fluss-frau.ch
Töss Logbuch

von Liliane Waldner

Einführung in die Töss

Die Töss ist 57 km lang. Sie entsteht aus der Vereinigung der Quellbäche Vordertöss und Hintertöss auf 796 m.ü.M. bei der Tössscheidi an den Flanken des Tössstockes im Zürcher Oberland. Sie mündet bei der Tössegg in der Gemeinde Teufen in den Rhein. Die beiden Quellbäche entspringen im Kanton St. Gallen. Die Tössscheidi liegt im Kanton Zürich und ab da fliesst die Töss durch den Kanton Zürich.

Bemerkung: Ich habe die Töss in einer sehr frühen Phase meines Fluss-Projektes absolviert und noch nicht Tag-genau Logbuch geführt und fotografiert. Dies ist erst ab Frühling 2012 systematisch hinzugekommen. Ich habe die Bilder der Tössegg und der Mündung in den Rhein meinem Rhein-Dossier entnommen. Ich denke daran, im kommenden Spätwinter an ausgewählten Stellen einige Bilder zu schiessen und hier nachzutragen. Sie müssen der Jahreszeit des Textes entsprechen. Zur Zeit dieser Zeilen ist es August 2015.

Mehr über die Töss auf:
http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6ss_(Fluss)

Winter 2012: Tössegg - Wülflingen, Brücke Hardau

Es ist der Sonntag vor dem Basler Morgenstreich. Ich nehme mir die Töss vor, weil der Weg dort bereits eisfrei ist. Bei der Postautofahrt zur Post Teufen fällt mir das Schloss Teufen hoch über der Töss auf. Es beherbergt ein Weingut. Teufen-Freienbach ist das zweitgrösste Rebgebiet des Kantons Zürich. Am 1. Mai werde ich mit meiner Cousine Gisela zum Tag des offenen Weinkellers zum Schloss zurückkehren, Degustation und Festwirtschaft geniessen. Gisela hat am 1. Mai Geburtstag.

Es ist am Winterthurer Fastnachtssonntag kalt und nicht an eine Festwirtschaft auf dem Land zu denken. Die Töss mündet bei der Tössegg in den Rhein. Das beliebte Ausflugsrestaurant ist zu. Ich staune auf meinem Weg flussaufwärts über die Eisgebilde am kliffartigen Steilufer gegenüber. Das Eis hängt wie ein stromförmiger Panzer von oben nach unten an den Kliffs. Es ist so dicht und beständig, obwohl es jetzt tagsüber wieder wenige Grade über Null wird.

Ich komme beim Zentrum und der Brücke von Rorbas vorbei und wechsle das Ufer. Bald kommt Pfungen in Sicht. Das Dorf sowie der Bahnhof liegen hauptsächlich am anderen Ufer. Ich habe es auf meinem Weg von Zürich-Seebach via Oberembrach nach Andelfingen, Truttikon, Stammheim oder Irchel, Dorf am Irchel jeweils durchquert. Bei Pfungen befindet sich auch das dritte Wasserkraftwerk der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich. Über dessen Kauf wurde noch am Ende meiner Verwaltungsratszeit bei den EKZ diskutiert.

Von Pfungen ist es nicht mehr weit bis nach Wülflingen. Ich beende meinen Marsch nach gut drei Stunden bei der Brücke Hardau. Dort liegt auch die Widen, eine Einrichtung der Brühlgutstiftung. In der vorweihnachtlichen Zeit findet dort jeweils der Angehörigentag statt. Ich gehe dort auf den Bus 7 zum Bahnhof Winterthur und habe Glück, noch einen Sitzplatz zu erwischen. In Winterthur findet an diesem Sonntag der Fastnachtsumzug statt. Unterwegs steigt Leonardo mit seiner Familie ein. Er gehört auch der Coop-Delegiertenversammlung an.

