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Ticino Logbuch

von Liliane Waldner

Einführung in den Ticino

Der Ticino misst auf Schweizer Staatsgebiet bis zum Lago di Maggiore 91 km. Er mündet auf 196 m.ü.M. bei Magadino in den Lago di Maggiore. Er entspringt auf knapp 2400 m.ü.M. unterhalb des Nufenenpasses im Bereich des Flurnamens Motto Valles. Er fliesst durch den Kanton Tessin, dem er den Namen gegeben hat. Danach mündet er nach insgesamt 248 km Länge in Italien in den Po.

Mehr über den Ticino auf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ticino_(Fluss)

Ostersonntag 2012: Magadino - Bellinzona

Es schneit, als ich morgens im Dunkeln zum Bahnhof gehe. Der Tessin eignet sich als Fluchtort, zumal der Wetterbericht Nordföhn angesagt hat.

Via Bellinzona gelange ich mit der S-Bahn nach Magadino-Vira. Von der Station aus sind es etwa 10 Minuten bis in das Ortszentrum von Magadino. Dort zeigt das Wanderwegschild, dass der Weg nach Bellinzona 4.30 Stunden dauert. Der Weg streift anfänglich durch die Bolle di Magadino. Dieser Auenlandschaft im Mündungsgebiet des Ticino sprechen Fachleute internationale Bedeutung zu. Sie ist ein bedeutender Rastplatz für die Zugvögel auf ihrem Flug zwischen Afrika und Europa. Entlang des Wanderweges befinden sich Informationstafeln, die auch in deutscher Sprache gehalten sind.

Der Weg befindet sich danach auf einem Damm, der parallel zum Ticino führt. Ich komme auf dem bequemen Weg rasch voran. Allerdings blasen mich manchmal heftige Nordwindböen fast vom Damm. Nach der Ponte di Gudo liegt eine Steinmetzwerkstatt. Sie bietet inmitten der Skulpturen Sitzgelegenheiten, auf denen eine Gruppe rasten könnten. Ansonsten sind Sitzbänke entlang der Strecke sehr rar. Ich trinke dort kurz etwas, lutsche ein Traubenzucker und gehe bald wieder weiter. Ab Giubiasco verläuft der Weg näher am Fluss. Der Ticino biegt nach Norden ab und das Sasso Corbaro, die höchst gelegene der drei Burgen Bellinzonas kommt in mein Blickfeld. Je näher ich nach Bellinzona komme, umso mehr Rastgelegenheiten befinden sich entlang des Flusses. Castelgrande rückt immer näher, mein Magen knurrt. Ich möchte dort hinauf, um mein Picknick zu nehmen. Die Burgmauern bieten aber gegen die heftigen Nordföhnböen keinen Schutz. Ich steige zur Piazza Grande hinab und nehme dort auf einer bequemen Sitzbank meinen Picknick ein. Dort befindet sich übrigens ein verlockendes Kaffeehaus.

Bellinzona mit seinen drei Burgen Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro als UNESCO-Weltkulturerbe ist berühmt. Darüber führe ich hier keinen speziellen Link an.

Links:
http://www.bolledimagadino.com/
http://www.gambarognoturismo.ch/de/52/default.aspx
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21. April 2012: Bellinzona - Biasca

Das Wanderwegzeichen beim Bahnhof gibt für die heutige Etappe 6 Stunden an. Anhand anderer Wanderwegschilder unterwegs kann sogar eine Zeit von gegen sechseinhalb Stunden ermittelt werden. Hauptsache ist das ankommen.

Das Flachstück ist machbar, wenn man wie ich am Vorabend noch die letzte Jahresversammlung des Auslandhilfevereins Co-operaid geleitet und etwas Rotwein getrunken hat. Wegen der eher kurzen Schlafzeit und dem intensiven Studium mitgenommener Akten im Zug brauche ich heute etwas länger, um auf Touren zu kommen.

Der Weg geht vom Bahnhof hinab durch ein Quartier mit stattlichen Häusern Richtung Stadion und Sportanlagen. Nach dem Stadion geht er nur ganz kurz nach links und danach wieder in die gleiche Richtung geradeaus auf eine grosse Fussgängerbrücke zum Fluss. Weil an dieser Kreuzung kein Wanderwegzeichen ist, bin ich verunsichert und biege nicht nach rechts ab. Letztlich finde ich aber trotzdem den Wanderweg am Ticino. Bald bin ich aufgewärmt und geniesse im T-Shirt und mit der Dächlikappe den milden, sonnigen Frühling im Tessin. Auf der Alpennordseite ist schlechtes Wetter angesagt worden, weshalb ich die noch pendenten Etappen an Thur und Sitter abermals aufschiebe.

