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Verzasca Logbuch

von Liliane Waldner


Einführung in die Verzasca

Die Verzasca entspringt auf 2‘318 m.ü.M. an den Flanken des Pizzo Barone und sie fliesst nach einem Lauf von 34 Kilometern durch das Verzasca-Tal auf 193 m.ü.M. bei Tenero in den Lago Maggiore. Berühmt ist die Staumaurer des Lago di Vogorno durch den Bungee-Sprung von James Bond im Film Golden Eye.

Mehr über die Verzasca auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Verzasca_(Fluss)

28. November 2015: Erster Augenschein in Tenero

Ich verknüpfe heute die Fluss-Deltas von Ticino, Verzasca und Maggia. Diese Fluss-Delta-Tour ist im Ticino-Logbuch beschrieben. Ich folge der Verzasca vom Naturschutzgebiet ihres Deltas und der ersten Brücke auf einem sportlichen Uferweg bis zum Verzasca-Kraftwerk-Wehr und Zentrum von Tenero. Vom Bahnhof Tenero werde ich mit mehr als sechs Stunden nach Lavertezzo oder mehr als drei Stunden bis Vogorno rechnen müssen.

25. Juli 2016: Tenero - Mergoscia

Weil das Wetter im Norden regnerisch ist, entschliesse ich mich, an der Verzasca weiter zu machen. Ich steige nur nach Mergoscia auf, denn ich will zeitig in Zürich sein, da ich am nächsten Tag Gisela auf Ferienbesuch habe.

Nach einem Cappucino bei Tenero Piazza steige ich den steilen Treppenweg mit Blick in reizvolle Vorgärten nach Contra hinauf. Dafür sind 50 Minuten und vermutlich für jedes Bein mehrere hundert Treppenstufen vorgesehen. Ich mag das, obwohl die Tessiner Wärme noch einen Zacken zu jener im Norden zulegt. In Contra trinke ich, nehme ein Traubenzucker und fülle die Flasche wieder mit Brunnenwasser.
Danach geht es auf einem Strässchen bis Mergoscia weiter. Ich kenne das, aber es ist weit über 20 Jahre her, als ich vom Hotel Orselina jeweils via Contra, Mergoscia nach Lavertezzo gewandert bin, auch mit meiner Mutter. Mir hat die grandiose Aussicht zum Lago di Vogorno mit seiner kühnen Staumauer schon damals imponiert. Die Staumauer ist erst später Kulisse für den James-Bond-Film Golden Eye mit der berühmten Bungee-Jumping-Szene geworden. Der Filmsong ist übrigens von Tina Turner, der prominenten Neu-Schweizerin und Power-Frau gesungen worden. Siehe Link zum You Tube Video unten!

Von Diga aus kann die Staumauer gut überblickt und fotografiert werden. Touristen schlendern auf ihr, weil auf der anderen Seite der Verzasca bei der Hauptstrasse ins Verzasca-Tal ein grosser Parkplatz liegt. Ab Diga ist das Strässchen nur noch für Fussgänger und Radfahrer frei. Der Autoverkehr verläuft durch einen Tunnel. Das ist neu für mich, aber es ist ja eine Ewigkeit her. Der Tunnel schützt den Autoverkehr, weil das Strässchen offensichtlich steinschlag-gefährdet ist. Da liegt immer etwas Heruntergefallenes darauf. Das Geländer rostet vor sich hin oder ist stellenweise durch Steinbrocken durchschlagen worden. Mergoscia kommt mir grösser vor als seinerzeit. Der Weg von Contra nach Mergoscia ist mit einer Stunde 55 Minuten angegeben. Leider ist der Laden mit den Käsespezialitäten der Alp Bietri geschlossen. Bei der Kirche und Post entdecke ich noch die Osteria, in der wir vom der Damenriege des Ballspielclubs vor etwa 45 Jahren einen Kaffee genommen haben, bevor wir auf Cimetta aufgestiegen sind. Es ist eine erinnerungsträchtige Wanderung in die Vergangenheit gewesen.

