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Rhein Logbuch

Von Liliane Waldner
Einführung in den Rhein

Der Rhein ist 1‘238,8 Kilometer lang, auf Schweizer Boden oder als Schweizer Grenzfluss 370 Kilometer. Als Rheinquelle gilt der auf 2‘345 m.ü.M. liegende Tomasee. Dies ist die Quelle des Vorderrheins. Der Rhein mündet bei Rotterdam in die Nordsee. Er verlässt die Schweiz beim Dreiländereck in Kleinhüningen/Basel auf 246 m.ü.M.

Der Rhein hat zwei bedeutende Quellflüsse: der Vorderrhein und der Hinterrhein. Sie münden bei Reichenau ineinander. Die mittlere Abflussmenge in Kubikmeter pro Sekunde ist beim Hinterrhein mit 59,6 m3/s grösser als jene des Vorderrheins mit 53,8 m3/s. Wer beim Zusammenfluss dieser beiden Flüsse steht, erhält den Eindruck, der kräftigere Hinterrhein dränge den schmalbrüstigeren Vorderrhein leicht zurück.

In diesem Logbuch wird mein Weg vom Dreiländereck bei Kleinhüningen bis zum Zusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein in Reichenau beschrieben. Dieser Rheinabschnitt umfasst den Hochrhein, Seerhein (Untersee und Bodensee) und Alpenrhein. Mein Weg entlang von Vorderrhein und Hinterrhein wird in den beiden separaten Logbüchern vorgestellt.
Ich habe das Rheinprojekt mit zwei Wanderungen durch das Rheindelta samt Fussacher Bucht sowie den Uferweg um die Rheininsel Diepoldsau ergänzt, um meine Kenntnisse in diesen besonderen Flussgebieten zu vertiefen.

Der Rhein fliesst in der Schweiz durch die Kantone Graubünden, St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich, Aargau, Basel-Land und Basel-Stadt. Dabei grenzen bedeutende Flussabschnitte an Liechtenstein, österreich (Vorarlberg) und Deutschland (Bayern und Baden-Württemberg).

Mehr dazu auf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein

28. Oktober 2012: Dreiländereck Kleinhüningen - Kraftwerk Birsfelden

An diesem Wochenende schneit es das erste Mal. Dazu bläst eine beissend kalte Bise. Trotzdem überwinde ich mich, mein Rheinprogramm mit einem besseren Stadtspaziergang zu beginnen. Von der Tramhaltestelle Kleinhüningen gelange ich entlang der Wiese in etwa einer Viertelstunde zum Dreiländereck. Unterwegs komme ich an der Ausstellung Verkehrsdrehscheibe Schweiz vorbei. Dieses Museum zeigt den Weg zum Meer auf und veranschaulicht die heutige Schiffahrt im Verbund mit den anderen Verkehrsträgern zu Land und in der Luft. Diese Ausstellung muss ich mir für einen Regentag merken.

Am Dreiländereck fährt mir die Bise in die Glieder. Beim Pylon stossen die Landesgrenzen der Schweiz mit jener von Deutschland und Frankreich zusammen. Das Restaurant, welches ich vor Jahren besuchte, scheint seit langem dicht gemacht zu haben. Ich marschiere wieder entlang dem fasziniernden Hafenareal zurück, überquere die Wiese und folge dem Uferweg, der von Logistikfirmen und Novartis gesäumt wird, Richtung Stadtzentrum. Bald entdecke ich die Brücke, über die das Tram zum Läckerlihus führt. Am Ufer entlang liegen schmucke Altstadthäuser, die zu besitzen, erstrebenswert erscheint. Nach etwa einer Stunde befindet sich mein Körper im Equilibrum. Die Finger sind warm und schmerzen nicht mehr. So behagt es mir, in der Kälte zu gehen. Am anderen Ufer überragt ein Riesenrad die Altstadtsilhouette. Es ist Herbstmesse.

Ich lasse das Stadtzentrum hinter mir und gehe am lang gezogenen Roch-Gebäude, Tinguely-Museum und Sportzentrum Rankhof vorbei. Unterwegs erblicke ich manchmal die Tafeln des Rheinpfads, welche lehrreiche Informationen über die örtlichkeiten vermitteln. Beim Kraftwerk Birsfelden zweige ich über die Brücke des Stauwehrs nach Birsfelden ab. Die moderne Architektur des Kraftwerkes mit seinem langen Maschinenhaus fällt auf. Zum Kraftwerk gehört eine Schleuse für die Rheinschiffahrt nach Augst sowie eine Fischtreppe. Dort beende ich meinen Sonntagsspaziergang durch meine Heimatstadt Basel und gehe zur Tramhaltestelle bei der Schulstrasse in Birsfelden. Ich bin in Zürich geboren und sozialisiert worden, besitze aber das Heimatrecht von Basel-Stadt. Spielt GC gegen den FCB, drücke ich GC die Daumen, denn ich ticke zürcherisch.

Die Wegstrecke kann in zwei bis zweieinhalb Stunden absolviert werden. In einer Stadt wie Basel finden sich immer Einkehrmöglichkeiten, nahe dem Läckerlihus auch am Rheinufer.

Links:
http://www.verkehrsdrehscheibe.ch/
http://rheinpfad.ch/cmsdata/Prospekt_Rheinpfad_KURZ-k.pdf
http://www.kw-birsfelden.ch/d/indexflash.html
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3. November 2012: Kraftwerk Birsfelden - Mumpf

Der dank Föhn milde Novembertag muss für eine längere Etappe genutzt werden. Ich fädle wieder beim Kraftwerk Birsfelden ein. Am Ende der Schleuse zweigt der Wanderweg nach rechts ab. Ich folge jedoch dem Weg durch das Hafengelände geradeaus. Ein Schild warnt, dass der Weg auf eigenes Risiko begangen wird. Es herrscht mit gutem Grund striktes Rauchverbot. Links docken die „öltanker“ der Rheinschiffahrt an. Sie sind mit den riesigen Terminals verbunden, welche das Mineralöl, Benzin oder Gasöl aus den Schiffen abpumpen und in die riesigen Tanklager rechts von den Industriegeleisen fördern. Kesselwagen stehen auf den Schienen bereit, um den wertvollen Saft in das Landesinnere zu transportieren. Die Luft riecht ölig. Der Weg führt mitten durch eine Hauptschlagader der Schweiz, die bei der Energieversorgung noch immer mehrheitlich von Erdölprodukten abhängt.

Nach dieser Gefahrenzone taucht Schweizerhalle mit dem Clariantgebäude auf. Dort zweigt der offizielle Wanderweg wieder in den Hafenweg ein. Dieser Weg ist auch als Via Rhenana zwischen Kreuzlingen und Basel bekannt. Ich gehe die Route jedoch flussaufwärts. Es ist für mich jetzt klar fassbar, warum Basel die Stadt der chemischen und pharmazeutischen Industrie ist. Hier kommt das meiste Mineralöl in der Schweiz an, welches für diese Industrie der wichtigste Rohstoff ist.

In Schweizerhalle steht die Villa von Otto von Glenck. Sein Vater Carl Christian Friedrich Glenck erschloss im 19. Jahrhundert das Salzbergwerk von Schweizerhalle. Beruhigt lese ich vom Schild, dass die Salzvorräte noch mehrere hundert Jahre reichen sollen. Salz gilt als weisses Gold. Es ist im Gegensatz zum Erdöl unersetzlich. Würden alle Gebäude der Schweiz zu Plus-Energiebauten umgebaut, hätten wir Strom im überfluss und könnten auch den Verkehr elektrifizieren. Salz ist folglich wichtiger als Erdöl. Schweizerhalle ist mir als Ort der verheerenden Brandkatastrophe beim damaligen Sandoz-Werk in das Gedächtnis eingebrannt.

Kaiseraugst ist der nächste Brennpunkt auf der Route. Dort steht die Römerstadt Augusta Raurica. Museum und Theater können ab Wanderweg in etwa zwanzig Minuten erreicht werden. Am Weg direkt liegt eine frühchristliche Kirche samt Bischofssitz aus der spätrömischen Zeit. Sie vermittelt einen Eindruck der damals fortschrittlichen Bauweise der Römer, welche Bodenheizungen kannten. Beim Schiffsteg Kaiseraugst ist Zeit für eine Teerast. Kaiseraugst ist auch als Ort bekannt, wo der weitere Ausbau der Kernenergie in der Schweiz gestoppt worden ist.

Oberhalb des Kraftwerkes Augst-Wyhlen fliesst die Ergolz in den Rhein. Ihre Ufer sind naturbelassen und stehen unter Naturschutz. Der Biber lebt dort. Ich strebe nun Rheinfelden zu und wandere unter der grossen Brücke durch, die auf die Autobahn Richtung Karlsruhe führt. Oben stehen noch die Zollhäuschen. Bald erblicke ich auf dem Hang rechts oben das Schloss der Feldschlösschen-Brauerei. Das schweizerische wie das deutsche Rheinfelden zeichnen sich durch schöne Altstädte aus, die durch eine Steinbrücke für Fussgänger und OeV verbunden sind. Der Weg führt mitten durch die malerische Altstadt. Ich laufe zur Stadt hinaus und komme beim Parkresort und der Rehaklinik vorbei. Rheinfelden ist für seine Solebäder als Kurort bekannt. Der Weg steigt nach der Ortschaft wieder an und ich mache bei einer Sitzbank mit Aussicht auf das Kraftwerk Rheinfelden eine Rast. Das Kraftwerk Rheinfelden wird als ältestes Flusskraftwerk Europas bezeichnet.