Der Uferweg ist mit Auenwäldern gesäumt. Ich schalte ab und gebe mich ganz der meditativen Stimmung, die von der Flusslandschaft ausgeht hin. Es ist, wie wenn in mir ein Zeichengerät laufen würde, das den Charakter der Landschaft in meine Seele ritzt.

Nach etwa einer Stunde gelange ich zur Einmündung der Moësa. Eine Abzweigung zeigt nach Roveredo. Rechterhand öffnet sich das Tal Richtung Misox und weit hinten leuchten die Gipfel Richtung San Bernardino Gebiet. Nach der überquerung der Moësa gelange ich wieder an den Ticino. Der Fluss wird auch von kleinen Teichen und Tümpeln gesäumt. Ein Froschkonzert empfängt mich dort. Die Flusslandschaft ist idyllisch belassen worden. Die Zivilisation macht sich aber auch merkbar. Vor allem die Autobahn ist mehr oder weniger hörbar, manchmal sogar kurz sichtbar. Der waldbesäumte Wanderweg lässt mich optisch wähnen, ich durchschreite allein die Natur. Meist sind nur noch die Berggipfel durch die Baumkronen hindurch sichtbar. Nur ab und zu kreuzen andere Wandersleute oder Hunde meinen Weg. Zeichen am Fluss deuten darauf hin, dass diese Abschnitte auch für Kanufahrerinnen geeignet wären. Ich habe das Gefühl, ich könnte so stundenlang voranschreiten.

Oberhalb Claro mäandriert der Ticino etwas mehr und er hinterlässt weite Sandbänke. Beim Fussballplatz des Juventus Cresciano ist es Zeit für 15 Minuten Teerast und Kraftfutter-Stärkung. Neben dem Fussballplatz liegt eine Pferdeweide. Ich kann auf einer Sitzbank rasten, muss aber wegen des kühlen Windes meine Jacke anziehen. An den steilen Felshängen entlang der Strecke Cresciano - Osogna kleben Bagger und Kräne, die in den Steinbrüchen Granit abbauen. Sie wirken wie Saurier in der Landschaft. Einer dieser eisernen Saurier steht kühn auf einem Felssaum und spediert laut krachend Felsbrocken in die Tiefe. Ich frage mich, wie die Arbeiter an diese exponierten Arbeitsplätze gelangen. Bei der Brücke nach Lodrino überquert der Wanderweg den Ticino und geht unter der Autobahn durch. Auch in Lodrino und Iragna befinden sich imposante Steinbrüche. Ein Helikopter steigt vom Landeplatz bei Lodrino auf. Der Wanderweg verläuft auf dieser Seite scheinbar ewig lange und gerade auf Granitplatten. Irgendwann ist Zeit für einen weiteren „Boxenstopp“. Bei einem Zürich-Parcours (ich glaube, früher hiess dies Vita-Parcours) finde ich eine Sitzbank.

Auf dem Granitplattenweg gelange ich nach einer weiteren Stunde auf eine Brücke, die nach Biasca führt. Der Blick öffnet sich endlich nach Biasca und in das Bleniotal hinein. Riesige Strommasten erinnern mich an die Bleniokraftwerke, an denen der Kanton Zürich via Axpo auch beteiligt ist. Auf der Strasse nach Biasca geniesse ich den Blick zum Wasserfall hinter dem Bahnhof sowie auf die weiss leuchtenden, kleinen Kappellen des Kreuzweges oberhalb von Biasca. In den Zürcher Schulen lernen die Kinder über den Bergsturz bei Goldau. Unbekannt ist in der Deutschschweiz, dass 1512 in Biasca hunderte von Menschen in einem Bergsturz umkamen. 1513 hat das aufgestaute Wasser einen Damm von Felsen durchbrochen und das Tessin bis zur Magadinoebene überschwemmt. Eine unbekannte Anzahl Menschen kam um.

Das Angebot an Restaurants beim Bahnhof ist dürftig. Biasca hat eine schöne Altstadt, die aber etwa eine Viertelstunde vom Bahnhof entfernt liegt. Dort sollten freundlichere Einkehrmöglichkeiten liegen. Die Etapppe kann in Claro, Osogna-Cresciano, Lodrino oder Iragna abgebrochen werden, wo öv-Anschlüsse bestehen. Ein Schild zeigt bei Iragna in Richtung einer Grotto.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Biasca
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25. Juli 2012: Biasca - Faido

Nach langem Unterbruch komme ich in den Tessin zurück. Die Gotthardlinie war im Frühsommer wegen eines Felssturzes gesperrt.

