich komme rasch wieder in den Tritt. Beim Abstieg entlang einer sonnigen Fluh huscht da und dort eine Eidechse über den Weg. Es dauert alles unendlich lange. Irgendwann komme ich an Alpweiden und verlassenen Alphütten vorbei. Es ist alles wie ausgestorben. Als ich vermute, dass danach der Abstieg zur Ebene folgt, entscheide ich mich, auf der letzten Weide Kräuter zu sammeln. Ich sammle Sauerampfer für den Salat am Abend sowie noch junge Brennesseln. Brennesseltee soll gemäss Kräuterlexikon das Immunsystem stärken. MS gilt als Immunschwächekrankheit. Deshalb bin ich scharf auf Brennesseln. Während ich fleissig Kräuter sammle, erlaben sich die Bremen an mir. Eine Frau mit Hund steigt den Hang hinauf. Es ist die erste Person, die ich seit Brienzwiler treffe. Sie bestätigt mir, dass dies ein einsamer Weg ist. Nach dieser letzten Alpweide führt ein breiter Kiesweg nach Funtenen hinab. Das Wanderwegschild zurück nach Brienzwiler zeigt für den unteren, ebenen Weg sowie für den strengeren Weg über den Beerihubel eine identische Zeit. Dies kann nicht stimmen. Bei Funtenen mache ich bei einer Sitzbank wieder einen Teehalt. Danach laufe ich auf dem breiten Weg nach Meiringen und frage die Einheimischen nach dem Polizeitposten, um den toten Fuchs zu melden. Der Polizist meint zu mir, dass man auf dem Weg, den ich begangen bin, gut auf den Tritt achten müsse. Dies bestätigt mir, dass Wanderwegklassierung und Zeitangabe nicht stimmig sind. Am Schluss des Tages habe ich das Meringue im Café Brunner beim Bahnhof verdient.

Gerne würde ich in Meiringen bei Gelegenheit das Sherlock-Holmes Museum oder das Haslital-Museum besuchen, aber für heute ist genug.

Links:

http://www.vol.be.ch/vol/de/index/wald/wald/planung_grundlagen/planung_rwp/planung_rwp_12.assetref/content/dam/documents/VOL/KAWA/de/Planung_Grundlagen/Regionale_Waldplanung/12_Oberhasli/planung_rwp_12_O_17_RufibergFuntenen.pdf
http://www.sherlockholmes.ch/main.html
http://www.haslimuseum.ch/
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14. Juli 2012: Alte Aare von Büren an der Aare bis Aarberg

In der Sommer-Serie von SF DRS „Die Wasserratten“ habe ich von der Alten Aare erfahren. Diese habe ich letztes Jahr verpasst, weil ich jeweils auf dem anderen Aare-Ufer entlang gelaufen bin. Weil es für den voralpinen Abschluss der Emme sowie für das Weitermachen am Ticino zu nass ist, kommt es mir entgegen, die Alte Aare heute zu erschliessen.

Ich bin übrigens froh, dass ich letzten Mittwoch meinen Hanftee vom Lieferanten erhalten habe. Er ist leider nicht so leicht erhältlich. Ich mache wieder eine Kur. Ich übergiesse abends einen Esslöffel Hanfkräuter mit kochend heissem Wasser, füge ganz wenig Butter hinzu und lasse den Sud zehn Minuten lang abgedeckt ziehen. Er hat eine entspannende, beruhigende Wirkung. Das THC im Hanf ist fettlöslich wie das Karotin in den Karotten. Wenn ich Ziegenmilch daheim habe, nehme ich etwas davon. Es wäre schön, wären Hanfkräuter frei erhältlich. Nicht alle Patientinnen und Patienten wollen von den Arztrezepten abhängig sein. Ich hätte es gerne, ich könnte mit Hanfsamen zu Hause meine eigenen Teekräuter ziehen oder diese in den Wäldern sammeln wie andere wilde Heilkräuter. Ich will mich nicht auf die Lieferanten von rauchbarem Hanf verlassen müssen, zumal ich es als Nichtraucherin nicht kiffen kann. Andere Patientinnen und Patienten kiffen gleichwohl Hanf. Es gilt als krampflösend und hat bei MS eine wohltuende Wirkung. Ich sehe Hanf lieber als Kraut in seiner Naturform als in Form von Tropfen auf Arztrezept.