Danach führt der Weg durch einen langen, bewaldeten Flussabschnitt. Wege zweigen nach Möhlin ab, aber dies würde nichts bringen, weil die Distanz zum Bahnhof mindestens eine halbe Stunde beträgt. Mit dem Weg zurück zur Fortsetzung der Strecke an gleicher Stelle würde eine Stunde verloren gehen. Es ist gescheiter, weiter durchzuziehen. Der Wald lichtet sich nur beim Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt etwas. Es ist November und ich gehe nun schnell, weil ich vor fünf Uhr aus dem Wald heraus sein will. Ich raste erst wieder beim römischen Wachtturm von Stelli-Wallbach. Solche Wachttürme säumen die Rheinstrecke zwischen Basel und Kreuzlingen. Bei Wallbach komme ich aus dem Wald hinaus. Dann habe ich noch zwanzig Minuten bis zum Bahnhof von Mumpf. Die tiefstehende Novembersonne taucht die Dörfer Wallbach und Mumpf sowie die sich herbstlich verfärbenden Wälder der Höhenzüge und das Flussband in ein mildes Licht. Schon gehen erste Lichter an, als ich beim Bahnhof ankomme.

Die Strecke Kraftwerk Birsfelden bis Rheinfelden und von Rheinfelden bis Mumpf kann ohne Zeit für Pausen und Fotohalte in acht Stunden abmarschiert werden. Entlang der gesamten Strecke befinden sich immer wieder Rastplätze und Sitzbänke. Einkehrmöglichkeiten sind in Rheinfelden reichlich vorhanden.

Links:
http://www.wanderland.ch/de/routen_detail.cfm?id=317732&tour=route&art=regional
http://www.salz.ch/uber-uns/firmengeschichte/
http://www.augustaraurica.ch/menu/index.php
http://www.nvv-kaiseraugst.ch/web/cms/upload/25_Jahre_NVVK_Teil_3_-_Naturschutzgebiet_Ergolz_web.pdf
http://loewe-werbeagentur.com/kuguar/Rhf/rhf/media/pdf/Saline_Schild.pdf
http://www.birseckmagazin.ch/fileadmin/docs/BEM_11_2/14_16Rheinsalinen.pdf
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18. November 2012: Mumpf - Laufenburg

An diesem nebligen Novembersonntag erlaube ich mir eine Kurzetappe. Vom Bahnhof Mumpf bin ich bald wieder auf dem Rheinuferweg. Nach einer Stunde ziehen mich die Holzbrücke bei Säckingen sowie der barocke Kirchenbau in den Bann. Ich wechsle bei der Holzbrücke auf die deutsche Seite. Die Säckingerbrücke ist die längste gedeckte und verschalte Holzbrücke in Europa. Sie diente nach der niedergeschlagenen Revolution von 1848 als Fluchtweg der Revolutionäre in die Schweiz. Eine Tafel erinnert an den Weg der Revolution. Die Revolutionäre wollten nach Karlsruhe, wurden aber zurückgeschlagen. Auf einem Wanderweg im Badischen können Interessierte den Spuren von Georg Herwegh folgen, der zeitweilig in Zürich Asyl fand. Bad Säckingen ist ein sehenswertes Städtchen. Ich besuche das St. Fridolinsmünster, das ursprünglich in gotischem Stil gebaut wurde, nach Bränden jedoch barockisiert worden ist. Eine Stadtführerin im Gewand des Trompeters von Säckingen führt eine kleine Gruppe durch die Altstadt.

Zurück in der Schweiz setze ich meinen Weg fort. Der Wanderweg führt auf einem schmalen Pfad das Rheinufer entlang. Ich marschiere am Kraftwerk Säckingen vorbei. Immer wieder muss der Pfad die aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Bunker umgehen. Nach über zwei Stunden führt eine eigentliche Stromautobahn über den Wanderweg und den Rhein. Ich kenne die Stromhandelsbörse der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg aus früheren Besichtigungen mit der kantonsrätlichen Aufsichtskommission der EKZ. Die Hochspannungsmasten kommen von dieser Stromschaltstelle her. Zu Laufenburg gehört auch das mächtige Wasserkraftwerk Laufenburg.

Laufenburg ist wie Rheinfelden und Stein- bzw. Bad-Säckingen in ein malerisches schweizerisches und deutsches Städtchen geteilt. Ich bin voll durchgelaufen und habe unterwegs nur kurz meine kleine Teeflasche geleert. Ich will auf der deutschen Seite einkehren. Nach der Brücke muss ich jedoch zuerst an einem griechischen und zwei chinesischen Restaurants vorbeigehen, bevor ich im Städtchen den noch deutschen Rebstock erreiche. Trotz der Schweizer Invasion in diesem Lokal komme ich noch zu einem Sitzplatz und kann ausgiebig zu Mittag essen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Tante Inge backt jedoch einen besseren Rahm-Käsekuchen. Schwarzwäldertorte haben sie heute nicht. Danach gehe ich beim schweizerischen Laufenburg auf das Postauto.

Die Wanderzeit Mumpf - Säckingerbrücke beträgt eine Stunde und von dort nach Laufenburg 2 Stunden 40 Minuten. Einkehrmöglichkeiten bestehen in Säckingen und Laufenburg. Ferner bestehen Sitzbänke und kleinere Rastplätze entlang der Strecke.

Links:
http://www.bad-saeckingen-tourismus.de/se_data/_filebank/pdf/prospekte/Laengste%20gedeckte%20Holzbruecke%20Europas.pdf
http://www.schwoerstadt.de/index.php?id=26
http://www.schwarzwald-wandern.net/mehrtagewanderungen/wandern-auf-herweghs-spuren/
http://www.belocal.de/bad-saeckingen/sehenswuerdigkeiten/fridolinsmuenster/133893
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23. März 2013: Laufenburg - Waldshut

Nach dem winterlichen Unterbruch mit intensivem Winterwandern setze ich meinen Weg am Rhein fort. Bald nach Laufenburg folgt Rheinsulz, wo noch der Rest eines römischen Wachtturms steht. Zwischen Laufenburg und Etzgen informieren Stationen des Flösserweges über das Leben der früheren Flösser an Aare und Rhein. Der Flösserweg zweigt vor Etzgen via Mettauertal nach Stilli ab. Bei Rheinsulz steigt der Weg an und verläuft bis Schwaderloch hoch über dem Rhein durch bewaldete Hänge. Es regnet und hört erst bei Schwaderloch auf.

Beim Abstieg nach Schwaderloch taucht zuerst die Dampffahne und danach der Kühlturm samt Reaktor des Kernkraftwerkes Laufenburg auf. Das KKL beherrscht jetzt die Landschaft. Unten liegt erblicke ich auch das Wehr des Kraftwerkes bei Schwaderloch. Wie die anderen Kernkraftwerke liegt auch Leibstadt am Standort eines grossen Wasserkraftwerkes. Nun bin ich an allen grossen Kernkraftwerken der Schweiz an den Flusswegen vorbeimarschiert. Alle liegen an von der Aare geprägten Flussläufen: Mühleberg, Gösgen, Beznau I und II sowie Leibstadt am Rheinufer, wenige Kilometer unter der Einmündung der Aare in den Rhein. Bei Leibstadt fällt mir der grosse Wall auf, der das Kraftwerk vom Rhein trennt. Dieser Wall fällt im Vergleich mit der Lage der anderen Schweizer KKW auf. Nach Fukushima wird solches nun stärker beachtet. Ich mache mit guter Sicht auf das Kraftwerk meine Teerast.

Danach folgt Full-Reuenthal, wo Schilder auf das Armee- und Festungsmuseum aufmerksam machen. Am Ufer fotografiere ich ein Zollschild aus alter Zeit. Beim Ort Felsenau mündet die Aare in den Rhein. Ich überquere die Brücke und marschiere in Koblenz rassig zur Rheinbrücke nach Deutschland. Ich erinnere mich an meine frühere Märsche von Zürich, Tüffenwies via Limmat und der Aare nach Koblenz sowie von Zürich-Affoltern via Kaiserstuhl nach Waldshut. Im Gegensatz zur früheren Zeit reiht sich eine riesige Kolonne von Einkaufstouristinnen und -touristen mit Mehrwertsteuer-Formularen beim Deutschen Zollhäuschen auf. Der Magen knurrt und ich beschleunige meine Schritte zur Waldshuter Altstadt, wo ich neben Pizzerias und Kebab-Läden noch ein traditionelles Lokal mit einem Schwarzwaldteller zum Zabig finde.

Die Strecke Laufenburg - Koblenz ist mit 5 Stunden 10 Minuten angegeben und von Koblenz nach Waldshut mit 50 Minuten. Das Wegschild auf der deutschen Seite gibt Laufenburg - Koblenz mit 20 Kilometern und Grenzstelle bei der Rheinbrücke bis Waldshut mit 2,5 Kilometern an. Wenn die Fähre bei Full in Betrieb ist, kann die Zeit bis zum verdienten Vesper in Waldshut abgekürzt werden.

Links:
http://www.jurapark-aargau.ch/?rub=74&id=172
http://www.kkl.ch/de/i/oeffnungszeiten-_content---1--1320.html
http://www.festungsmuseum.ch/xml_2/internet/de/intro.cfm
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Karfreitag, 29. März 2013: Koblenz - Kaiserstuhl

Genau genommen setze ich meinen Weg bei Koblenz-Dorf fort. Die Wegstrecke nach Kaiserstuhl wird mit 4 Stunden 50 Minuten angegeben. Ich bin diese Strecke auf meinem Weg von Zürich-Affoltern nach Waldshut in umgekehrter Richtung gegangen. Bald unter Koblenz passiere ich einen römischen Wachtturm aus der Zeit des Kaisers Valentinian. Auf der Höhe von Rietheim entdecke ich Biberspuren, d.h. von Bibern angesägte Bäume. Ich fotografiere ein Exemplar. Eine Frau sagt mir, dass die Biber hier fleissig kleinere Bäume fällen würden.