Nach der langen Bahnfahrt genehmige ich mir trotz guten Frühstückes zu Hause zuerst einen Capuccino in der Altstadt von Biasca. Heute habe ich wie die Spitzensportler neben viel Obst und einer Banana Teigwaren zum Frühstück gegessen. Nach dem Capuccino laufe ich Richtung Pollegio und erinnere mich, dass auf diesem Weg im Herbst 2011 nach meiner Kniebänderentzündung wieder das Reissen nach langen Märschen begonnen hat. Bald bin ich in Personico und wandere an einer romantischen Grotto vorbei. Der Weg nach Giornico würde über einen Bergweg führen. Ich steige bei der Dorfmitte auf, erblicke auf dem Balkon eines typischen Tessiner Granithauses eine Frau mit zwei niedlichen Tiger-Kätzchen. Ich frage, ob sie deutsch kann und sie bejaht in fliessendem Schweizerdeutsch. Dann frage ich sie, ob es eine Alternative zum steilen Bergweg gäbe. Sie bejaht und rät mir, Richtung Bodio hinunterzugehen und nach dem Unterschreiten der Autobahn in das Strässchen links Richtung Monteforno abzubiegen. Das Strässchen sei angenehm und bewaldet. Sie selber bezeichnet den Bergweg als „wüst“. Als ich ihr erzähle, mir sei vor kurzem auf einem Emmentaler Hof ein Kätzchen gratis angeboten worden, antwortet sie, dass sie auch aus dem Emmental stamme. Als ich vom Brunnen auf dem Platz vor dem Hause trinken will, erklärt mir die Tessiner Emmentalerin, es sei gutes Wasser. Eine Firma fülle dasselbe Wasser in Flaschen ab und verkaufe es. Ich fülle folglich meine Reserve-Petflasche auf.

Erleichtert gehe ich strammen Schrittes weiter und beschleunige auf hohes Marschtempo. Tik-Tak klopfen meine Stöcke laut, als ich das Industriegelände entlang eile. Auf der einen Seite ist eine Grafitfabrik. Das Stahlwerk Monteforno ist bereits 1995 stillgelegt worden. Ein Schild weist auf einen Industriepark hin. Den meisten Lärm löst jedoch eine Kiesgrube am Ende des Industriegebietes aus. Ich frage mich, ob die Umnutzung und Wiederbelebung des Industriegeländes geglückt ist. Das Strässchen ist verkehrsarm und dient auch als Radweg. Nach der Industrie folgen Rebberge und ich geniesse den Marsch in die Leventina. Es ist zu früh, für den Besuch einer Weinkellerei. Ich habe die Zeit nach Giornico mehr als halbiert. Seit Biasca sind es jetzt drei Stunden Marsch. Giornico fällt mir durch die romanischen Kirchen auf. Ich durchschreite den Ortsteil mit San Nicolao. Dies ist auch der Name der ältesten romanischen Kirche des Tessins. Vor der Kirche steht ein Granittisch mit einer granitenen Bank mit Ausblick auf die nächste Kirche gegenüber. Zeit für meine Teerast. Das Wanderwegschild zeigt 3 Stunden 45 Minuten nach Faido. Dies ist ein reelles Angebot, das ich gerne annehme. Dieser kleine Ort hat so viele Kirchen, denke ich mir. Aus dem Geschichtsunterricht ist mir die Schlacht von Giornico haften geblieben. Bei dieser blutigen Schlacht besiegten die tapferen Eidgenossen 1478 ein um Faktoren grösseres Heer der Mailänder und sichteren dadurch die Leventina dauerhaft für die Eidgenossenschaft. Den Eidgenossen gelang dieser strategisch wichtige Sieg dank einer List im Morgarten-Stil. Was könnte aus einer solchen Geschichte die Schweiz in der heutigen Anfechtung durch die ausländischen Grossmächte lernen? Damals hatten die Eidgenossen wie heute keine „Freunde“ und setzten sich trotzdem durch.