Links:
https://www.youtube.com/watch?v=mSvuHSqqGSw
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30. September 2017: Mergoscia - Corippo
Nachtrag 7. Oktober 2017 bis Lavertezzo

Ich kenne die Strecke von Mergoscia nach Lavertezzo von früheren Wanderungen, als ich in Orselina Ferien machte. Damals bin ich einige Male ohne Stöcke von Orselina bis Lavertezzo gewandert. Jetzt mache ich mich aus dokumentarischen Zwecken für die Website wieder auf diese Strecke. Ich habe wegen meinem Schub im Herbst 2016 die ruppige Strecke von Mergoscia nach Corippo gescheut. In der Nacht zuvor habe ich geträumt, ohne Stöcke locker über Felsblöcke, ja sogar durch ein Bachbett zu gehen. Das Unterbewusstsein in der Traumwelt hat sich nicht getäuscht. Allerdings geht es nur im Slow-Motion-Modus und mit Stöcken über Felsblöcke.

Start ist bei der Bushaltestelle Mergoscia, Posta. Der Weg steigt auf Steintreppen und Steinplatten über das Dorf hinauf. Danach beginnt der Bergweg des Sentiero Verzasca. Schweiz Mobil bezeichnet die Strecke Lavertezzo - Locarno als leicht. Das Teilstück zwischen Mergoscia und Corippo gleicht jedoch eher dem sportlichen Denzlerweg auf den Uetliberg als einem leichten Wanderweg.

Der Weg führt durch Kastanienwälder und die Kastanien liegen überall herum und fallen von den Bäumen. Auf dem Weg komme ich an kleinen, verlassenen Siedlungen mit uralten Steinhäusern vorbei. Sie sind mit etwa zwei Ausnahmen vor langer Zeit verlassen worden, weil das Leben in dieser kargen, felsigen Landschaft keine genügende Existenz ermöglicht. Bei Perbioi erreiche ich mit fast 900 Höhenmetern den höchsten Punkt. Dort liegt ein Feuchtgebiet. Der Wanderweg kreuzt den Kultur- und Naturweg des Vereins Pro Mergoscia, der solche Plätze pflegt. Ab dieser Wildnis geht es mit einigen Gegensteigungen meistens hinab.

An einem Felsenmeer vorbei geht es in steilen Felsstufen zu den verlassenen Steinsiedlungen von Bedeglia und Redond hinab. Danach kommt eine Sitzbank mit tollem Tiefblick auf den Lago di Vogorno. Ein Ehepaar schliesst sich meiner Rast an und der Mann glaubt, einen Steinpilz gefunden zu haben. Die Frau riecht daran, ist aber nicht sicher. Nach der Rast samt Konversation geht es weiter.

Der Weg führt über Stock und Stein in ständigem Auf und Ab den Hang entlang. Bei Gresina leben Menschen in einem der alten Steinhäuser und sie halten Hühner. Danach gilt es, auf Granitblöcken ein Felsenmeer zu queren. Die Zeit scheint unendlich lange zu gehen. Von weitem entdecke ich das heimatgeschützte Dorf Corippo, das an einem Steilhang klebt. Danach verschwindet es wieder hinter einer Kehre. So geht es die ganze Zeit lang - und immer wieder kommen felsige Passagen und müssen Bäche gequert werden. Bei Liano wohnt auch jemand und hält eine Schar Esel. Beim darauf folgenden, steilen und felsigen Abstieg muss ich äusserst vorsichtig sein. Ich bin froh, wenn ich die alte Steinbrücke nach Corippo überschreiten kann und danach auf steilen Felsentreppen ins Dorfzentrum aufsteigen kann. Der steile Aufstieg danach ist für mich eine Erholung und Freude. Hinablaufen ist nicht meine Sache.

Von Corippo nehme ich das Strässchen bis zur Bushaltestelle Corippo, Bivio. Bei der Grotto ai Bivio da Paola kann ich feinen Tessiner Alpkäse und Brot für den Zabig auf der Heimfahrt kaufen. Die Zeit bis zum Postauto reicht nicht zum richtig am Ort essen. Aber ich nehme noch gerne einen Cappuccino. Ich komme mit Einheimischen am Tisch ins Gespräch. Die Grotto ist belebt und die Wirtin eine hilfsbereite, freundliche Person. Dort müsste ich mir einmal Zeit zum richtig einkehren nehmen.