Der Morgen beginnt für mich traurig. In der NZZ springt mir die Todesanzeige von Otto Nauer ins Auge. Er hat Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts meine Mutter und mich durch das Bundeshaus geführt. Dabei hat sich Hedi Lang uns angeschlossen. Am Ende der Rundtour trafen wir auf Emilie Lieberherr. Sie lud meine Mutter und mich zum Kaffee im Parlamentariercafé ein und bat Hedi Lang, das Geld dafür vorzustrecken. Emilie musste eilig nach Zürich zurück. Danach sassen meine Mutter und ich mit Otto Nauer und Hedi Lang im Bundeshaus-Café und genossen Zwetschgenwähe mit Rahm zum Kaffee. Es war ein unvergessliches Erlebnis. Jetzt sind ausser mir alle von damals nicht mehr am Leben. Otto Nauer war ein bodenständiger Sozialdemokrat, der mit tauglichen Lösungen dafür eintrat, das Los der Menschen im Alltag zu verbessern. Er war kein Blender, sondern einer der Typen, die es verstanden, mit solider Arbeit Nägel mit Köpfen zu machen.

Im Postauto von Grenchen Süd nach Büren an der Aare komme ich mit einem Sitznachbarn ins Gespräch und verdränge meine Wehmut etwas. Wir steigen im mittelalterlichen Zentrum mit seinem Schloss aus. Ich bemerke zum Mann, dass in diesem Schloss wie in anderen Berner Orten die Bezirksverwaltung drin ist. Er antwortet, dies sei nicht mehr lange der Fall. Das Schloss stehe zum Verkauf frei. Ich frage laut, ob es dann von einem Russen, Chinesen oder Araber gekauft würde.

Ich fotografiere das Schloss. Es schiesst mir spontan in den Kopf: Die Aare ist mit ihren malerischen Kleinstädtchen, den Auenlandschaften sowie ihrem wuchtigen, alpinen Ursprung ein faszinierender Fluss. Die Sonne scheint, der Wind weht mir die Mütze fast in die Aare. Ich versorge sie im Rucksack. Ich bin gespannt, die Alte Aare zu entdecken. Das Wanderwegschild zeigt 3 Stunden 50 Minuten bis Aarberg an.

Ich laufe zur alten Holzbrücke über die Aare und danach westwärts dem Nidau-Büren-Kanal entlang. Bei der Gabelung der Wanderwegschilder zweige ich aber nicht direkt nach Lyss-Aarberg ab, sondern gehe geradeaus Richtung Nidau. Nur durch diesen Umweg kann ich an die Mündung der Alten Aare in den Aare-Kanal gelangen. Der offizielle Wanderweg schneidet diesen ab und trifft erst wenige hundert Meter oberhalb der Mündung auf die Alte Aare. Nach dem Kiesweg muss ich noch ein gutes Stück die mässig befahrene Landstrasse Richtung Meienried entlang laufen, bis ich beim Wald zur Mündung der Alten Aare gelange. Ich fotografiere dort. Die Tafeln beidseits der Brücke weisen auf das Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung hin. Aufgrund der Regeln verstehe ich, dass die Wasserratten mit Schlauchbooten durch die Alte Aare fuhren. Andere Wasserfahrzeuge sind in diesem Schutzgebiet nicht erlaubt. Das Schild warnt, dass umgekippte Baumstämme nicht entfernt werden und die Alte Aare auf eigenes Risiko befahren werden kann.

Ein Feldweg führt auf östlicher Seite der Alten Aare entlang und trifft weiter oben auf den Wanderweg. Der Weg ist teilweise nass und stellenweise morastig. Ich bin froh, dass er eben ist. Nach Dotzigen beginnt die Kernzone des Schutzgebietes. Der Auenwald wirkt wie ein zauberhafter Urwald. Neben dem Flusslauf befinden sich einzelne Weiher. Dieser traumhaft schöne Weg wird bei Busswil unterbrochen. Es geht durch ein Einfamilienhaus-Quartier. Nach dem Restaurant Seeteufel mit seiner hinter Mauern steckenden Erlebniswelt setzt sich der naturbelassene Wanderweg durch das Schutzgebiet fort.

