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Wigger Logbuch

von Liliane Waldner


Einführung in die Wigger

Die Wigger entspringt als Enziwigger auf 1‘300 m.ü.M. am Napf. Sie vereinigt sich unterhalb von Willisau mit der Buchwigger zur Wigger. Sie mündet auf 395 m.ü.M. bei Aarburg in die Aare. Die Wigger ist 41 Kilometer lang und fliesst durch die Kantone Luzern und Aargau.

Mehr über die Wigger auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wigger_(Fluss)   



28. Mai 2016: Aarburg - Reiden, Mehlsecken

Ich starte bei der Haltestelle Städtli. Aarburg liegt unterhalb einem markanten Felssporn, über dem die Festung Aarburg weit herum sichtbar ist. Sie beherbergt eine Jugendanstalt, kann aber einmal pro Monat an Samstagen besichtigt werden. Ich bewundere wie bei meiner Aare-Tour das Naturphänomen der Aarewaage von Aarburg. Das Aarewasser wird dort in einem riesigen Wirbel samt seinem Treibgut mehrere hundert Meter flussaufwärts getrieben, bevor es endlich flussabwärts fliessen kann.

Nach etwa 15 bis 20 Minuten Aare-aufwärts erreiche ich die Wigger-Mündung. Es gibt keinen Wanderweg entlang der Wigger, aber ich habe auf der 20‘000er Schweiz-Mobil-Karte einen Feldweg ausgemacht. Ich gehe diesen hinauf und komme dabei an einer Hundeschule und einer Kläranlage vorbei. Nach der Kläranlage behindert eine Baustelle den Weg, den ich nach einem kurzen Bypass fortsetzen kann. Es regnet von Anbeginn an und gegen die Autobahn-Verzweigung Wiggertal  pflügt sich der Pfad durch hohes Gras. Meine Hosenstösse werden nass. Bei der Verzweigung Wiggertal endet der Feldweg. Ich gelange auf eine Brücke über die Autobahn und gehe auf dem Radweg nach Zofingen hinein.

Zofingen ist nicht nur Ringier, sondern hat auch ein grosses Industriegebiet. Ich fotografiere die bekannte Pillenfabrik Siegfried. Etwas weiter aufwärts komme ich in das Wohngebiet und eine Strassenkreuzung mit Bus-Häuschen. Dort raste ich. Ich gehe weiter und es wird heller, bis es aufhört zu regnen und die Sonne Oberhand gewinnt. Nach dem Stadion von Zofingen gelangt der kombinierte Rad- und Fussweg wieder an die Wigger. Ich passiere Brittnau und ende die Etappe bei der Bushaltestelle Mehlsecken von Reiden. Auf dem Weg lasse ich das Altstädtchen von Zofingen und die anderen Ortskerne aus. Auf den Anhöhen, welche das Wiggertal säumen, sind die Schlösser Wikon und Reiden zu erwähnen.

Ich habe etwa fünf Stunden benötigt, bin noch langsam und brauche Zeit, um meine Kondition wieder zu verbessern. Es ist ein Fortschritt spürbar - und ganz wichtig, ich verspüre keine Schmerzen.

Links:
http://www.burgenseite.ch/festung-aarburg.html
http://www.swissinfo.ch/ger/die-aarewaage---ein-einzigartiges-naturphaenomen/3446286

http://www.kloster-wikon.ch/schloss-wikon.html
http://www.swisscastles.ch/Luzern/reiden_d.html
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4. Juni 2016: Reiden, Mehlsecken - Willisau

Pünktlich bei meinem Abmarsch fängt es zu nieseln an. Der ständige Wechsel zwischen Regen und Sonnenschein ist in diesen Tagen typisch. So ziehe ich heute mal die Regenjacke an und wieder ab, wie es das Wetter will. Die Wege sind dementsprechend aufgeweicht und mit Pfützen durchsetzt. Wieder helfen mir die 20‘000er Karten, meine eigene Route auf Feld- und Radwegen entlang der Wigger zu gestalten. Erst ab Nebikon besteht ein offizieller Wanderweg nach Willisau.

Beim Wiggerhof nahe Altishofen fotografiere ich die Informationstafel der Biogas-Anlage. Sie wurde durch Coop gefördert. Sie versorgt einige hundert Haushalte mit Strom. Auf dem Wiggerhof wird riechbar Schweinezucht betrieben und werden Kartoffeln angebaut und im Hofladen verkauft. Über dem Ort Altishofen erhebt sich ein Schloss.