Der Weg am Rhein streift Zurzach und ich gelange danach bald nach Rekingen. Oberhalb des Kraftwerkes pausiere ich bei einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich fotografiere jedoch jenen Bunker zwischen Rümikon und Kaiserstuhl, der im Wasser aussen steht und auf dem eine Schweizer Fahne hängt. Einmal lief ich von Zürich-Affoltern bis nach Rümikon und kam dort in ein Gewitter. Ich konnte dort bei einem Haus in einen offenen Schuppen fliehen und war somit vor dem Wolkenbruch samt Hagel geschützt. Im offenen Schuppen stand ein Kasten mit Erdinger Bier. Ich liess es unangetastet, genehmigte mir jedoch bei der Heimkehr bei einem Bretzelstand im Hauptbahnhof ein Erdinger Bier samt einer Bretzel. So war der Genuss des Erdinger Biers korrekt. Auf dem Weg nach Kaiserstuhl überschreite ich jenen Holzsteg, auf den ich bei meiner „Erdinger-Bier-Wanderung“ auf der ganzen Länge hinfiel.

Ich beende meine Etappe in Kaiserstuhl, wo sich der Regen bei meiner Ankunft einlässt.
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Ostermontag, 1. April 2013: Kaiserstuhl - Ziegelhütte

Für diese kurze Etappe kann ich am Morgen etwas länger schlafen als sonst. Bei der Rheinbrücke in Kaiserstuhl stosse ich auf ein Schild des Gottfried-Keller-Dichterweges. Solche Schilder begleiten mich bis nach Rheinsfelden. Im nahen Glattfelden liegt das Gottfried-Keller-Zentrum. Auf dem Weg erkunde ich auch das Weiacher Kies. Der nicht mehr genutzte Teil der Kiesgrube wird renaturiert, zum Teil sogar als Ausgleichsleistung für die 5. Bauetappe des Flughafens Zürich.

Das Kraftwerk Rheinsfelden bei der Glattmündung in den Rhein lässt mein Herz höher schlagen. Es ist ein wunderbarer Industriebau. Leider habe ich vom Weg aus keinen guten Fotoblick. Dafür kann ich eine Aufnahme der mächtigen Eisenbahnbrücke bei Eglisau machen. Das Städtchen Eglisau ist mir aus vielen früheren Ausflügen vertraut. Ich habe es jeweils auf meinem Weg von Zürich-Seebach nach Rafz durchschritten. Meine erste Marathon-Wanderdistanz verlief übrigens von Zürich-Seebach via Eglisau nach Rheinau.

Ich kehre nach einem Abstecher ins Städtchen wieder auf das südliche Ufer zurück, steige den Weg Richtung Tössegg hinauf, mache eine Teerast mit Aussicht auf das Städtchen und setze meinen Weg fort. Bei der Tössegg mündet die Töss in den Rhein. Ich habe früher die Tössegg auf meinem Tagesmarsch von Zürich-Seebach nach Schaffhausen passiert. Von der Tössegg bis zur Rüdlinger Brücke verläuft der Biberpfad des WWF. „Hier ist der Biber zu Hause“, zeigt ein Schild. Der Weg brach vor vielen Jahren einmal ein und musste repariert werden. Weil es so lange dauerte, reklamierte ich einmal bei der damaligen Baudirektorin Dorothee Fierz. Sie hat den Weg danach bald wunderbar reparieren lassen und meine Wanderschuhe freuten sich, flott voranschreiten zu dürfen. Dieser Wegabschnitt gefällt mir immer noch. Kurz vor der Ziegelhütte weist ein Schild auf die Festung Ebersberg hin. Sie ist die noch einzige Festung im Kanton Zürich. Von der Rüdlingerbrücke sind es nur wenige Meter bis zur Postautostation Ziegelhütte. Dort beginnen auch die Thurauen und ein Schild weist auf das dort liegende Naturschutzzentrum hin.

http://www.gkz.ch/dichterweg/
http://www.eberhard.ch/dnl/73_3_953_naturschutzbericht.pdf
http://www.biberpfad-rhein.com/umgebung/wandern/
http://www.unterirdischeschweiz.ch/4657.html
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15. Dezember 2013: Flaach, Ziegelhütte - Schaffhausen

Es ist ein neblig-kühler Adventssonntag, als das Postauto mit mir als einziger Passagierin von Rafz Richtung Ziegelhütte losfährt. Wer geht schon an einem solchen trüben Sonntag mit temperaturen knapp über Null wandern? Ich freue mich, nach langem Unterbruch wieder am Fluss zu sein. Der Wohnungseinbruch Anfang Jahr hat mich aus dem Tritt geworfen. Er hat auch dazu geführt, meine Wohnsituation zu klären. Es kam zur Zusammenlegung meiner beiden Wohnungen in eine und zur Renovation meiner gewählten Zielwohnung. Mit Hilfe von ugandischen Freunden habe ich die Arbeiten selber gemacht. Am Schluss hat mich ein Virus samt Mittelohrentzündung flach gelegt. Ich habe mir eine gründliche Auszeit zur Erholung und zum Formaufbau genehmigt.

Jetzt bin ich wieder im Flussprojekt zurück und marschiere los und überquere die Rüdlinger Brücke. Wegen des Nebels verpasse ich die Sicht zur Thurmündung am gegenüberliegenden Ufer. Erst nach einer Stunde treffe ich bei der Liegewiese von Lotstetten auf erste Personen, die am Strand mehr Rauch als Feuer machen. Kurz vor der Brücke nach Rheinau erblicke ich auf Jestetter Boden zwei Haufen mit äpfeln? Ich habe ein solches Zeichen von Lebensmittelverschwendung noch nie auf einer meiner zahlreichen Märschen durch das Land gesehen? Wer wirft so sinnlos zentnerweise äpfel weg? Wer zuviel hat, könnte sie einem Kinderheim oder Hartz-IV-Empfängern schenken.

Bei Rheinau zieht der Rhein eine riesige Schleife. Ich überschreite die Brücke und marschiere die Flussschleife auf Schweizer Seite entlang. Nach der Brücke locken Fischrestaurants. Ich war dort vor mehr als zehn Jahren, als ich von Zürich her kommend das erste Mal länger als die Marathon-Distanz marschiert bin. Der Weg führt mich am Kloster Rheinau vorbei und ich erinnere mich an die seinerzeitige Besichtigung anlässlich der Kantonsratspräsidentenfeier von Roland Brunner. Beim Kloster liegt auch die Staatskellerei und ein Schild weist zur von Christoph Blocher finanzierten Musikinsel. Weiter oben rauscht das Wehr des Kraftwerkes Rheinau. Ich überschreite die Kraftwerksbrücke und damit erneut die grüne Grenze.

Auf Deutscher Seite strebe ich dem Rheinfall entgegen. Auf dieser Seite scheint eine aktive Biberkolonne zu leben. Ich muss über von den possierlichen Tieren gefällten Bäumen steigen. Noch nie habe ich so viele angenagte Baumstämme gesehen wie heute. Die fleissigen Nachtarbeiter lassen sich aber nicht am Tag blicken. Auf dem Weg nach Nohl kreuze ich nur ein Ehepaar. Diese Nebel-Wanderung ist ideal zum Meditieren. Eine Flusslandschaft im spätherbstlichen Nebel strahlt einen eigenen Zauber und grosse Ruhe aus. Erst am Rheinfall stosse ich auf touristischen Betrieb. Bei der Schiffstation beim Schlösschen Wörth kann ich die Toilette besuchen. Oberhalb des Rheinfalls kann ich erstmals auf einer passablen Sitzbank für eine kurze Rast absitzen. Ich lege eine dicke Zeitung unter mich. Bei meiner vorherigen Teerast oberhalb des Kraftwerkes Rheinau musste ich wegen der Nässe stehen bleiben.

Noch vor dem Eindunkeln gelange ich nach Schaffhausen. Ich bin froh, dass der Interregio nach Zürich bereitsteht, ich mich hinein setzen und meine Beine ausstrecken kann. Ich denke zurück, als ich den Weg von Zürich nach Schaffhausen zweimal zu Fuss zurückgelegt habe. Damals schwitzte ich in kurzen Hosen und T-Shirt, während der Rhein sowie das Rheinufer von Ausflüglern und Booten belebt waren.

Beim Fährhäuschen gegenüber Ellikon am Rhein zeigt das deutsche Wanderwegschild 4 Kilometer zurück nach Rüdlingen und 18 Kilometer nach Schaffhausen. Bei der Rheinau-Schleife dürfte ich noch den einen oder anderen Kilometer zugelegt haben.

Links:
http://www.klosterkircherheinau.ch
http://www.musikinsel.ch
http://www.sativa-rheinau.ch
http://www.rheinfall.ch
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21. Dezember 2013: Schaffhausen - Stein am Rhein

Es ist Winteranfang und neblig. Vom Bahnhof Schaffhausen marschiere ich durch die Altstadt, wo der Bauernmarkt stattfindet, zur Schiffstation und wende mich auf den Weg Richtung Büsingen. Einige Fischer versuchen vom Ufer oder vom Boot aus ihr Glück. Gruppen mit Sportruderbooten rudern den Rhein entlang. Auf einem Vierer sitzen drei Frauen und ein Mann. Von dieser munteren Gruppe werde ich gegrüsst und es entwickelt sich ein kurzer Wortwechsel. Ich frage sie, ob es nicht kalt auf einem solchen Boot ist. Eine der Frauen meint, sie seien warm angezogen. Ich fühle mich wandernd jedenfalls sicherer in der Temperaturkontrolle, als wenn ich rudern oder sogar fischen würde.

Die deutsche Enklave Büsingen ist ganz vom Kanton Schaffhausen eingeschlossen. Ein Grenzweg führt die 17 Kilometer lange Grenze entlang. Ein Schild weist darauf hin, dass die Grenze Gemeindegrenze, Kantonsgrenze, Landesgrenze, Staatsgrenze und EU-Aussengrenze in einem ist, letzteres ist wohl noch vor dem Schengen-Abkommen geschrieben worden.