Am Stadtrand von Lyss komme ich vom Wanderweg ab und stehe plötzlich vor einer Tierkadaverstelle, von der ab sich das Gewerbegebiet mit Lagerhäusern und Auto- Spenglereien erstreckt. Ich laufe rasch dem Industriegebiet entlang und hoffe, bald wieder auf den Weg zu stossen. Beim ersten Wohnhaus frage ich einen Mann, wie es weiter geht. Er zeigt mir, dass ich hinter dem Haus, wieder auf den Wanderweg gelange. Die Alte Aare hat mich wieder. Weg und Fluss durchqueren die Berner Provinzstadt. Danach finde ich einen schönen Platz für meine Teerast.

Vom nächsten Wegschild aus wären es noch 40 Minuten bis Aarberg, aber ich verlaufe mich nahe dem Ortsrand wieder. Die Beschilderung wird mit den Helsana- und Vitaparcours-Trail-Schildern unübersichtlich. Auf meinem Umweg entdecke ich, dass die AXPO eine Kompogas-Anlage betreibt. Ich schmunzle: Die AXPO tief im BKW-Land!

Bald bin ich wieder an der Alten Aare und strebe Aarberg zu. Aarberg ist bekannt für seine Zuckerfabrik. Ich folge nicht der Abzweigung zum Bahnhof, sondern gehe geradeaus weiter. Ich will an den Ursprung der Alten Aare gelangen. Ich achte darauf, die Alte Aare nicht aus dem Blick zu verlieren und frage mich bei einer Aarbergerin durch. Ich laufe unter der gedeckten Holzbrücke durch. Bei der nächsten Brücke nehme ich auf der linken (östlichen) Seite die leicht abfallende Strasse mit Schild Richtung Kraftwerk Biberspur. Hinter den Leitplanken führt ein Pfad parallel zur Strasse. Nach etwa 200 Metern geht es nach rechts über die Alte Aare und dem Schwimmbad entlang bis zum Aare-Hagneck-Kanal. Von dort sind es nur noch wenige Meter bis zur Ableitung der Alten Aare aus dem Aare-Hagneck-Kanal. Ihr Ursprung ist unspektakulär und leicht zu übersehen. Sie wird in einem schmalen Schacht aus dem Aare-Hagneck-Kanal abgeleitet. Dieser ist mit Fischtreppen ausgerüstet. Die Wasserratten konnten folglich nicht direkt in die Alte Aare einfahren, sondern mussten ihre Schlauchboote etwas unterhalb des Ursprungs zu Wasser lassen. Ein Schild der BKW weist darauf hin, dass die Aare in alter Zeit abwechselnd durch die Alte Aare oder durch Neuenburg geflossen ist. Übrigens leben jetzt in diesem Gebiet wieder Biber. Erst jetzt bin ich zufrieden und steige zum Bahnhof und Städtchen hoch. Die Alte Aare hat sich gelohnt.

Links:

http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/naturfoerderung/naturschutzgebiete_naturschutzobjekte/lage_bestimmungen/schutzbeschluesse_der_naturschutzgebiete.assetref/content/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Naturfoerderung/Schutzbeschluesse_NSG/LANAT_NF_NSG_Alte_Aare_de.pdf
http://www.wanderland.ch/de/routen_detail.cfm?id=338330
http://www.bkw-fmb.ch/bkwfmb/de/home/klimafreundliche_stromproduktion/Besucherzentren/Erlebnispfad_BiberSpur_Aarberg.html
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23. August 2012: Grimsel-Hospiz - Oberaarsee