Dagmersellen, Altishofen sowie Nebikon sind durch den Logistik-Konzern Galliker geprägt. Riesige Fahrzeug- und Lagerhallen-Komplexe erstrecken sich beidseits der Wigger. Es braucht viel, damit die Schweiz täglich mit Gütern versorgt wird. Jemand muss die Waren zu den Einkaufszentren transportieren. Das schaffen die Fuhrpärke der Grossverteiler nicht allein. Auf einem Galliker-Lastwagen prangen Kambly-Bisquits. Es ist Zeit für eine Teerast, die ich oben auf der Treppe einer gedeckten Laderampe halte. Dort ist es trocken.

Danach marschiere ich weiter. Ich kann von meiner Ufer-Seite die Einmündung der Luthern nicht sehen. Bei der Wässermatte fliesst die Rot in die Wigger. Markant ist der Hügel mit der Burgruine und dem Schloss bei Alberswil. Dort befindet sich ein  Landwirtschaftsmuseum. Ich raste beim Bus-Häuschen im Dorf Alberswil. Danach geht es weiter. Unterhalb der Strassenbrücke am unteren Ortsrand von Willisau vereinen sich Buchwigger und Enziwigger zur Wigger. Willisau empfängt mich mit einem kräftigen Regenguss und ich fliehe in das Kaffeehaus samt Konditorei neben dem Bahnhof. Die Regenjacke hält dicht, aber die Jeans sind durchnässt. Jetzt ist etwas Lebensgenuss fällig. Der Weg hat samt Pausen und Fotohalte etwa sechs Stunden gedauert. Ich bin immer noch langsam, aber die Spastik ist besser als letzten Samstag. Immerhin bin ich weiter gelaufen als letzten Samstag.

Links:
http://www.schloss-altishofen.ch
http://www.kastelen.ch/index.php?id=3
http://www.seetal-plus.ch/Burgen_u_Schloesser/Alberswil_Kastelen.html
http://www.museumburgrain.ch
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10. Juni 2016: Willisau - Sagenmatt, Hübeli

Ich nutze den sonnigen Freitag, um nach der morgendlichen Büroarbeit am Nachmittag vom Bahnhof Willisau zur Postauto-Haltestelle Hübeli, Sagenmatt zu gehen. Heute kann ich die schmucke Altstadt von Willisau fotografieren. Das Städtchen ist für sein Gebäck, die knackigen Willisauer Ringli berühmt. Sie werden am besten im Mund zerlassen und mit Kaffee genossen.  An einem Altstadthaus entdecke ich eine Malerei mit den Anführern des Bauernkrieges 1653. Der Name Leuenberger ist mir aus dem Geschichtsunterricht  und der Literatur bestens bekannt. Das Bild erinnert mich daran, dass ich mich im Napfbergland, dem Zentrum des Bauernaufstandes 1653, befinde. Heute geht es ein Stück weiter Richtung Napf.

Vom Bahnhof aus dauert es etwa eineinhalb Stunden bis nach Hergiswil bei Willisau. Dafür muss nach dem oberen Altstadt-Tor der Weg entlang der Wigger und nicht jener am Hang oben genommen werden, dessen Zeit am Bahnhof  mit zwei Stunden 40 Minuten angeschrieben ist. Um nicht fehl zu gehen, benutze ich anfänglich den Radweg entlang dem Flüsschen, der sich nach kurzer Strecke mit dem Wanderweg vereint. Das Hergiswil bei Luzern ist allgemein bekannt, heute lerne ich das andere Hergiswil, jenes bei Willisau kennen. Es ist ein kleines Nest. Ich raste dort kurz, denn die ungewohnte Wärme macht durstig.

Der zweite, kürzere Teil bis zur Postauto-Endhaltestelle Sagenmatt ist ländlicher. Die Grillen zirpen und die Enziwigger plätschert beruhigend neben mir. Ich geniesse den sommerlichen Tag in einer endlos scheinenden Regenphase. Schilder eines Kräuterweges sowie eines Milch-Käseweges begleiten mich. Am Fuss des Napfs werden Kräuter gewonnen, die in den Ricola-Bonbons landen. Wanderer werden zur Besichtigung der offenen Ställe eingeladen.

Ab der Haltestelle Sagenmatt wird der Weg zum Napf mit zwei und dreiviertel Stunden angegeben. Dort oben, unterhalb des Napfgipfels entspringt die Enziwigger als Hauptquellfluss der Wigger. Von der Postautohaltestelle sehe ich bloss sanfte, bewaldete Höhen, die keinen Gipfel oder Bergzug, der noch 700 Höhenmeter weiter oben liegt, erahnen lassen. Die Neugier auf die finale Etappe ist so erst recht angestachelt.