Die Wanderzeit von Mergoscia bis Corippo ist etwa eine Stunde 50 Minuten, aber wegen des Geländes muss mindestens mit zwei Stunden gerechnet werden. Am 7. Oktober 2017 bin ich von Corippo bis Lavertezzo gewandert. Der Weg ist einfacher als jener von Mergoscia bis Corippo. Die Wanderzeit ist etwa eine Stunde. Die Bilder habe ich dem Logbuch vom 30. September 2017 hinzugefügt. Für die ganze Strecke Mergoscia bis Lavertezzo muss mit drei bis dreieinhalb Stunden gerechnet werden.

Links:
http://www.mergoscia.ch/?q=de/node/7
http://www.ticino.ch/de/commons/details/Dorfkern-von-Corippo/2716.html
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1. August 2016: Lavertezzo - Ganne

Diese Etappe habe ich mit meiner Cousine noch vor der in der Gewässer-Fliessrichtung nach oben vorher kommenden Strecke Mergoscia nach Corippo bzw. Lavertezzo zurückgelegt. Deshalb wird sie erst aufgeschaltet, nachdem ich mich aus gesundheitlichen Gründen an die anspruchsvolle Strecke von Mergoscia nach Corippo gewagt habe.

Mit Gisela absolviere ich heute die kleine Etappe von Lavertezzo nach Ganne, bevor ich den Weg von Mergoscia nach Lavertezzo zu Dokumentationszwecken für die Website wiederhole, denn diesen Weg bin ich Ende Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre mehrmals gegangen.

Vorab, ich benötige extrem viel Zeit für die kurze Distanz, die normalerweise in einer Stunde und 20 Minuten zu bewältigen wäre. Es geht ständig auf Steinstufen, vielen Steinblöcken und dazwischen etwas Wurzelwerk auf und ab, was meine Motorik voll fordert. So setze ich halt meine Schritte langsam. Gisela sieht das erste Mal das Verzascatal, den berühmten Staudamm sowie die Ponte die Salti, die wir zu Beginn überqueren.

Das Verzascatal ist seit dem James Bond Film sowie wegen der Ponte dei Salti, dem smaragdgrünen Wasser der Verzasca und den wunderschön geschliffenen Felsblöcken im Flussbett ein Hype. Die beiden Postautos ab Tenero waren gestossen voll, so dass wir bis Lavertezzo stehen mussten. Zahlreiche Badende bevölkern das Flussbett und besonders mutige Jungs und Mädchen wagen den Sprung von der Römerbrücke.

Wir geniessen es, dass der Weg meistens im schattigen Wald verläuft. Er ist mit seinen Freiluft-Installationen von zeitgenössischen Kunstwerken auch als Kunstweg bekannt. Auf der Höhe von Motta gibt es eine Rastgelegenheit mit einem kleinen Laden, der lokale Produkte anbietet. Bevor wir zur Postautohaltestelle gelangen, durchqueren wir noch das malerische  Ganne. Wir sind nicht weit gekommen, haben aber gleichwohl das Herzstück des Kunstweges absolviert.

Wir kommen noch zeitig nach Zürich, um die August-Rede des Wetterfrosches und Wiediker Zunftmeisters Felix Blumer bei der Schmiede-Wiedikon anzuhören. Es ist schliesslich nicht alltäglich, wenn ein Zunftmeister über den Klimawandel redet.

Links:
http://www.ticino.ch/de/commons/details/Weg-der-Kunst-im-Verzascatal/3163.html
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11. Oktober 2017: Ganne - Frasco

Ich steige bei der Postautohaltestelle Brione Verzasca, Ganne aus. Um etwas schneller vorwärts zu kommen, laufe ich auf der Strasse nach Brione. Vor dem Dorf entdecke ich auf einem Felskopf eine Kunstinstallation des Wegs der Kunst im Verzascatal. Ab Brione bin ich wieder auf dem Wanderweg.