Heute hole ich nach, was ich letztes Jahr wegen meiner Kniebänderentzündung verpasst habe. Wegen einer Weichenstörung bei Baar verpasse ich jedoch den Anschluss an den Goldenpass nach Meiringen in Luzern und komme erst um 11.45 Uhr mit dem Postauto an der Haltestelle Abzweigung Grimsel-Hospiz an. Die Sonne lacht und ich starte guter Dinge. Zuerst geht es allerdings ein Stück weit auf der Passstrasse dem Grimselsee entlang. Beim nächsten Kurvenknick zeigt ein Wegzeichen direkt auf den Pass hinauf (der Via Sbrinz folgend) und das andere direkt zum Oberaarsee. Ich habe geplant, zuerst auf den Pass aufzusteigen und von dort die Fahrstrasse entlang zum Oberaarsee zu gehen. Dank meinem gewonnenen Selbstvertrauen entlang des Ticinos, entscheide ich mich für den direkten, weiss-rot-weissen Bergweg zum Oberaarsee. Offizielle Zeit ist etwa 2 Stunden 10 Minuten, aber ich benötige auf einem Bergweg immer mehr. Dieser gut angelegte Bergweg steigt dem Grimselsee entlang auf und entlöhnt mich mit einem immer luftigeren Tiefblick auf See und Hospiz und später auch mit einem fantastischen Tiefblick auf den Oberaargletscher und die dahinter liegenden Bergriesen wie Lauteraarhorn und Schreckhorn. Eine Seilbahn zieht sich vom Hospiz über den Grimselsee über mich hinweg und erlaubt den Passagieren eine schweissfreie Aussicht. Ich arbeite jedoch für den gewaltigen Panoramablick und darf ihn deshalb länger geniessen als wenige Minuten.

Die Szenerie verdunkelt sich im Westen und es beginnt zu tröpfeln. Nach einem letzten Aufschwung gelange ich zur Fahrstrasse. Angesichts des aufkommenden Gewitters gehe ich nicht via den weiter oben liegenden Tribschensee zum Oberaarsee, sondern direkt der Fahrstrasse entlang zum Oberaarsee. Ich habe Glück: Es donnert heftiger als dass es regnet. Es hellt bereits wieder auf, als sich der Blick auf den Oberaarsee und den Oberaargletscher öffnet. Ich darf im Oberaarhaus auf das WC und steige danach zum Oberaarsee hinab, wo ich mit Blick auf den Oberaarsee und die gigantischen Berggipfel meine Teerast habe. Eine Werks-Seilbahn der Kraftwerke Oberhasli führt bis an das Ufer des Oberaarsees.

Es ist schon etwas später am Nachmittag, als ich den asphaltierten Fahrweg entlang zum Grimselpass laufe. Es tröpfelt manchmal, aber ich bleibe von einem weiteren Gewitter verschont. Ich geniesse die Grimselwelt, die mit dem Unteraargletscher und dem Oberaargletscher die Wiege der Aare bildet. Tief unten liegt der Grimselsee, das Hospiz und noch weiter unten taucht der Räterichsbodensee auf. Gegenüber erheben sich der Gelmergletscher und die Gelmerhörner. Dank der Verkehrsbeschränkungen sowie des Wochentags kann ich praktisch ungestört auf dem Panoramasträsschen gehen.

Die Zeit reicht gut, um an einem Verkaufsstand bei der Passhöhe ein Päärchen Trockenwurst und ein grosses Stück Alpkäse für meinen Zabig zu kaufen. Danach gehe ich in die Christophorus-Kapelle, um dort in der Stille zu beten. Ich danke Gott, dass ich solche Wanderungen unternehmen kann und er mich dabei behütet. Ich danke ihm, dass er die Schweiz mit einem so wunderschönen Land und Wasserreichtum beschenkt hat. Ich bitte ihn, dass das Volk vernünftig und sorgsam mit seinen Gaben umgeht und er die Bevölkerung vor den Naturgewalten beschützt. Der Wind pfeift um die Kapelle und manchmal ist es mir, es würde jemand in die Kapelle treten. Aber kein Mensch ist ausser mir dort.

Danach rechne ich mir aus, es könne noch zum Grimselblick reichen, um dort zu schauen, ob es noch Brötchen und Bier zu kaufen gibt. Ich schätze, dass das Postauto dort etwa ein oder zwei Minuten vor 17.34 Uhr durchfährt. Es ist das letzte Postauto. Der Wind bläst Nebel den Totensee entlang über den Pass. Ich kann im Kiosk dort das Erhoffte kaufen und die Toilette aufsuchen, als es Tü-Ta-Ta macht. Das Postauto! Ich bin in Windeseile draussen. Das ältere Kiosk-Inhaberpaar beruhigt mich, es sei ein anderes Postauto. Seine Sorge ist, ob ich die Toilette sauber hinerlassen habe.