Links:

http://www.weingutschloss-zh.ch/
http://www.ekz.ch/content/ekz/de/umwelt/erneuerbare/wasserkraft/pfungen.html
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Winter 2012: Wülflingen, Hardau - Turbental

Die Tösswanderung liegt zeitlich günstig, weil ich wegen des Abonnementkonzerts in der Tonhalle zeitig zurück sein will und auch die vorgängige Einführung anhören will.

Die Töss zeigt sich ab Wülflingen als Industriefluss. Im Schlosstal war früher eine Spinnerei. Heute ist das Schlosstal für seine psychiatrische Einrichtung bekannt. Der Wanderweg ist im Abschnitt zwischen Wülflingen und Winterthur-Töss auch Industriekulturweg und stark von der Firma Rieter geprägt. Bei Winterthur-Töss wird der Fluss in einen Tunnel unter die Autobahn gezwängt. Die Strecke zwischen Töss und dem Reitplatz sowie bis zur Abzweigung auf den Schaller ist mir wohl bekannt, bin ich doch oft von Zürich-Seebach nach Winterthur gelaufen, um meine Verwandten zu besuchen.

Zwischen dem Eschenberg und Rossberg sowie Kyburg liegt ein besonders liebliches Stück Töss. Es nennt sich Leisental und wird von der Stadt Winterthur als Naturlandschaft gepflegt. Der Fluss kann dort mäandrieren und es gibt kleine Inselchen. In der Gegend befinden sich Picknickplätze mit Feuerstellen. Ich erfreue mich des immer wärmer werdenden Frühlingswetters. Vor Kollbrunn mache ich eine Teerast. Bei Rikon beachte ich die Pfannenfabrik Kuhn und denke an die Tibeter. Der Wegweiser nach Zell nahe Rämismühle erinnert an die „Zeller Wiehnacht“. Unterwegs fallen mir Holzstege über die Töss auf. Es handelt sich um Schwemmstege. Diese Stege geben bei Hochwasser flexibel nach, so dass sie nicht zerstört werden können. So haben sich die Menschen früher geholfen. Bei Turbental ist nach etwa fünf Stunden Marsch Schluss für den Tag. In einem früheren Spinnereigebäude befindet sich ein kleines Kafi. Dort kaufe ich gegen den Durst eine kleine Flasche „Stadtguet, Biertradition aus Winterthur“. Ich sammle Flüsse und dieses Sammelgut hat den Vorteil, dass ich es nicht zu Hause abstauben muss. Daneben habe ich eine neue Unart entwickelt. Ich kaufe Bier bei lokalen, originellen Brauereien, die noch in Schweizer Eigentum sind und horte jeweils eine Flasche zu Hause.

Links:

http://www.schule.winterthur.ch/upload/file/Schuldoku_Industriekulturweg.pdf
http://www.skw.ch/Originale/Referenzen/_3Landschaft_Gewaesser/Doku/Winterthur_Toess_Leisental.pdf
http://www.prokollbrunn.ch/html/der_schwemmsteg.html

März oder April 2012: Turbenthal - Tössscheidi

Ich wage mich nur halbpatzig auf den Schwemmsteg, um auf den Wanderweg am anderen Ufer zu gelangen. Nach einigen Schritten überlege ich es mir und kehre wieder ans Ufer zurück. Ich muss im Kopf einfach völlig frei für eine solche Gleichgewichtsübung sein. Sobald ich zu denken beginne, wird es schwierig. Deshalb laufe ich das Trottoir etwa zwei- bis dreihundert Meter entlang, um auf einem sicheren Steg auf die andere Seite zu gelangen. Es ist immerhin noch kalt und ein unfreiwilliges Bad samt Wanderausrüstung in der Töss wäre nicht lustig.