Wer nun glaubt, nach Faido auf einer Wanderschuhautobahn durchmarschieren zu können, irrt. Die Karte lässt anderes vermuten, obwohl der Wanderweg gelb klassiert ist. Schon der Aufstieg zum romanischen Kirchlein San Pellegrino ist teils steil. Es geht immerhin durch kühlende Kastanienwälder. Nachher wird der Weg noch stutziger mit hohen Granittritten, Granitblöcken, Wurzeln. Der Weg fordert meine Koordinationsfähigkeiten, ist hingegen angenehm. An den etwa drei Stellen, wo die Tritte sehr hoch und uneben sind, finde ich einen festen Granitblock, um mich daran zu halten. Diesen Komfort gibt es nicht überall. Der Weg steigt höher und höher und das Verkehrsrauschen verstummt allmählich. Der Talboden liegt tief unter mir und an der gegenüberliegenden Geländeterrasse erblicke ich Anzonico. Ich bin am Schluss froh, Chironico zu erreichen. Ein sportlicher Weg bringt mich trotz der Anstrengungen bezüglich Koordination und Trittsicherheit weiter. Bei Chironico öffnet sich ein Seitental. Der Ticinetto fliesst dadurch Richtung Ticono. Ein Wanderwegschild zeigt Richtung dieses Tales nach Sonogno im Verzascatal. Bequem laufe ich die Strasse nach Niva hinunter, denn ich will nicht riskieren, auf dem Wanderweg über so steile Felsblöcke und Brocken abzusteigen, wie ich vorher aufgestiegen bin. Der Wanderweg kreuzt bei Giornico übrigens den Gottardo-Wanderweg mit seinen Informationstafeln über die Gotthard-Eisenbahn. Dieser Wanderweg ist auf der Südrampe jedoch nicht so durchgehend wie sei Gegenstück auf der Nordrampe.

In meinem Kopf wird schon jetzt klar, dass abends zu Hause ein Eisbad angesagt ist, bei dem ich mich zuerst mit Eiswürfeln einbreibe und danach kaltes Wasser in die Wanne laufen lasse. Dies hilft mir am besten, zu regenerieren. Dazu kommt ein langer Schlaf von acht bis neun Stunden. Vor einer solchen Tour benötige ich ebenfalls acht Stunden Bettruhe. Am Morgen danach mache ich wieder meine fast einstündige Gymnastik mit Dehn- und Gleichgewichtsübungen. Dazu kommt der Kerzenstand sowie Liegestützen nach Instruktion meiner Therapeutin vom ZAR.

Jetzt geniesse ich wieder die schnelle Wanderschuhautobahn. Alles läuft parallel. Autobahn, Wanderweg, Strom-überlandsleitung, Ticino, Eisenbahn. Dies ist die Leventina, durch die alles hörbar rauscht, heute verstärkt durch das Klopfen meiner Wanderwegstöcke. Kurz nach Niva mache ich bei den Druckleitungen und der Transformatorenstation eines Kraftwerkes eine Teerast. Strom ist Leben und als EKZ-Verwaltungsrätin hatte ich das Gefühl, dass Strom in meinen Adern fliesst. So aufgeladen geht es jetzt zügig Richtung Faido. Es ist heiss, so dass ich kurz vor Faido meine Flasche mit dem Brunnenwasser aus Personico leere.

Ich hoffe, den Zug zu erreichen, der 17.18 Uhr in Biasca abfährt und schätze, dass er um halb sechs Faido erreicht. Dann kann ich sitzenbleiben bis Zürich. Es wird knapp. Aber ich habe Lust auf eine salzig-fleischige Tessiner Spezialität und etwas zum Trinken dazu. Als ich in das Ort marschiere, spricht mich ein Mann italienisch an. Mit Händen und Füssen erfahre ich, dass er mich bereits in Pollegio gesehen hat. Er fragt, ob ich alles gelaufen bin, was ich bejahe. „Brava“, ist sein Kommentar. Ich versuche, ihn zu fragen, wie ich zu meiner Tessiner Spezialität käme. Er führt mich hilfsbereit in die Macelleria Cappelleti. Die Deutschschweizer Verkäuferin schneidet mir eine Auswahl von viererlei Trockenfleisch-Spezialitäten des Hauses auf. Dazu kaufe ich ein dunkles Brot und zwei kleine Fläschchen Bier der lokalen Marke Gottardo. Das Bier wird in Faido gebraut. Der Einkauf kostet Zeit und ich spekuliere darauf, dass der Zug wie so oft verspätet von unten herauf kommt. Ich eile dem Bahnhof entgegen. Ein Zug rumpelt über die überführung. War er das? Beim Bahnhof sehe ich nichts. Auf dem Perron steht ein Mann und wartet. Ich frage ihn und er antwortet: Das war der Vorgängerzug. Der Zug fährt 17.40 Uhr. Ich bin erleichtert und geniesse meinen Tessiner Zabig auf der direkten Heimfahrt.