Nach Büsingen passiere ich das schaffhausische Dörflingen. Danach zeigt der Deutsche Bundesadler an, dass ich wieder nach Deutschland, genau genommen, Gailingen gelange. Vis-à-vis des Rheines kündigt der Klinikkomplex Katharinental an, dass bald Diessenhofen kommen muss. Ich halte kurz vor der Brücke nach Diessenhofen auf Gailinger Seite meine Teerast. Danach führt der Weg nach Hemishofen mit seiner markanten Eisenbrücke über den Rhein. Darüber sind wir vor Jahren an einem Bankratsausflug mit einer Dampfbahn nach Ramsen gefahren, wo Urs Oberholzer auf die Welt gekommen und aufgewachsen ist. Kurt Schreiber hat uns auf dieser Fahrt als Kondukteur begleitet.

Von Hemishofen ist es nicht mehr weit zum schmucken Städtchen Stein am Rhein, das heute durch einen Weihnachtsmarkt belebt wird. Als ich über die Brücke zum Bahnhof marschiere, erinnere ich mich an meinen Riesenmarsch von Zürich-Seebach nach Stein am Rhein. Als ich damals über die Brücke lief, sprang ein Mann hinunter und ich schaute ihm nach. Er winkte mir zur, als er wieder auftauchte und ich winkte ihm zurück. Mit kräftigen Zügen schwamm er in Stromrichtung davon.
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9. Januar 2014: Stein am Rhein - Konstanz

Aufgrund des Wetterberichtes habe ich einen frühlingshaften Januartag erwartet, aber es ist neblig und es liegt Reif auf den Feldern, als ich von Schaffhausen nach Stein am Rhein gefahren bin. Es ist frostig und ich habe statt des Pullovers unter der dicken Windjacke nur ein Wanderhemd an, allerdings mit einem langärmligen Unterziehhemd. Es ist schliesslich Januar. Da heisst es nur: Laufen, laufen, um in das wohl temperierte Equilibrum zu kommen.

Der Weg bis Steckborn ist mit einer Ausnahme, wo er etwas in die Höhe und an einem Bauernhof mit Hofladen vorbeiführt, ziemlich eben. Ich marschiere schnell. Am Vorabend haben meine Beine von den Füssen bis ins Gesäss noch stark gekribbelt und ich habe mich mit einem starken Hanftee etwas entspannt. Da heisst es erst recht: Laufen, laufen, vor allem auch in der Kälte.

Bei Eschenz entdecke ich, dass ein Steg zur Insel Werd führt, die das Ende des Untersees markiert. Zwei Schilder weisen auf eine Buebebadi hin. Was meinen die Eschenzer Mädchen dazu? Schloss und Klinik Mammern sind nur milchig-neblig sichtbar. Vor Steckborn liegt Glarisegg. Dort nahmen mich meine Eltern im Sommer einmal an den Strand mit.

Die Bernina-Nähmaschinen, die in Steckborn fabriziert werden, sind den Frauen meiner Generation wegen der Haushaltugsschule ein Begriff. Vor der Fabrik steht ein überdimensioniertes Schild in Form einer Nähmaschine.

Die Marschzeit von Stein am Rhein ist mit 2 Stunden 45 Minuten in Ordnung, auch wenn es tatsächlich einige Minuten länger dauert. Beim Bahnhof finde ich eine gedeckte, trockene Sitzbank für meine Teerast. Alle Sitzbänke am Weg sind wegen des Nebels nass.
Nach Steckborn steigt der Weg bald steil bis zu einem Punkt „Wiissi Felse“ auf 480 m.ü.M. an. Diese weissen Felsen bestehen aus Sandstein. Der Aussichtspunkt liegt über dem Nebelmeer, das über dem Untersee wie eine Wattedecke liegt. Bis Steckborn ist der Marsch wegen des Kribbelns für mich ermüdend gewesen, aber jetzt macht mich der steile Naturweg munter und ich komme über meine Startkrise hinweg. Von diesen Muntermacher-Felsen an geniesse ich den Tag.

Der Weg fällt nach Berlingen ab. Der Bankrat hat vor einigen Jahren sein Seminar im Hotel Krone, das zur Tertianum gehört, abgehalten. Es ist auch damals immer neblig gewesen und vielleicht der Grund, dass das Seminar auf den Uetliberg verlegt worden ist. Immerhin bricht jetzt allmählich die Sonne durch und wärmt mich richtig auf. Bei Mannenbach kann ich das markante Schloss Salenstein im Sonnenschein erblicken. Dort oben liegt auch das berühmte Schloss Arenenberg mit seinem Napoleonmuseum. Eine Wegalternative Richtung Kreuzlingen führt dort vorbei. In Ermatingen ist Zeit für meine nächste Teerast.

Danach folgt Triboltingen, wo ein Bunker auf den Festungsgürtel Kreuzlingen hinweist, mit dem die Nazis abgewehrt hätten sollen. Der Untersee wird jetzt immer schmaler und er ist von einem breiten Schilfband gesäumt. In Gottlieben beginnt die schmale Rheinverbindung zwischen Untersee und Bodensee oder umgekehrt, wenn die Flussrichtung beachtet wird. Bei der Fabrik für Gottlieber Hüppen lädt ein Seecafé sowie der dazugehörige Manufakturladen zum Einkehren ein. Noch wenige Schritte dauert es zum Waaghaus. Wehmütig erinnere ich mich daran, wie ich dort mit meinen Eltern und danach auch mit meiner Gotte und Cousine Gisela zum Fischessen eingekehrt bin. Jetzt liegen Waaghaus sowie die Drachenburg im Winterschlaf. Über Schloss und Wasserturm Gottlieben fängt der Himmel an zu dämmern. Es ist Zeit, vor dem Eindunkeln nach Konstanz hinein zu gelangen.

Ich überschreite beim Zollhaus Tägerwilen die Grenze und danach eine Fussgänger und Radfahrerbrücke. Durch ein schmuck renoviertes Wohngebiet gelange ich in wenigen Minuten in die Innenstadt und kann kurz vor dem Bahnhof einkehren.

Die Zeitangabe Steckborn - Kreuzlingen ist mit 3 Stunden 50 Minuten untertrieben und anhand der folgenden Wegschilder nicht schlüssig. Es muss mit weit mehr als vier Stunden Marschzeit gerechnet werden. Unterwegs gibt es genügend Sitzbänke sowie Fischbeizli, um zu rasten oder einzukehren.

Links:
http://www.napoleonmuseum.tg.ch/xml_19/internet/de/intro.cfm
http://www.festungsguertel.ch
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12. Januar 2014: Kreuzlingen - Romanshorn

Es ist wieder neblig, als ich in die Rhein-Bodensee-Region fahre. Immerhin erkenne ich ein Schild „Bauland zu verkaufen“, das auf einem grossen, gepflügten Feld mit dicker Ackerscholle steht, als es gegen Kreuzlingen hin zu tagen beginnt. Mir kommt das Stichwort Kulturlandverlust in den Sinn.

Ich starte beim Hafen Kreuzlingen, quasi vis-à-vis vom Bahnhof Konstanz, wo meine letzte Etappe geendet hat. In der grossen Bucht des Bootshafens warnt ein Schild „Betreten der Eisfläche verboten“. Gibt es in diesem bisher milden Winter noch Eis?

In Münsterlingen dringen einige Sonnenstrahlen durch. Sie lassen die mächtigen Bauten der Klinik Münsterlingen mild erscheinen. Ich hoffe, dass alle Patientinnen und Patienten von ihren Zimmern aus Seesicht geniessen können. Eine Minigolfanlage, ein Platz zum Korbball-Spielen, eine Vogel-Volière sowie eine Cafeteria im modernen Teil dürften helfen, deren Stimmung etwas aufzuheitern. Für das Personal ist eine eigene Badewiese reserviert. Danach übernimmt das Nebelgrau wieder das Szepter und begleitet mich bis nach Romanshorn. Immer wieder säumen Obstkulturen den Weg.

Schilder des Bodenseepfades liefern unterwegs Informationen über Kultur und Natur entlang des Weges. Die Weg-Broschüre kann auf einer deutschen Website heruntergeladen werden.

Bei Güttingen wird am See ein Kieswerk betrieben und nach Güttingen liegt ein grosszügig gestalteter Spielplatz samt Kleintier-Anlage - letzteres in der warmen Jahreszeit bestimmt ein beliebtes Ausflugsziel für Familien.

Vor Kesswil halte ich Teerast und blicke ins neblige, schwäbische Meer. Von Güttingen bis Uttwil erstreckt sich entlang des Sees eine Strandlandschaft, die zu einem Meer passt. Bei den hablichen Häusern von Uttwil muss der Seeuferweg bis zum Schlosshügel Romanshorn ins Land hinein weichen. Vor Uttwil mustere ich ein Bienenhaus nahe dem Wegrand. Tatsächlich tanzen dort einige Bienen auf ihrer „Start- und Landebahn“ und sie fliegen ein und aus. Der milde Januar bringt treibt die Weidekätzchen beim Ortsbeginn von Romanshorn bereits hinaus.

Ich entdecke, dass das Museum am Hafen an diesem Sonntag von 14 - 17 Uhr geöffnet ist. Der Zutritt ist gratis. Ich lerne, dass die Nordostschweizerische Eisenbahn die Schiffahrt am Bodensee 1854 aufgebaut und betrieben hat. Deshalb sind die SBB, welche die NOB später übernommen hat, bis vor wenigen Jahren in Besitz eines Schiffahrtsunternehmens gewesen. Vom 19. Jahrhundert bis ins Jahr 1976 wurden Güterwagen auf Fähren verladen und über den Bodensee hin- und hergesandt. Dies hat sich Trajektion genannt. Sie wurde eingestellt, als sie nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr rentiert hat und von den SBB subventioniert werden musste. Romanshorn hat den grössten Bodenseehafen. Um die Infrastruktur Romanshorn sollen sich ein Oberrichter Bachmann und ein Commandant Guhl verdient gemacht haben. Beide residierten im Schloss, das samt Kirche auf einem gegen den See hin vorgelagerten Hügel thront.

Die Wegzeit Kreuzlingen-Hafen nach Romanshorn beträgt 4 Stunden 40 und ist fair bemessen. Es gibt Sitzbänke, eine Reihe von Hafenschenken sowie Biergärten entlang des Sees.