Bis Alnasca komme ich flüssig voran. Dann geht es mit dem Auf und Ab über Felsenstufen, Stock und Stein richtig los. Imposant ist die Cascata di Val Mött. Danach folgt bald ein schöner Rastplatz. Bei Lorentino, gegenüber von Gerra, ist der Weg vorübergehend einfach. Dort wäre ein kleines Restaurant, aber ich raste auf einer Sitzbank am Ufer. Danach geht das felsige Auf und Ab bei einer aufgegebenen Siedlung weiter. In Frasco höre ich auf, obwohl es von dort nicht mehr weit bis Sonogno ist. Ich möchte mir für diesen Ort jedoch bei gutem Licht etwas Zeit nehmen. Ich entdecke, dass es in Frasco einen ethnologischen Rundweg zu den Themen Feuer und Wasser gibt. Eine Mühle, ein Kleinkraftwerk, die frühere Stätte der Kalkproduktion spielen dabei eine Rolle. Ich habe vor, das nächste Mal die Mühle genauer anzuschauen.

Noch etwas zum Rating des Wanderweges. Die gesamte Strecke gilt in den Online-Beschreibungen als leicht und ist gelb als Wanderweg markiert. Manchmal erblicke ich ein fast verblichenes weiss-rot-weisses Bergwegzeichen am Weg. Unterhalb von Frasco sind an einem Stein zwei frisch leuchtende gelbe Zeichen gepinselt und dazwischen steht noch ein weiss-rot-weisses Zeichen. Ich frage mich, ob die Route einst weiss-rot-weiss als Bergweg klassiert gewesen ist und später als gelber Wanderweg, um mehr Wandersleute zu ermutigen, sie zu begehen. Es herrscht eine Völkerwanderung wie auf der Rigi oder auf dem Albisgrat. Als Referenz-Beispiel: Meine als T2 klassierte Trainingsroute von Arth-Goldau auf die Rigi fällt mir leichter als der als leicht bezeichnete Wanderweg entlang der Verzasca.

Die heutige Wegzeit beträgt etwa zwei und eine viertel Stunde. Ich benötige natürlich viel mehr Zeit. Es ist eine strenge Therapie für meine Motorik. Ich freue mich auf die Fortsetzung, weil ich den Tessiner Granit mag.


Links:
http://www.museovalverzasca.ch/de/47/frasco--wasser-und-feuer.aspx
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13. Oktober 2017: Frasco - Sonogno

Die heutige Wanderung ist kurz und einfach, dafür kulturell angereichert. Zuerst schaue ich mir das Mühlegebäude von Frasco an. Die Mühle wird von einem Mini-Wasserkraftwerk betrieben. Sie kann an Samstagnachmittagen besichtigt und dort gemahlenes Maismehl gekauft werden. Danach setze ich die knapp eine Stunde dauernde Wanderung nach Sonogno fort und geniesse die herbstlich-leuchtende Landschaft.

Sonogno ist ein museales Dorf. Ich besichtige das kleine Museum des Verzascatals. Dort lerne ich einiges von den harten Lebensbedingungen der Bevölkerung, die von ihren Wanderherden mit Kühen, Ziegen, Schafen, von Kastanien, dem Anbau von Wein, Roggen, Hirse, Mais lebte. Frauen und Kinder mussten barfuss bis zuoberst auf die Hänge steigen, um noch das letzte Halm zu heuen. Buch und Film „Die schwarzen Brüder“ bezeichnen Sonogno als Herkunftsort der Protagonisten. Wegen der Armut im Verzascatal mussten Knaben im Alter von acht bis zehn Jahren bereits nach Norditalien gehen und den erwachsenen Kaminfegern helfen. Die Knaben mussten in die Kamine steigen, um sie zu reinigen. Ihnen wurde der Roman gewidmet.

Nachher mache ich einen Kaffeehalt und kaufe im Dorfladen mein Vesper für die lange Heimreise ein.  

Links:
http://www.museovalverzasca.ch/de/19/default.aspx
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