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/article8Y669-1.288170
http://www.giornico.com/sehenswuerdigkeiten/sehenswuerdigkeiten.html
http://www.gottardo-wanderweg.ch/main/wanderweg-sued/
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29. Juli 2012: Faido - Airolo

In Faido angekommen, suche ich einen Ort, um einen Capuccino zu trinken. Ich sehe nichts und frage die Postautochauffeure. Weil es beim Bahnhof nichts gibt, sagt mir einer der Chauffeure, dass ich gleich ins Zentrum mitfahren könne. Dort erhalte ich in der Osteria Marisa für drei Franken einen Capuccino und ziehe danach los. Nun bestätigt mir der Gang durch den Ort, was Faido bei früheren Bahn-Durchfahrten immer ausgestrahlt hat: verblichener Glanz besserer Tage in der Vergangenheit. Die Albergo Milano ist seit zehn Jahren zu, erfahre ich von den Postautochauffeuren. Die Villen in der Nähe des Bahnhofes und deren Parks sind schlecht unterhalten. Das moderne, gepflegte Altersheim mit Park und grossen Balkonen sticht im Bahnhofquartier hervor.

Die Wegzeit Faido - Airolo wird mit 5 Stunden 15 Minuten angegeben. Der Capuccino kostet mich 20 Minuten Zuschlag. Der Weg steigt an und ich habe das Tal sowe die Verkehrslinien rasch tief unter mir. Der Weg ist sportlich und einsam. Erst vor dem Abstieg durch eine felsige Passage kreuze ich eine Frau. Ich bin froh, als der Weg in ein Strässchen übergeht, das mich zur Brücke über den Ticino führt. Danach gelange ich in die spektakuläre Piottino-Schlucht. Sie ist das Gegenstück der Schöllenen im Norden. Vielleicht fuhren über den breiten Weg früher Postkutschen oder gingen Säumer mit ihren Tieren. Wer verweilen will, kann zusätzlich einen Piottino Rundweg abmarschieren. Beim oberen Eingang der Schlucht befand sich früher eine Zollstation und heute das Museum Dazio samt Restaurant. Bei Rodi führt eine Seilbahn zum Lago Tremorgio. Dort war ich einmal auf einer SAC-Clubtour.

Bei Fiesso sopra mache ich meinen Teehalt. Nun geht es flott durch einen bewaldeten Weg weiter. Bei Tre Cappelle marschiere ich geradeaus nach Ambri sopra weiter. Ich will mir das Stadion Valascia des legendären Eishockey-Clubs Ambri Piotta näher ansehen. Ich wundere mich jetzt, wie das Sopra Ceneri sich einen solchen Proficlub leisten kann. Die Wirtschaft der Leventina macht auf mich keinen dynamischen Eindruck. Ich frage mich auch, was der Waffenplatz und Militärflugplatz für das Gewerbe hergeben.

Bei Piotta wechselt der Weg das Flussufer. Nach einer Clubtour fuhren wir vor Jahrzehnten die atemberaubend steile Seilbahn vom Ritomsee hinunter. Nach Ponte Sort wird der Weg wieder etwas sportlicher und ich muss eine Teerast einlegen. Danach geht es leicht Richtung Stalvedro mit seinem Felsen und einer kleinen Kapelle. Die Armee benutzt den Felsen für die Kletterausbildung. Nun steigt der Weg steil zum Torre Pagani mit seiner Ruine auf 1180 m auf. Der Abstieg nach Airolo geht teilweise über Felsen und viel Wurzelwerk, ist steil und ruppig. Es ist äusserste Vorsicht angesagt. Ich komme teilweise nur mit kleinen Schrittchen voran. Ohne die tägliche, einstündige Gymnastik, mein wöchentliches, hartes Training beim ZAR sowie die Hippotherapie wäre es undenkbar, dass ich einen solchen Abstieg heil überstehen könnte. Und dies alles auf einem gelb markierten Wanderweg! Natürlich werde ich abends zu Hause wieder gehörig beten. In Airolo angekommen, benötige ich zuerst ein grosses Bier und esse eine Pizza dazu.

Einkehrmöglichkeiten gibt es an allen Orten entlang der Strecke. Picknick machen kann man auch auf einem Felsblock oder Baumstamm.