Links:
http://www.themenpark-umwelt.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/20208/?path=7160;19755;&part=20204&partId=0
http://www.museumromanshorn.ch
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16. Januar 2014: Romanshorn - Rorschach

Dank des Föhns liegt endlich kein Nebel über dem Bodensee. Nach dem Hafengelände erreiche ich den Weg nach Egnach. Nur zaghaft dringen einige Sonnenstrahlen durch die Wolken. Bei Frasnacht erblicke ich bereits die Silhouette von Arbon mit seinem Schloss und seiner markanten Altstadt. Auch der Säntis liegt bis nach Arbon in meinem Blickfeld.

Arbon ist berühmt für seine Saurer-Lastwagen. An diese glorreiche Zeit erinnert das Saurer-Museum, das am Weg liegt. Auf dem ehemaligen Industriegelände von Saurer nahe dem Museum befinden sich heute eine Firma für Motorenentwicklung sowie Wohnbauten. Das andere grosse Saurer-Industriegelände liegt nahe dem Bahnhof. Es war 2012 von einem Grossbrand betroffen. Eine Einheimische, die vor dem Schloss ihren Mittags-Snack einnimmt, erzählt mir, dass ein Teil der Gewerbebetriebe nach den Aufräumarbeiten und Reparaturen wieder einziehen und weitermachen konnte, ein Teil aber ganz weggezogen ist. Das ganze Gelände ist für eine neue Wohnüberbauung samt neuen Gewerbebauten vorgesehen. Die denkmalgeschützten Bauten werden belassen und bieten weiterhin Raum für Gewerbebetriebe. Arbon ist ebenfalls Sitz der Arbonia Forster Group mit ihren Kücheneinrichtungen.

Bei Steinach erstreckt sich hinter dem eingezäunten Gelände des Weidenhofs überraschenderweise ein Bambushain. Ich spreche einen öffentlichen Gartenarbeiter bei Horn darauf an und er bestätigt mir, dass es sich um Bambus handelt. Diese Bambuspflanzen sind nicht einheimisch, sondern kamen vom Ausland. Sie breiten sich aus und er zeigt auf einen Bambusbusch beim Strand. Deren Wurzeln würden sich sehr dicht verholzen. In Steinach mache ich bei einem Rastplatz samt Grillanlage meinen Teehalt.

Bei Horn geht der Weg bis nach der Brücke über den Tübach landeinwärts und kehrt danach bis Rorschach wieder in die Nähe des Ufers zurück. Beim Hafengebäude von Goldach weist ein Schild auf eine Hafenmeisterin hin. Offenbar übt eine Frau diesen für Frauen nicht alltäglichen Beruf aus.

Bald ist der Hafen Rorschach erreicht und von dort ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Bahnhof Rorschach. Beim Hafen Rorschach tummeln sich Frauen und Kinder mit Schlittschuhen auf dem kleinen, künstlichen Eisfeld. Auch im Winter bietet die bekannte Sommerfrische eine kleine Attraktion. Die weiter oben verschneiten Hänge des Rorschacherberges erinnern daran, dass tiefster Winter sein sollte. Gegenüber dem Bahnhof liegt am Weg das Forum Würth. Mit diesem modernen, lichten Bau macht die bekannte süddeutsche Schraubenhersteller-Firma ihre Unternehmenskultur bekannt. Es bietet Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die Wegzeit Romanshorn - Arbon beträgt 2 Stunden 15 Minuten und jene bis nach Rorschach 1 Stunde 45 Minuten. Entlang des Weges finden sich immer wieder Einkehrmöglichkeiten.

Links:
http://www.saurermuseum.ch/index.php/en/
http://www.wuerth-haus-rorschach.ch/web/de/haus_rorschach/7_catering/forum_wuerth_rorschach_1/forum_wuerth_rorschach.php
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19. Januar 2014: Rorschach - Au SG / Lustenau

Erneut empfängt mich der Bodensee unter einer Nebelsuppe. Ich verlasse den Bahnhof bergseitig, denn der Weg verläuft anfänglich oberhalb der Bahnlinie und kreuzt das Trassee der Zahnradbahn in den Rorschacherberg. Dort fuhr ich als junge Frau einmal in die Bildungsstätte Wartensee an einen Gewerkschaftskurs zum Thema Vereinsführung. Erst bei Staad kann ich wieder ein Stück weit dem See entlang gehen. Dann führt der Weg wieder entlang der Strasse, bis er beim Flugplatz Altenrhein wieder an das Ufer stösst. Der Flugplatz scheint Winterschlaf zu halten. Das attraktive Fliegermuseum ist im Winter geschlossen. Auffällig sind die grossen Produktionshallen von Stadler Rail beim Flugplatz.

Der Rheinspitz ist am Ufer von Röhricht geprägt. Der Alte Rhein fliesst in einem ausgedehnten Naturschutzgebiet vom Bruggerhorn bis zum Rheinspitz in den Bodensee. Ein Liechtensteinisch-össterreichisches Paar fotografiert mich am Denkmal des Rheinspitzes. Es empfiehlt mir, auch die Fussacher Bucht bei der österreichischen Gemeinde Höchst zu besuchen. Nach den vielen Nebeltagen im Bodensee-Gebiet werde ich mir dies für die sonnige Jahreszeit vornehmen, um das Bild der Bodenseegegend in diesem Logbuch zu korrigieren.

Der Wanderweg auf Schweizer Seite liegt am Ufer des Alten Rheins. Informationstafeln der Internationalen Bodenseeregulierung vermitteln Wissenswertes und weisen auf die Sehenswürdigkeiten des Naturschutzgebietes hin. In einem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und österreich wurde 1892 die Rheinregulierung beschlossen. Sie dient dem Hochwasserschutz. Der Rhein mündet als kanalisierter Neuer Rhein sowie als naturnäherer Alter Rhein in Bodensee. Die Schweiz ist für den Alten Rhein zuständig. Der Wanderweg durch dieses Naturschutzgebiet scheint trotz Januarwetter beliebt zu sein. Er liegt zwischen dem Alten Rhein und der parallel laufenden Rheintaler Autobahn.

Bei Rheineck mache ich meinen Teerast. Bei St. Margareten folgt das Naturschutzgebiet Eselschwanz mit seinem Flachsee und weiteren Weihern. Die Nebeldecke lichtet sich, so dass die verschneiten Gebirgszüge sichtbar werden. Ich bin am Alpenrhein angekommen. übrigens ist das Festungsmuseum in St. Margareten der Erwähnung wert. Es ist im Winter geschlossen. Oberhalb von St. Margareten stösst der Wanderweg bei der Eisenbahnbrücke an den Neuen Rhein und verläuft ab da auf einem Damm. Ich strebe nun Au entgegen und marschiere auf der Grenzbrücke nach Lustenau, um einzukehren. Ich finde auf dem Weg zum Stickereimuseum das Café König, wo ich mich mit Wiener Schnitzel und frisch gemachtem Kaiserschmarren stärke. Allerdings muss ich dann noch meinen schweren Bauch zur Station Au auf der Schweizer Seite tragen. Das Stickereimuseum ist übrigens am Donnerstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

Die Wanderzeit Rorschach bis Rheineck beträgt 2 Stunden 30 Minuten, danach bis St. Margareten 1 Stunde 15 Minuten und bis nach Au noch eine weitere Stunde. Zum Café König in Lustenau dauert es noch etwas länger. 

Links:
http://www.fliegermuseum.ch
http://www.rheinregulierung.org
http://hampisweb.selfip.com/galerien/eselschwanz-2012/galerie/index.html
http://www.festung.ch/index.php?id=3
http://www.lustenau.at/de/stickereimuseum
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25. Januar 2014: Au SG - Salez-Sennwald

Bei strahlendem Sonnenschein starte ich beim Bahnhof Au. Noch liegen Reste des Reifs auf Wegen und Feldern, denn die Nacht ist frostig gewesen. Trotzdem kommt mir der milde Winter wie ein Kuschelwinter vor. Auch heute gibt es weder klamnme Finger noch vor Kälte schmerzende Nasenlöcher bis zum Aufwärmen auf die Betriebstemperatur meines Körpers. Ich entscheide mich, anfänglich das Hinterland des Rheins, das in dieser Gegend durch etliche Kanäle durchzogen ist, näher zu erkunden. Der Rheintaler Binnenkanal wurde 1906 zwecks Entwässerung erstellt und die verschiedenen kleineren Kanäle dienen der Melioration. Das gesamte System der Rheinregulierung mit den Seitenkanälen auf schweizerischer und österreichischer Seite bändigt den Rhein, der ansonst wie in alter Zeit mäandrieren und das Tal regelmässig überschwemmen würde, so dass Ansiedlung und Landwirtschaft im heutigen Stil unmöglich wären. Mit dem Entscheid, auf der Westseite des Rheintals zu gehen, verpasse ich Diepoldsau, das auf einer Insel zwischen Altem und Neuem Rhein liegt. Vielleicht hole ich dies an einem Tag in der milden Jahreszeit nach.

Ich marschiere den Rheintaler Binnenkanal entlang. Vor Widnau tauchen Fabrik.- und Dienstleistungsgebäude auf. Ein humoristisches Transparent mit Anspielungen auf Dieter Bohlen macht auf eine Bowlinghalle in einem der Komplexe aufmerksam. Das Rheintal ist auch ein Standort für moderne, exportorientierte Technologiefirmen. Ich komme entlang des Rheins nicht durch die weiter landeinwärts liegenden Orte Heerbrugg und Altstätten. Die Optikfirma Wild Heerbrugg ist mir aus meiner Industriezeit noch ein Begriff. Die berühmte Industriellenfamilie Schmidheiny hat ihren Ursprung im Schloss Heerbrugg. Nach Widnau zweige ich bei den Dreibrücken in den Weg entlang des Zapfenbach-Krummensee-Kanals. Zwischen dem Flurnamen Dreibrücken und Kriessern liegt der Storchenhof, der auch als Naturschutzzentrum samt Erlebnispfad dient. Wenn die Störche im Frühling wieder in ihre Nester einziehen, ist dies sicher ein attraktives Ausflugziel für Familien. Nach Kriessern folge ich weiter dem Kanal, an dem ein Badeweiher sowie ein weiterer Weiher samt dem Naturschutzgebiet Fohlenhof liegt. In Montinglen ist bei den Steinen samt kleiner Feuerstelle höchste Zeit für meine Teerast.