Links:
https://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/lu/abo/Kraeuterweg-regt-Wanderlust-an;art9647,555249
http://www.cheese-festival.ch/milch-kaeseweg.html
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8. August 2016: Sagematt, Hübeli - Stächelegg am Napf - Menzberg

Zugegeben, es hat nicht bis zum Napf gereicht, aber immerhin bis zur Stächelegg, die neben dem Napf ebenfalls direkt oberhalb den Wigger-Quellbächen liegt und eine Höhe von 1‘304 m.ü.M. aufweist. Es ist alles in allem eine nahrhafte Tour geworden, denn um beim Abstieg Höhenmeter nach unten einzusparen, bin ich bis zur Abzweigung Oberlehn bei Menzberg gelaufen, wo die nächste andere Postauto-Haltestelle liegt.

Ich steige von der Postautohaltestelle Sagematt bis zum Parkplatz ob den Wiggerenhütten auf Punkt 973 m.ü.M. auf. Eine gesunde Person benötigt dafür 45 Minuten bis eine Stunde. Die Masse der gesunden Napfbesteigerinnen und -besteiger ersparen sich das Tippeln entlang dem Asphalt-Strässchen sowie die rund 270 Höhenmeter und fährt mit dem Auto dorthin. Das Krampfen bleibt mein Schicksal, aber ich gönne den Gesunden die Bequemlichkeiten, so lange sie diese sich leisten können. Ich komme an Flurnamen wie Höll und Grauswiggern vorbei, die erahnen lassen, dass sich da früher einiges abgespielt hat. Beim heutigen Sonnenschein sieht alles harmlos aus. Ich erheische einen Blick auf die steile Fluh an den Flanken zwischen dem Nebengipfel Hengst und Napf. Von dort können sich bei Unwetter anständige Fluten hinabstürzen.

Das Bachbett der Wigger liegt jedoch bald oberhalb der Höll still und ausgetrocknet neben mir. Ihr Wasser muss irgendwo versickert sein und unterirdisch fliessen. Ich überquere das trockene Bachbett linkerhand des Parkplatzes von unten her gesehen und raste kurz an der ausgetrockneten Uferböschung. Von dort steigt ein guter, steiler Pfad hinauf. Auf dieser Route muss mit gut ein drei Viertelstunden bis zum Napf gerechnet werden. Der noch steilere Weg rechterhand des Parkplatzes ist mit einer Stunde 10 Minuten beschriftet. Korrigierend muss ich hinzufügen, dass meine Route beim Parkplatz mit einer Stunde 25 Minuten beschriftet ist, oben bei der Chrothütte jedoch mit einer längeren Zeit. Der schmale Pfad mündet nach etwa hundert Höhenmetern in eine breite Forststrasse. Mit Vorteil wird den gelben Wanderwegzeichen gefolgt. Nach einer Brücke mit Rastplatz steigt der Weg wieder steil an, um danach wieder in eine Forststrasse überzugehen, danach nochmals, bis am Schluss gegen die Stächelegg eine ruppige Forststrasse folgt.

Von der Stächelegg wäre es nochmals 25 Minuten auf den Napf, weil ich aber wegen der Motorik langsamer bin als die Wegangaben, entscheide ich mich, hier aufzuhören und meine grosse Mittagsrast zu halten. Ich will noch das Postauto ab Menzberg erreichen. Die Aussicht ist auch bei dieser Alpwirtschaft grandios. Direkt unter mir liegt auf einer Seite das Wigger-Quellgebiet in den steilen Waldhängen oder vielleicht auch in der Fluh. Auf der anderen Seite strahlt das Alpenpanorama mit den Berner Riesen im Zentrum. Zuerst verpflege ich mich etwas aus dem Rucksack und nehme nachher in der Alpwirtschaft einen Kaffee und ein Stück Schokoladekuchen. Für die Vesper kaufe ich ein Pärchen Trockenwürste mit Ziegen- und Schweinefleisch-Mischung von Tieren der Alp.

Von der Stächelegg muss auf normalem Weg mit gut drei Stunden bis Menzberg gerechnet werden. Ich folge aber dem längeren Radweg, um nicht so steil absteigen zu müssen. So kann ich die steilen, schmalen Wegpassagen meiden. Ich komme auch so an der Gmeinalp und danach der Besenbeiz an der Oberwaldegg vorbei, wo ich nochmals einen Kaffee trinke. Von dort dauert es noch eine halbe Stunde bis zur Verzweigung Oberlehn. Unterwegs geniesse ich die Aussicht auf die Pilatus-Kette, an die sich das Massiv der Schrattenfluh anschliesst. Die Wigger hat einen würdigen Abschluss gefunden, was nicht heisst, dass ich es noch einmal mit dem Napf versuche, dann aber von der Mettlenalp aus, wo das Postauto am Wochenende nur jeweils zweimal hinfährt.
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