Links:

http://www.kulturwege-schweiz.ch/fileadmin/images/PDFs/Piottino_D_2007.pdf
http://www.daziogrande.ch/de/content/museum-0
http://www.dickemauern.de/stalvedro/index.htm
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3. August 2012: Airolo - Alpe di Pesciüm

Ich habe mich für die Strada Alta Bedretto respektive Via Alpina entschieden und gegen die Strada Bassa Bedretto. Beide Routen werden als sportlich beschrieben, bei der Strada Bassa Bedretto jedoch vor einem heiklen Abstieg über dem Ticino im Bereich Fontana gewarnt. Die Wanderführer empfehlen, in Airolo die Seilbahn nach Pesciüm zu nehmen. Ich will jedoch möglichst den ganzen Flusslauf bzw. den Lauf des Flusstales ohne künstliche Hilfen machen. Weil ich nun weiss, dass die Bergwege im Tessin mehr abfordern als viele Bergwanderrouten auf der Alpen Nordseite, habe ich den Aufstieg von Airolo zur Alpe di Pesciüm als Zwischenetappe eingeschoben. Dies ist mein Kompromiss an die Anforderungen. Die meisten Leute starten in Pesciüm und ersparen sich rund 600 Höhenmeter Aufstieg. Ich werde dies in der Folgeetappe auch tun und zwar im Bewusstsein, den Aufstieg vorher aus eigener Kraft geschafft zu haben.

Dank einem Hinweis aus dem Internet, wird der Aufstieg trotzdem zu einer ausgedehnten Wanderung. Vom Bahnhof laufe ich die Strasse in weitem Bogen zur Talstation der Seilbahn nach Pesciüm. Von dort steigt ein gemütlicher Bergweg meist über einen Grashang nach Nante. Ab dort gehe ich nicht direkt zur Alpe di Pesciüm, sondern zur Alpe di Ravina. Der anfänglich breite Weg wird mit der Zeit zu einem sportlichen Bergweg, der mich im oberen Teil mit Heidelbeeren belohnt. Bei der Alpe di Ravina verleitet mich das Schild mit einer halben Stunde zur Alpe di Pesciüm, direkt zur Bergstation der Bahn zu laufen. Es stellt sich nach einiger Zeit heraus, dass diese Traverse durch den Wald zu sportlich und ausgesetzt für mich ist. Ich kehre zur Alpe di Ravina zurück.

Ab da folge ich exakt dem Ratschlag des Internetautors. Ich steige das Fahrsträsschen weitere 200 Höhenmeter auf. Das Fahrsträsschen kreuzt im Zick-Zack mehrmals die Skilift-Trasseen. Zuoberst verlasse ich das Schotter-Fahrsträsschen und steige direkt zum oberen Ende des Skilifts auf. Ich komme am Schluss an einer Alphütte mit drei aggressiv bellenden Hunden vorbei, einer davon ist sogar angekettet. Ich rufe Bon Giorno. Als der Hirt aus der Hütte tritt und mich begrüsst, beruhigen sich seine Hunde. Solche scharfen Hunde sind nötig, denn das Gebiet dürfte auch von Wölfen besucht werden. Ich gelange so praktisch bis zum Sasso della Boggia und geniesse eine grossartige Panoramasicht in die Leventina, zur Tremola und tief hinunter zur Alpe di Pesciüm. Diese Zusatzrunde samt den Höhenmetern lohnt sich für mich. Ich finde wunderbare Ringelblumen, die ich für meinen Tee zu Hause sammle. Übrigens habe ich kürzlich den besten Eistee meines Lebens genossen. Ich habe ihn mit einer Mischung von selber gesammelten Teekräutern und etwas abgeriebener Zitronenschale heiss aufgegossen, dem heissen Teewasser Eiswürfel und Fair Trade Rohzucker zugefügt. Dies ist ein exzellenter Durstlöscher an heissen Tagen.

Nun muss ich nur noch die ruppige, steile Schotterstrasse zur Alp absteigen. Dort nehme ich die Seilbahn nach Airolo. Bei der Bahnfahrt fällt mir der riesige, halbkreisförmige Bau hoch oben auf dem Gegenhang über Airolo auf. Ich frage die Kondukteurin, was dies für eine Arena sei. Sie antwortet: die Kaserne. Da hat sich unsere feldgrüne Swissness etwas Besonderes ausgedacht: eine Kaserne als Sehenswürdigkeit   Neben der Talstation liegt die Schaukäserei „Caseificio Dimostrativo“. Dort kaufe ich etwas Bergkäse, denn ich liebe Geschwellti mit Käse und Salat. Für das Gemüt trinke ich einen Kaffee Melangue. Dieser kommt für vier Franken mit einem riesigen Berg frischem Schlagrahm aus der Käserei.