Danach steige ich vor der Brücke zum Rheindamm hinunter und folge diesem. Oberhalb von Oberriet mündet die Ill in den Rhein. Wegen dem vielen vorgelagerten Kies und Sand sowie den Baggern und Kränen ist vom Schweizer Ufer aus nicht viel von der Ill zu sehen. Der Bau des neuen Kraftwerkes Illspitz macht aus der Illmündung eine grosse Baustelle. Zwei Berge liegen den ganzen Tag lang in meinem Gesichtsfeld und kommen immer näher: Der Hohe Kasten und auf Liechtensteiner Seite die Dreischwestern. Bald liegt der Hohe Kasten mit seinem Turm über mir und danach hinter mir, während beim Abzweigen zur Station Salez-Sennwald sich die Kreuzberge vor mir erheben. Die Sonne des späten Januarnachmittags wirft verschiedene Farbschattierungen auf Berghänge und die feinen Zirruswolken.

Von Au bis zur Rast in Montlingen benötige ich etwa dreieinhalb Stunden und von Montlingen bis zur Bahnstation Salez-Sennwald kommen inklusive kurzer Teerast nochmals etwa vier Stunden hinzu.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheintaler_Binnenkanal
http://www.hydroelectra.ch/schloss/SH-b-g-schmidheiny.html
http://www.oberriet.ch/de/tourismus/naherholungimfreien/welcome.php?action=showobject&object_id=7486
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/Neues-Kraftwerk-an-der-Illmuendung;art123841,3074705

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1. Februar 2014: Salez-Sennwald - Fläsch

Ich erwarte ein sonniges Föhntal, aber als der Zug Richtung Buchs fährt, verwandelt sich das Rheintal in ein Nebeltal. Ich erinnere mich, dass letzten Samstag dort zur gleichen Zeit auch Nebel lag, während es beim Umsteigen in Sargans sonnig war und in Au SG beim Start wieder die Sonne lachte. Ich frage den Postauto-Chauffeur auf der Fahrt von Buchs nach Salez-Sennwald, ob es in dieser Gegend häufiger als sonst neblig ist. Er bestätigt dies.

Der Nebel ist dick. Reif liegt auf den Wiesen und Feldern. Das Eis, das in den gefrorenen Pfützen in den Spurrillen der Wege liegt, knirscht unter meinen Sohlen. Nach etwa 20 Minuten gelange ich wieder auf den Rheindamm und quere bei der Brücke zwischen Haag SG und Eschen FL den Rhein. Ich entdecke, dass an der Südseite der Brücke Solarpanels angebracht sind. Eine gute Idee! Nur lässt der Nebel zurzeit keine Sonnenstrahlen durch. Ich fotografiere die Solarpanels und sende das Bild als Anregung an Urs Rengel, den CEO der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich. Er antwortet mir am 24. Februar 2014 darauf:
„Liebe Liliane
Ich hoffe es geht dir gut und bedanke mich für dein Foto der PV Anlage an Brücken. Es ist für uns in diesem Sinne eine bekannte Montagetechnik und ist auch nicht ohne Tücken (Verschmutzung, aufwendige Montage etc.)
Habe dein Bild zur Auffrischung der Variantenvielfalt unserem PV Team weitergeleitet.
Herzlichen Dank und Grüsse
Urs“

Ich marschiere flott den Damm entlang, erinnere mich, dass in Sargans noch die Sonne da gewesen ist. Also nichts, wie in den Süden, in der Hoffnung, wieder in den sonnigen Bereich zu gelangen. Mein Tempo wird immer höher, bis an die Grenze zum Laufschritt. Die Autobahn am anderen Ufer regt ebenfalls zu einer Autobahn-Wanderung an. Bald ist Schaan erreicht, wo ein Reklameschild der Firma Hilti auf dem Sportplatz zu sehen ist. Die Befestigungstechnik-Firma Hilti ist wie die Oberflächenbeschichtungs-Firma Balzers (heute OC Oerlikon) eine der beiden bekannten Industrieunternehmen im Fürstentum Liechtenstein.

Vaduz liegt immer noch im dichten Nebel und das Schloss des Fürsten ist nicht sichtbar. An der Brücke zwischen Vaduz und Sevelen sind ebenfalls Solarpanels montiert. Von einem früheren Besuch in Vaduz kenne ich das Liechtensteinische Landesmuseum sowie Kunstmuseum, die sehenswert sind. Dies trifft auf Schweizer Seite ebenfalls auf Städtchen und Schloss Werdenberg sowie das Schloss Sargans zu, deren Besuch sich lohnt. Die Vaduzer Sitzbänke aus Metall sind nebelfeucht, weshalb sich meine Teerast bis nach Triesen verschiebt, wo ich endlich eine trockene Holzbank finde. Ich wundere mich, dass trotz des Winters etliche Fischer anzutreffen sind, einige sogar in Stiefeln im Wasser. Dank des tiefen Wasserstandes, ragen zahlreiche Sandbänke aus dem Wasser. Dies mag für die Fischerinnen und Fischer attraktiv sein. Ich müsste beim langen Stehen am und im Wasser trotz des Kuschelwinters zwei lange, wollene Unterziehhosen und Unterhemden tragen.

Erst als die Brücke von Balzers auftaucht, lichtet sich der Nebel und ich muss Balzers schon hinter mich gelassen haben, als die Sonne richtig scheint und den Blick in die alpinen Berge Liechtensteins freigibt sowie auf den Gonzen und die Pizol-Gruppe am anderen Ufer. Ich steige beim Heliport Balzers wieder auf den asphaltierten Fahrweg hinauf, um mich zu orientieren. Ja, Balzers liegt schon ein Stück weit zurück. Jetzt bin ich dem markanten Felssporn nahe, den ich bei den Bahnfahrten an Sargans vorbei an der anderen Seite immer erblickt habe. Ich frage eine Einheimische nach dem Namen. Es ist das Ellhorn. Jetzt stelle ich fest, dass sein Felsabhang praktisch in den Rhein fällt. Der breite Dammweg samt Fahrweg enden und gehen in einen weiss-rot-weissen Bergwanderweg über. Darauf bin ich nicht vorbereitet, denn ich bin über den Rand der Landkarte hinausgelaufen. Ich trage nur die schnellen und kurzen Lowa-Schuhe, nicht aber meine hochschaftigen Lowa-Schuhe für ruppigere Wanderwege. Ich frage einen Fliegenfischer am Strand, wie der Weg nach Fläsch beschaffen sei. Er meint, er sei gut zu machen. Ich pausiere dort an alten, fast morschen Holzbänken, um mich für die Passage unter dem Ellhorn noch richtig zu stärken. Feiner Sand wie an einem Meer liegt unter meinen Füssen. Dichtes Untergehölz säumt das Ufer und hinter mir ragt die steile Felswand des Ellhorn hinauf.

Ich steige zum Bergwanderweg hinauf und bewege mich vorsichtig und gemächlich voran. Sicherheit hat vor Tempo Vorrang. An gewissen Stellen setze ich meine $chritte bedächtig. Nun zahlt sich mein tägliches, spezifisches Training mit den Fussgelenken sowie für das Gleichgewicht aus. Noch vor einem Jahr wäre dieser Weg mit diesen sportlichen Halbschuhen kaum machbar gewesen. Der Rhein fliesst wie über kleine Stromschnellen und Wirbel. Ich entdecke im Untergehölz blühende Veilchen. Es ist der 1. Februar. Wirklich ein Kuschelwinter! Ich bin von der wilden Schönheit der Landschaft fasziniert. Ich bin erleichtert wie stolz über meine Leistung, als ich die ruppige Passage hinter mich lasse und mich im Naturschutzgebiet Rheinauen-Ellstein befinde. Ein Naturlehrpfad führt durch den Wald. Die Euphorie treibt mich voran. Vom ersten Weinberg, wo sich früher ein Fläscher Bad samt Kurhaus befand, zieht sich der Weg noch lange entlang weiterer Weinberge nach Fläsch hinein, das 2010 für sein Ortsbild den Wakker-Preis erhielt. In den alten Gewölben des früheren Fläscher Bads können Räumlichkeiten für Anlässe gemietet werden und einmal im Monat auf Anmeldung gespiesen werden. Nun suche ich die Postautohaltestelle. Eine Automobilistin zeigt mir den Weg in den alten Dorfkern. Ein Schild an einem pittoresken Haus deutet auf eine interessante Gaststube hin. Ein Fläscher Wein würde mir jetzt passen. Aber wo ist denn endlich die Postautohaltestelle? Ich frage eine weitere Frau, die mich wieder zurück und auf die andere Dorfseite leiten will, als die Automobilistin heranfährt. Sie hat ihren Irrtum entdeckt. Im Winter hält das Postauto nicht im Ortskern, sondern bei der Durchgangsstrasse am Dorfrand. Sie ist so hilfreich und fährt mich freundlicherweise hin. Das Postauto nach Bad Ragaz kommt in zehn Minuten. Ich bin zu müde, um wieder zurück zum Lokal zu laufen, wo der Aushang glustige, kalte Fleischpatten und Fläscher Wein versprochen hat.

Zur Wegzeit: Ich bin kurz nach neun von der Station Salez-Sennwald abmarschiert und um fünf Uhr abends in Fläsch angekommen. Unterwegs habe ich zwei kurze Teeraste von etwa je 15 Minuten sowie Fotohalte gemacht.