Nach Wila kreuzt der Wanderweg den Jakob-Stutz-Weg. Er war im 19. Jahrhundert ein Privatlehrer, Volksdichter. Er bekam wegen seiner homosexuellen Neigungen Probleme und lebte am Ende als Eremit im Gebiet Sternenberg Hörnli. Ich lernte über diesen Weg und den Mann auf meinem Tagesmarsch von Zürich via Pfäffikon nach Sternenberg. Ich verband damals zu Fuss die grösste und kleinste Gemeinde des Kantons Zürich. In Bauma rauchte im Bahnhof die Dampflokomotive der Museumsbahnlinie Bauma - Bäretswil. Ich fuhr diese Strecke als junge Frau mit meinem damaligen Freund. Kurt Schreiber, mein langjähriger Kollege aus Kantonsrat und Bankrat, absolvierte bereits als Pensionierter eine Ausbildung zum Kondukteur und wirkt jetzt als Freiwilliger mit. Er organisierte einen Bankratsausflug mit einer solchen historischen Zugskomposition von Oberwinterthur nach Ramsen, dem Geburtsort unseres damaligen Bankratspräsidenten Urs Oberholzer. In Bauma läuft der Weg ein Stück weit parallel mit dem Industrielehrpfad Zürich-Oberland.

Nach Steg beginnt das letzte Teilstück zur Tössscheidi, über das ich noch lange träumen werde. Ich komme am Skilift vorbei, wo die bekannten Schweizer Snowboarder und Olympioniken Gebrüder Schoch gross geworden sind. Danach zieht sich der Weg dem Tösswald entlang bis zur Tössscheidi auf 796 Metern Höhe. Immer wieder springen kleine Kröten vor mir auf. Sie scheinen auch den Hang entlang des Weges zu Hunderten bevölkern. Je höher ich steige, umso mehr ist der Weg durch Schneematsch oder halbgefrorenem Schnee bedeckt. Aus den eisfreien Löchern der Tümpel entlang des Weges juckt es nur so von frisch geborenen Krötchen. Luftblasen bilden sich an der Wasseroberfläche. Einfallendes Sonnenlicht lässt die Luftblasen in allen Farben spiegeln.

Der Wald wird kälter und dunkler. Die Steilhänge oberhalb der Töss sind mit einem Eispanzer überzogen. Es bilden sich sogar kleine Eisfälle an den steilen Kliffs. Der dunkle Wald an den Flanken des Tösswaldes und Tössstockes strahlt eine zauberhafte Stimmung aus. Ich erfahre später, dass im tiefen Winter dort Eisklettern betrieben wird. Bei der Tössscheidi vereinigen sich die Vorder Töss und die Hinter Töss zur Töss. Leider ist der Weg nach Wald gesperrt, so dass ich nach Steg umkehren muss. Bei einer Wasserfassung samt balkonartigem Boden mit Geländer mache ich Teerast. Ich hocke auf einer Art Stahldeckel ob der Wasserfassung und stelle meine Teeflasche auf die leicht angeschrägte Fläche. Ach Schreck! Die Teeflasche kullert hinunter und rollt über den leicht schrägen Zementboden über den Rand des „Balkons“ hinaus. Dumpf tönt es „Plumps“ von tief unten. Ich ärgere mich grün und blau über mein Ungeschick, denn ich ärgere mich immer über das Littering an Rastplätzen. Und jetzt auch ich! Ich bin froh, warmen Tee gegen meinen Durst in der Thermosflasche bei mir zu haben. Nach der Rast gebe ich nicht auf. Ich blicke über das Geländer hinunter. Siehe da! Meine Flasche liegt auf einem Zwischenboden der Eisentreppe zum Flussufer hinab. Ich steige rasch hinab. Die Flasche hat am Deckel nur einen kleinen Hick erhalten. Ein Fischer kommt auch die Eisentreppe hinunter und freut sich über mein Glück. Ich sage ihm, er solle unten auf den glatten Steinen aufpassen und wünsche ihm Petri Heil. Diese wiedergewonnene Petflasche wird meine Lieblingsflasche und mich so lange begleiten, als sie dicht hält. Diese Episode ist eine wunderbare Abrundung meiner Tösskampagne.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Stutz
http://www.industrielehrpfad-zo.ch/
http://www.dvzo.ch/

http://www.holzenergie.ch/holzenergie/partner-der-image-kampagne/detail/map/7462/detail/staatswald_toessstockrueti.html
http://www.hikr.org/dir/T%C3%B6ssscheidi_7675/
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