Links:
http://www.cdga.ch/
http://www.he.admin.ch/internet/heer/de/home/themen/schulen/rs/sans/lage.html
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9. August 2012: Alpe di Pesciüm - Cruina (Ciurei di Mezzo)

Heute marschiere ich entlang des Sentiero dei Passi Alpini oder Bedrettohöhenweg ins Bedrettotal. Ich habe in den letzten Tagen lediglich eine Stunde lang nach dem Aufstehen geturnt und mein dreieinhalbstündiges Intensivtraining im ZAR vollzogen. Zum extrem frühen Frühstück habe ich wieder einen Teller Obst und danach einen Teller Teigwaren gegessen. Der Ticino fordert mich mehr als die anderen Flüsse. Den Marschtee habe ich wie einen Eistee zubereitet und ihn dazu mit Salz und etwas Apfelsaft von Hochstammbäumen angereichert. Ich bin gerüstet für meinen Angriff Richtung Ticino-Quelle.

Die Seilbahn bringt mich auf die Alpe di Pesciüm. Ich habe Glück, denn aus dem Internet und von Wandersleuten unterwegs erfahre ich, dass sie erst seit 2011 wieder in Betrieb ist. Vorher war der Betrieb wegen Konkurses eingestellt. Damit war auch der Wintertourismus in Airolo faktisch tot.

Der Weg bis nach All’Acqua besteht mehrheitlich aus einer rauhen Fahrstrasse und ist sportlich-angenehm. Ich geniesse die Wanderung auf diesem Teilstück und werde so für die ruppigen Passagen auf der Strada bassa Leventina und der schweisstreibenden Zwischenetappe auf die Alpe di Pesciüm entschädigt. Der Weg könnte in diesem Teilstück gut als gelber Wanderweg klassiert werden. Er ist einfacher als manche Teilstücke auf der Strada bassa, die eher weiss-rot-weiss klassiert werden müssten. Der Weg bietet einen wunderbaren Panoramablick über das Bedrettotal sowie die flankierenden Berge.

Bei der Alpe di Cristallina mache ich eine Teerast. Eine Gruppe mit zwei Frauen und einem Mann im besten Unruhestandsalter sitzen dort bereits auf einem Stein. Ich komme mit ihnen ins Gespräch und erfahre, dass sie in die Cristallinahütte aufsteigen und dort übernachten wollen. Im Bereich der Alpe di Folcra führt der Weg über Matten und an Tümpeln vorbei. Viele Heidelbeerstauden säumen den Bedretto-Höhenweg und ich ergebe mich auch den lockenden Früchten. Oberhalb von Ronco hört für mich die Fahrstrasse auf und ein sportlich-angenehmer Pfad führt mich bis oberhalb von All’Acqua. Die Zeit bis All’Acqua wird auf der Wandersite-Webseite mit 4 Stunden 30 Minuten angegeben. Dies ist knapp berechnet, aber fair. Ich befinde mich ungefähr in diesem Zeitbudget. Ich trinke bei einem Brunnen nahe einem Ferienhaus Wasser, das mir die Anwohner als trinkbar bezeichnen. Der Weg bis zum Nufenenpass wird 2 Stunden 45 Minuten angegeben. Dies ist für mich in diesem Zeitrahmen nicht machbar. Der Weg fordert ab jetzt meine Koordinationsfähgkeiten heraus und ich muss mir bei manchen Passagen einige Zeit nehmen. Ich gelange deshalb nur bis zur Alpe di Cruina. Von dort zweigt auch der Weg zur Cornohütte ab. Nun habe ich das Quellgebiet des Ticino unterhalb des Nufenenpasses vor Augen. Ich steige noch zur Ciurei di Mezzo auf, wo sich die Postautohaltestelle befindet. Bei der Alp dort kaufe ich 1 Kilo Alpkäse.

Von Cruina sind es noch anderthalb Stunden bis zum Pass. Ich breche dort ab, weil das Risiko hoch ist, dass ich das Zeitbudget wegen meines erhöhten Koordinationsbedarfs nicht einhalte und das letzte Postauto verpasse. Dies ist der Grund des Abbruches, nicht mangelnde Kondition.

Noch ein paar Worte zur Sprache. Es wäre vorteilhaft, ich könnte italienisch sprechen und nicht bloss die im Laufe meines Lebens aufgeschnappten italienischen Brocken radebrechen. Die Menschen reden in dieser alpinen Gegend des Tessins kaum Deutsch. Es ist anders als in Lugano, Locarno oder Ascona.