Links:
http://www.vaduz.li
http://www.schloss-werdenberg.ch/w/
http://www.schlosssargans.com/default2.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Ellhorn
http://www.torkel-flaescherbad.ch/default.html
http://www.flaesch.ch/wakkerpreis-2010.html
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6. Februar 2014: Fläsch - Station Untervaz

Mit dem Postauto fahre ich von Landquart nach Fläsch. Erinnerungen an eine frühere Wanderung durch die Bündner Herrschaft, die Bergtour via Seilbahn ins Aelpli auf den Vilan sowie die Beerdigung des ehemaligen Vorstandsmitglieds von Cooperaid und weissen Karamojong Hans Diener in Maienfeld tauchen in mir auf. Hans lebte als Forstingenieur lange Jahre in Uganda, initiierte mit den Scouts die Berufsschule Zollikon Vocational Training Centre in Mukono, deren Aubau ich mit Hilfe von Geldern aus der Schweiz ich weiterführte und begleitete.

Ich marschiere von Fläsch zum Rheindamm zurück und lasse das mir bekannte Heididorf Maienfeld aus. Die Sonne scheint bei diesem Föhnwetter grell, so dass ich froh bin, dass der Wanderweg mit Bäumen gesäumt ist. Bald taucht das Hochhaus in Landquart auf und der Rhein beginnt wieder, seine generelle Richtung zu ändern. Links mündet das Prättigau mit der Landquart in das Rheintal, das aus meiner Laufrichtung gegen das Wasser nach rechts abzweigt. Es fährt mir jetzt wie eine Sensation ein. Bis heute ist der Rhein ein Grenzfluss gewesen, der in Basel aus dem Osten kam, in Altstätten/Rheineck aus dem Süden und jetzt aus dem Herz des Landes im Westen.

Bei der Coop Tankstelle endet der Rheindammweg und verläuft entlang der Strasse unter dem Autobahn- und Eisenbahntunnel. Bevor ich Richtung Bahnhof abzweige, treffe ich auf den improvisiert wirkenden Marktstand von Socka Hitsch. Er ist ein Bündner Original, das mich an Zarli Carigiet erinnert. Ich erfahre, dass er als Marktfahrer oft in Davos oder Chur gewesen ist, ebenso an der Chilbi Wädenswil und Stäfa. Er lebt in Mastril auf der anderen Seite des Rheins und muss nur über die Brücke zu seinem Marktstrasse an der Kantonsstrasse. Er sagt, er verkaufe hier, wo jeden Tag 13‘000 Autos durchfahren würden. Er geht heute nicht mehr an Märkte ausserhalb des Kantons Graubünden. Ich darf ihn fotografieren. Er verkauft mir seine Biografie, die sein Manager über ihn verfasst hat. Socka Hitsch heisst  mit seinem bürgerlichen Namen Christian Zwicky.
Danach marschiere ich über die Brücken mit dem Landquart-Zufluss zum Rhein, biege vor dem Bahnhofsgelände rechts unter die Bahn- und Autobahnbrücke ab, um bei der Landquart-Einmündung wieder auf den Rheindamm zu gelangen. Als Ausgleich für das Industriegebiet Tardis ist ein Naturschutzgebiet mit Weihern geschaffen worden. Ich folge den Rheindamm hinauf, der jetzt immer mehr westwärts verläuft. Als ich Zizers auftauchen sehe, mache ich eine kurze Teerast. Ich hoffe eigentlich, in der Cafeteria des Altersheimes im Johannesstift von Zizers zu Kaffee und Kuchen zu kommen. Deshalb esse ich zum Tee nur ein Ovosport-Stängeli aus einer Werbezusendung. Als ich aber in das Johannesstift aufsteige, erfahre ich von einer Pflegefachfrau, dass die in der Website erwähnte Cafeteria nicht öffentlich, sondern nur den Angehörigen von Heimbewohnerinnen zugänglich sei. Das Stift liegt im Schloss, das vom bündner Adelsgeschlecht von Salis gebaut worden ist. Die letzte österreichische Kaiserin Zita verbrachte ihre alten Tage im Altersheim des Johannesstift, in dem sie 1989 starb. Zizers ist übrigens auch das Dorf, in dem ursprünglich der Kräuterpfarrer Künzli gewirkt hat.

Noch viel wichtiger, als der Kaffeegenuss, ist es für mich, in die Kapelle gehen zu dürfen. Ich bin allein und nutze die Gelegenheit für ein Gebet, das laut im sakralen Raum wiederhallte:

„Vater im Himmel, ich danke Dir, dass Du mir die Kraft für so weite Märsche durch unser Land gibt’s, dass Du mich auf all meinen Wegen schützt und behütest. Ich danke Dir, dass Du dem Schweizer Volk ein so schönes und vielfältiges Land gegeben hast. Stehe dem Volk und seinen Behörden bei, dass sie mit diesem Land, seinen Gaben, der Natur und seinen Tieren sorgfältig und umsichtig umgehen. Öffne die Herzen von Volk und Behörden, dass sie dankbar für die Gaben unseres Landes sind. Mache sie demütig, damit sie den Schwachen, Kranken und Behinderten in unserem Land helfen und sie an unserer Gesellschaft beteiligen. Lasse Volk und Behörden die Not anderer Völker sehen, damit sie ihnen mit dem hier reichlichen Fachwissen und der Wirkung des guten Vorbildes beistehen können. Segne und behüte die Schweiz, so dass das Volk in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben kann. Amen.“

Eine Pflegerin bietet mir freundlicherweise etwas Kaffee an. Sie sagt, dass es Kuchen nur am Sonntag gebe. Ich danke ihr, erkläre aber, dass ich in Chur auf Kuchen zum Kaffee hoffe. Ich marschiere wieder zum Rheindamm hinunter und von dort bis zur Station Untervaz. Sie liegt in einem Gebiet mit Lagerhallen Werkhöfen und Rangiergeleisen. Sie hat den Vorteil, dass ich in nur wenigen Gehminuten wieder zum Rheindamm zurück gelangen kann. Mit einem kurzen Spurt erreiche ich die bereits dort stehende S-Bahn nach Chur. Dort komme ich beim Laden der Bäckerei Merz zu Kaffee, einer auf dem Mikro aufgewärmten Käsewähe und einem Schenkeli. Es muss noch bis zum Nachtessen mit der GL des Kantonsrates um 20 Uhr hinhalten.

Abmarsch ist etwa um 08.15 in Fläsch gewesen, Ankunft kurz vor 14.00 Uhr bei der Station Untervaz.

Links:
http://www.heidiland.com/de/aufenthalt/ferienregion-heidiland/buendner-herrschaft-uebersicht
http://www.sockahitsch.ch
http://www.zizers.ch
http://www.stjohannes-stift.ch
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10. Februar 2014: Station Untervaz - Bonaduz

Bei der Eisenbahnfahrt nach Landquart sehe ich, dass am Walensee wegen des starken Föhns Sturmwarnung gegeben wird. Dies passt zur Schweiz am Tag nach der Annahme der SVP-Zuwanderungsstopp-Initiative. Niemand weiss, wie es jetzt weiter geht.

Ich fädle nach der Station Untervaz wieder auf den Wanderweg auf dem Rheindamm ein und durchquere das Industriegebiet von Trimmis mit seiner Kiesgrube samt Baggersee. Der Föhn treibt die Turbinen des Windkraftwerkes von Calandawind kräftig an. Nach dem Wanderwegschild Rheinpromenade Felsberg entdecke ich neben dem Wanderweg einen Abfallsack, den ich fotografiere und dem Bündner Naturschutzamt melde. Am gegenüberliegenden Ufer taucht der Ort Haldenstein auf, über dem eine Burgruine thront. Das malerische Ortsbild wird vom Schloss geprägt. Vor mir sehe ich den Dreibündenstein, auf dem ich in jungen Jahren auf einer Clubtour war.

Chur lasse ich links liegen. Es ist die älteste Stadt der Schweiz sowie Bischofssitz. Zu seinen Attraktionen zählt eine Reihe von Museen. Die kleine Stadt hat mit dem Welschendörfli sogar ein Vergnügungsviertel für Nachtschwärmer. Ich bin nicht nur in Chur umgestiegen, sondern verschiedene Male auch in der Stadt gewesen.

Bald überquere ich die Brücke bei der Plessurmündung. Hinten im Schanfigg leuchtet das Arosa Weisshorn. Der Wanderweg führt durch den Waffenplatz Chur und dahinter taucht am anderen Ufer Felsberg auf, aus dem die Schlumpf-Dynastie im Bundesrat stammt. Kurz vor Ems ist Zeit für meine Teerast. Auf einem Felshügel steht wie eine Burg die Kirche von Ems. Auch die Emser Werke sind auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Blocher stammt einer Einwandererfamilie ab. Das Kraftwerk Reichenau hat eine Leistung von 19 Megawatt. Es gehört zum AXPO-Konzern. Bei der Schrebergarten-Siedlung entlang des Wehrkanals zeigt ein Thermometer 12 Grad an. Beim Staudamm wechsle ich ans andere Ufer, um nach Tamins aufzusteigen. An Sträuchern und Bäumen hängen auffällig die watteartigen Fruchtstände der Waldrebe, die im Volksmund auch als Nielen bekannt sind. (Meine Cousine Simone Hunziker hat mich über die Pflanzenart aufgeklärt.) Ich kreuze zwei Frauen, die von Flims her kommen. Wir unterhalten uns und ich erfrage von ihnen Informationen, wie ich später im Jahr am besten durch die Rheinschlucht nach Ilanz gelangen kann. Der Weg via Conn auf der Sursilvana-Route wird zurzeit als noch vereist bezeichnet. Möglich ist auch die Route auf der Südseite des Rheins an Versam vorbei.

Beim Dorfplatz von Tamins raste ich nochmals, blicke zur Kirche auf dem Felssporn hinauf sowie zu den alten Häusern im Rund des Dorfkerns. Erstmals auf meiner Rheinroute habe ich das Gefühl, in einem Dorf mit typisch bündnerischem Charakter zu sein. Nach der Rast steige ich nach Reichenau mit seinem Schloss ab. Das Schlosshotel befindet sich in einem Nebengebäude der Schlossanlage. Im Hauptgebäude befindet sich der Weinkeller der Familie von Tscharner. Neben dem Schild, das Wein- und Spargelverkauf anpreist, ist ein Glockenzug. Ich ziehe, um mehr Informationen zu erhalten. Es meldet sich auch nach einigen Minuten niemand.