Ich gehe zur Postautohaltestelle gegenüber und frage die dort herumstehenden Männer, ob sie auf das Postauto warteten. Ein Mann sagt mir, das Postauto sei noch weit hinter ihnen gewesen und man höre sein Horn von weitem. Ein anderer sagt mir, ich solle die Abfahrszeit ablesen. Er habe kurz vorher ein Postauto durchfahren sehen. Die Abfahrtszeit beim Grimselblick ist 17.26 Uhr und bei der Passhöhe 17.34 Uhr. Meine Uhr zeigt bereits kurz nach 17.30 Uhr, geht aber um etwa eine Minute vor. Der private Carchauffeur sagt mir, er dürfe niemanden mitnehmen, ich müsse selber schauen. Es gibt nur eines: Rennen und nochmals rennen! Wegen des Nebels sehe ich nicht, ob das Postauto noch auf der Passhöhe steht. Ich renne nur dem Totensee entlang. Dann lichtet sich der Nebel und ich sehe das Postauto auf der Passhöhe stehen. Ich sprinte weiter, schreie immer wieder Postauto und schwenke meine Wanderstöcke in die Höhe. Es will schon abfahren, als es wieder anhält. Ich schöpfe Hoffnung, sprinte unvermindert weiter, bis sich die Türe des Postautos öffnet. Am Steuer sitzt der freundliche Postauto-Chauffeur vom Vormittag. Er weiss, dass ich ein GA habe und sagt nur: Sitzen Sie ab, schnaufen Sie aus. Das mit dem Alpin-Zuschlag regeln wir unten. Ich danke ihm überschwänglich und sage dazu auch, es habe geholfen, dass ich vorher in der Christophorus-Kapelle gebetet habe.

Auf der Passhöhe gibt es Murmeltiere und Kristalle zu besichtigen.

Die Aare ist beides: aristokratisch und überwältigend. Meine Aare-Kampagne ist erfolgreich beendet worden.

Links:

http://www.myswitzerland.com/de/viasbrinz-saumpfad-grimselpass-handegg.html
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14. August 2014: Thun - Interlaken

Beim Rhein habe ich die Seestrecken absolviert. Deshalb soll die Aare gleichgestellt und die See-Lücken geschlossen werden.

Beim Abmarsch in Thun erinnere ich mich, dass das Flussprojekt 2011 hier mit dem Marsch von Thun nach Bern begonnen hat. Seither bin ich eine vierstellige Kilometerzahl entlang der Schweizer Flüsse marschiert.

Ich überschreite die Aare über die gedeckte Brücke und folge dem Wanderwegschild Richtung Merligen. Bald geniesse ich einen wunderbaren Blick auf Schloss Schadau und die Stockhorngruppe am anderen Seeufer. Zwischen Hünibach und Hilterfingen liegt das Schloss Hünegg. Die Sonderausstellung zeigt historische Seilbahn- und Bergbahnkabinen. Ich fotografiere die Gruppe mit dem roten Stehkorb auf den Moléson. Danach geht es weiter nach Oberhofen, dessen Schloss eine Ausstellung der früheren Wohnkultur bietet. Als Kind besuchte ich das Schloss mit meinen Eltern. In Oberhofen befindet sich eine Gedenkstätte für den grossen Staatsmann Winston Churchill. Der schlichte Stein liegt in einem Park mit einem gut gepflegten englischen Rasen.

Es geht mir heute auch darum, zu testen, wie gut ich lange Distanzen auf Asphaltwegen bewältigen kann. Von Oberhofen aus nehme ich das Trottoir entlang der Seestrasse. Nach Gunten sichte ich bei einem Parkplatz einen Taucher, der sich für den Tauchgang im Thunersee bereit macht. Ich darf ihn fotografieren. Er erklärt mir, dass seine Taucherausrüstung etwa 30 Kilo wiegt. Er erwartet wegen des vielen Regens eine trübe Sicht. Er wird vielleicht Eglis und Hechte beobachten können. Das Anziehen seiner Flossen ist beim Treppenabstieg in den See etwas tückisch. Fast schwimmt ihm eine Flosse davon. Dann verschwindet er im See. Ich raste auf einer Bank.