Danach erkundige ich das Gebiet des Zusammenflusses von Vorderrhein und Hinterrhein. Der Hinterrhein drängt das Wasser des Vorderrheins mächtig zurück, so dass dieser nur auf einem schmalen Band auf seiner Seite weiter hinabfliessen kann. Am sandigen Ufer unter den Brücken fotografiere ich die Szenerie. Danach laufe ich nach Bonaduz, dem Eingang zum Domleschg.

Ich bin einige Minuten nach 8 Uhr bei der Station Untervaz-Trimmis gestartet und kurz nach 15.30 Uhr beim Bahnhof Bonaduz angekommen.
Links:
http://www.calandawind.ch/tag/haldenstein/
http://www.schlossgarten.ch
http://www.chur.ch/de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichenau_GR
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Im Folgenden werden zwei besondere, sehenswerte Abschnitte des Alpenrheins beschrieben: das Rheindelta sowie die Rheininsel von Diepoldsau. Für den Vorderrhein sowie den Hinterrhein habe ich jeweils ein separates Logbuch eröffnet.

20. April 2014: Rheindelta

Als ich im Winter bei oft neblig-kaltem Wetter den Bodensee und Alpenrhein entlang marschierte, habe  mir vorgenommen, in der milden Jahreszeit wieder in das Gebiet der Rheinmündung und des unteren Teiles des Alpenrheines zurückzukehren, um einen anderen Eindruck zu erhalten.

Mit meiner Cousine Gisela marschiere ich beim Bahnhof Rheineck via Autobahnunterführung ans Ufer des Alten Rheines. Ich erkenne die Sitzbank wieder, auf der ich beim winterlichen Marsch gerastet habe. Via Fussgängersteg wechseln wir bei Gaissau auf die österreichische Seite. Wir wandern Richtung Rheinspitz und kommen am Gaissauer Ried vorbei. Dann zweigen wir nach Rohrspitz und Fussach ab und steigen auf den Bodenseepolderdamm. Auf der linken Seite erstreckt sich der Bodensee, rechts das weite Naturschutzgebiet des Rheindeltas. Die Bise lässt die Wellen an den Strand rauschen, was uns die Illusion vermittelt, einem Meeresstrand entlang zu laufen. Der Name Polderdamm verstärkt diesen Eindruck. Das Rheindelta ist ein weitläufiges Naturschutzgebiet, das eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren beherbergt.

Beim Rohrspitz kommen wir an einem Restaurant vorbei. Wir könnten weiter den Rohrspitz entlang laufen, bleiben aber auf dem Dammweg, der nun der Fussacherbucht entlang geht. Wir bleiben auf dem Weg, obwohl Abzweigungen nach Fussach gehen. Wir marschieren, bis wir ein Gebiet mit dem Namen „In der Schanz“ erreichen. Dort liegen Bootswerften und eine Siedlung mit Wochenendhäusern samt Bootshaus. Diese Häuser liegen an kleinen Kanälen, die an die Grachten Amsterdams erinnern. Bei der Fahrstrasse entlang des Mündungsdammes des Neuen Rheines entdecken wir das Schild zum Gasthaus Mövenblick. Nach drei Stunden Marschzeit leisten wir uns ein kräftiges Mittagessen samt Rinderfilets, reichhaltiger Gemüsebeilage und Pommes Frites. Die Portionen sind gross und gut gekocht. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Wir kommen mit einer Rorschacher Familie am Nebentisch ins Gespräch, die regelmässig in diesem Restaurant isst.

Nach dem Essen marschieren wir den Dammweg entlang zur Mündung des Neuen Rheines. Der Damm zieht sich so weit in den Bodensee hinaus, dass ich den Eindruck erhalte, bald nach Bregenz marschieren zu können. Westlich des Mündungsdammes liegen Sandinseln sowie eine Lagune. Tausende von Vögeln veranstalten ein Konzert, so dass ich mich wieder wie am Meer fühle. Wir marschieren wieder in die Schanz zurück, denn nach zwei Stunden erneuter Lauferei ist Zvieri-Zeit. Wir gehen in das Fischerstüble. Es hat den Ruf, teurer zu sein als der Mövenblick. Für Kaffee und Kuchen reichen meine Euros allemal.

Danach gehen wir in strammem Schritt den Damm entlang Richtung Bruggerhorn, wo der Rhein aus Gründen des Hochwasserschutzes in den Alten und Neuen Rhein getrennt worden ist. Die Sonne steht etwas tiefer und Gisela hat offenbar Stalldrang. Eilend gehen wir über das Brückensystem auf die Schweizer Seite und kreuzen meine Wegspuren, die ich dort im Winter hinterlassen habe. Dann zieht es sich noch fast eine halbe Stunde bis zum Bahnhof St. Margarethen. Es hat sich gelohnt, an diesem Ostersonntag wieder zurückzukehren. Die Bodenseegegend hat auch ein sonniges, liebliches Gesicht.

Links:
  
http://www.rheindelta.com/start.html
http://www.bodenseee.net/fussacher-bucht/
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1. Juni 2014: Diepoldsau Rheinuferweg

Weil ich auf der Etappe zwischen Au und Salez-Sennwald bis Montinglen dem Rheintaler Binnenkanal gefolgt bin, habe ich den Abschnitt bei Diepoldsau verpasst. Unterwegs habe ich von Einheimischen erfahren, wie wunderbar der Rundwanderweg um Diepoldsau mit dem Alten Rhein sei.

An diesem sonnigen Sonntag hole ich es nach. Ich steige bei der Station nach der Schrägseilbrücke über den Neuen Rhein aus dem Bus. Von dort gehe ich fast zur Brücke zurück und folge dem Wanderweg nach Norden Richtung Under Spitz. Ich gerate etwas weit und finde mich auf österreichischer Seite in Lustenau. Vom dortigen Park folge ich dem Wanderwegschild Richtung Schmitter Brücke und Hohenems. Der Weg erlaubt Einblicke in den wunderschönen Altrhein-Arm mit seinen Auen, Schilfufern und Schilfinseln. Immer wieder führen kleine Wege zu Rastplätzen. Auf der Höhe des österreichischen Scheibenbaches führt ein schmaler Pfad auf einer schmalen Landbrücke auf die Schweizer Seite. Neugierig folge ich dem Weg und gelange an ein altes Eisentor, auf dem eine Tafel erinnert, dass zur Zeit der Nazi-Herrschaft über diese Landbrücke verfolgte Juden in die Schweiz flüchteten. Ich fotografiere dieses historische Mahnmal.

Bei der Schmitter Brücke wechsle ich auf die Schweizer Seite. Beim Grenzübergang von Diepoldsau nach Hohenems frage ich einen Zollbeamten nach der Paul-Grüninger-Gedenktafel. Er weist mir den Weg zur Grenzbrücke, wo eine schlichte Tafel an den mutigen Polizei-Hauptmann erinnert, der entgegen der Weisungen seiner Vorgesetzten vielen jüdischen Flüchtlingen das Leben rettete. Er verlor Stelle und Pensionskassen-Ansprüche.  Heute ist er für seine Zivilcourage und Menschlichkeit ein Held.

Ich fotografiere die Tafel und muss mich konzentrieren, sie beim Gegenlicht der Sonne blendfrei in meine Kamera zu bringen. Während ich meine Kamera wieder einpacke und über die Zeit Grüningers sinniere, bemerke ich, dass ein tschechischer Reisebus vor dem Grenzübergang zur Schweiz nach hinten rollt. Die Autos hinter ihm müssen folglich auch nach hinten rollen. Doch das Auto hinter ihm kann nicht mehr weiterrollen, weil es bereits zu nah beim hinteren Fahrzeug ist und die Kolonne dahinter stockt. Es hupt deshalb nach vorne. Trotzdem rollt der Bus weiter, bis er mit einem leichten Bums auf die Stossstange des hinteren Fahrzeuges stösst und dieses weiter schiebt. Jetzt winke ich dem Fahrer heftig zu und schreie Stopp, Stopp. Dies bringt dem Bus zum Halten. Die Beifahrerin der hilflosen Aargauer Automobilistin steigt aus und eilt sofort zum Buschauffeur.

Nach diesem Intermezzo setze ich meine Rundwanderung Richtung Widenmad fort.  Der Alte Rhein ist durch mehrere Inselchen durchsetzt und gegenüber taucht ein grösseres Kieswerk auf. Kurz vor Widenmad raste ich auf einer Bank inmitten der verträumten Auenlandschaft. Ich verweile länger und lese sogar in einem englischen Thriller, den ich mir eingepackt habe. Nach dieser Rast in der Wärme geht es mit schweren Beinen weiter und ich brauche etwa 20 Minuten und die kühlende Bise, bis ich wieder getaktet bin. Ich gehe den Neuen Rhein entlang zurück bis zur Schrägseilbrücke, dem Wahrzeichen von Diepoldsau.

Für den wunderbaren, leichten Rundwanderweg müssen etwa dreidreiviertel Stunden gerechnet werden. Es gibt genügend Rastplätze unterwegs.

Von der früheren Kantonsrätin und Kantonalbank-Vizepräsidentin Lilo Illi habe ich folgende interessante Information über den Flüchtlingshelfer Paul Grüninger erhalten: „
Dem aktuellen Ausgabe des Strassenmagazins surprise habe ich übrigens entnommen, dass Paul Grüninger in jungen Jahren als linker Flügelstürmer 1915 mit dem SC Brühl St. Gallen Schweizer Fussballmeister geworden ist (und auch zweimal Präsident des SC Brühl war, dieses Amt aber endgültig 1940 niederlegte, um den Verein nicht in den Wirbel um seine Person hineinzuziehen).

Links:
http://www.naturschutzgruppe.ch
http://www.diepoldsau.ch/de/
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