Dann marschiere ich flott durch Merligen, die nächste Sommerfrische. Gegenüber sticht das Schloss Spiez hervor. Bei der Beatenbucht liegt die Station der Bahn auf den Beatenberg. In der Beatenbucht liegt ein Kalkofen. In ihm wurde früher Kalk gebrannt. Der Kalk sowie das Holz mussten zum Kalkofen transportiert werden. Aus Kalk, Sand und Wasser wurde früher Mörtel hergestellt.

Leider hört der Fussgängerweg entlang der Seestrasse wenige hundert Meter nach der Beatenbucht abrupt auf und es bleibt nichts anderes übrig, als den Weg entlang der Strasse fortzusetzen. Felswände und kleinere Tunnelabschnitte prägen die Strassenroute bis zu den bekannten Beatushöhlen. Diese habe ich einmal mit meiner Mutter besucht. Ab den Beatushöhlen kann ich wieder auf einem Trottoir gehen. Der Pilgerweg führt steil zur Schiffstation hinab. Von dort folge ich dem Wanderweg Richtung Sundlauenen, Neuhaus und Interlaken.

Vor Neuhaus liegt eine Siedlung mit kleinen Chalets. Dort erblicke ich durch den Hag das Hüsli von Onkel Roland und Tante Retha. Tante Retha war die Schwester meines Dadys. Als Kind war ich mit meinen Eltern dort für Wochenendbesuche. Das Neuhaus gehörte Onkel Roland. Vom Neuhaus aus nehme ich das Trottoir bzw. den Radweg Richtung Unterseen/Interlaken. Ich will am Geburtshaus von Onkel Roland vorbei, so wie wir damals mit dem Auto zum und vom Hüsli gefahren sind. Es ist der Wydhof. Als meine Mutter ihr Haushaltsjahr in Unterseen absolvierte, hat die lokale Bevölkerung dieses turmartige Anwesen als Schlössli bezeichnet.

Bald wird der Turm des Metropol sichtbar und das traditionsreiche Café Schuh zieht mich wie ein Magnet an. Es ist heutzutage offenbar zu einem beliebten Ort für arabische und andere asiatische Familien geworden. Diese Völker haben die Engländer und Amerikaner abgelöst.

Links:
http://www.schlossthun.ch
http://www.schloss-schadau.ch
http://www.schlosshuenegg.ch
http://www.schlossoberhofen.ch/de/home
http://www.schloss-spiez.ch/schloss/index.php
http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/55366/
http://www.beatushoehlen.ch
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19. September 2014: Interlaken-Ost - Brienz

Die Wegzeit vom Bahnhof nach Brienz wird mit 4 Stunden 45 Minuten angegeben. Dies betrifft die Route, welche konsequent bis nach Iseltwald den See entlang führt und erst vor Giessbach auf breitem Weg ansteigt.

Ich folge diesem flachen Weg via Bönigen bis nach Iseltwald. Vor Iseltwald steigt der Weg bei Sengg wegen dem markanten Felskopf der Senggflue an. In Iseltwald entscheide ich mich für den sportlichen Höhenweg, der zum Mülibachtobel mit seinem Wasserfall aufsteigt. Danach geht es auf einem Pfad über Weiden sowie zum Teil über Stock und Stein. Ich raste bei einer Sitzbank und blicke über den grünlichen See zur Brienzer Rothorn-Kette hinüber.

Etwa 20 Minuten vor den Giessbachfällen mündet der Pfad in den breiten Weg. Ich komme an den Giessbachfällen vorbei, fotografiere und filme dort. Danach sind es wenige Minuten zum Hotel Giessbach. Ich genehmige mir auf der Hotelterrasse einen Zwetzschgenkuchen mit Kaffee und geniesse die Seesicht. Das Grandhotel im Belle Epoque Stil gehört dem Umweltschützer Franz Weber. Danach dauert es noch eine gute Stunde bis nach Brienz.

Links:

http://www.giessbach.ch/de/home.html
http://kraftorte.webshopbau.ch/giessbachfaelle.htm
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