Links:

http://airolo.ch/de/seilbahnen/sommer/seilbahnen/anlagen-und-pisten.html
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11. August 2012: Cruina - Ticinoquelle und Nufenenpass

Ich muss bereits wieder auf den 06.09 Uhr Interregio nach Airolo, weil ich meine Handschuhe in der Gondelbahn zur Alpe di Prescüm liegen lassen habe. Die Bähnlerin sowie die Wirtin des Restaurants erkennen mich sogleich wieder und geben mir die verlorenen Handschuhe zurück. Grazie mille! Ich brauche winters wie sommers Handschuhe, wenn ich stundenlang mit den Stöcken gehe. Ich trinke in der Schaukäserei daneben Capuccino, lese ausführlich die Handelszeitung und beobachte, wie die grosse Käsereimaschine arbeitet. Dank des erneuten Besuches entdecke ich eine Tafel, die auf das Projekt „Alpeggi senza confini“ mit einem „Museo dell’alpeggio“ hinweist. Dieses besteht aus einem Wanderweg von der Schaukäserei Airolo und der Alpe di Presciüm via Passo San Giacomo nach Cornû im Piemont samt Sehenswürdigkeiten über das alpine Leben unterwegs. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Piemonts und des Tessin. Nach 10.15 Uhr fahre ich mit dem Postauto nach Cruina.

Die Verhältnisse samt Sicht sind ausgezeichnet. Am Anfang wandere ich über weiche Alpweiden. Der Weg ist heute sportlich-angenehm. Und immer wieder pfeift das Murmeltier. Heute erhasche ich sogar den einen oder anderen Blick auf ein fliehendes Tier oder einen sich duckenden Kopf. Der Weg steigt allmählich an und ich erreiche die Stele, die auf die Quelle hinweist, bald. Sie ist neu, da der Vierquellenweg erst vor wenigen Tagen durch Bundesrat Ueli Maurer auf dem Gotthardpass offiziell eingeweiht worden ist. Danach steigt der Weg noch etwas steiler an und führt in immer engerem Zick-Zack über ein Schottergebiet. Dieses wird als Motto Valles bezeichnet. Die immer kleiner werdenden Quellbächlein des Ticino kommen dort von den Hängen unterhalb der Passstrasse hinab.

Nach dem Schotter wird es wieder etwas flacher mit Wiesen und alpinen Blumen. Auch Arnika wächst dort. Danach folgt ein letzter Aufschwung über Schotter und wenige Schneeflecken auf die Passhöhe des Bergwanderweges. Es ist empfehlenswert, diesen Passweg erst später im Sommer, ab August zu begehen, weil vorher noch mehr Schnee liegen könnte. Die Passstrasse ist beim Passschild des Bergwanderweges weiter nördlich und nicht mehr hörbar. Dazwischen liegt eine kleine Anhöhe und nach 15 Minuten stehe ich auf der Passstrasse. Dort begegne ich mir in meiner virtuellen Zeitmaschine wieder. Vor zwei Jahren und einem Monat hielt das Postauto auf der Zentralalpen-Passfahrt auf dem Nufenen. Ich sah diesen Bergwanderweg und Leute, die auf demselben Weg wie ich heute zur Passstrasse liefen. Ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder im Leben auf einem solchen Weg durch eine so hochalpine Umgebung zu gehen. Nichts ist unmöglich!

Links:

http://www.regione.piemonte.it/retesentieristica/index.php
http://www.vier-quellen-weg.ch/home/
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28. November 2015: Flussdeltas am Lago Maggiore

Es ist heute mein Ziel, die Flussdeltas von Ticino, Verzasca und Maggia mit meinem Fussweg-Netz zu verknüpfen. Ich starte bei Tenero, gehe via dem Sportzentrum zurück nach Gordola und in das Gebiet des Flughafens von Locarno Magadino. Ich folge einem schwarz eingetragenen Weg auf der Karte bei der Pistenverlängerung und einem grossen Gehöft vorbei. Danach verbietet mir ein Schild wegen dem Flughafengelände das Weitergehen bis ans Ticino-Ufer. Es fehlt noch eine Fussballfeld-Länge.

Ich gehe zurück an die Verzasca und folge ihr auf einem sportlichen Uferweg bis ins Zentrum von Tenero. Ich erhalte so einen ersten Augenschein und Eindruck. Ich werde mit mindestens sechs Stunden vom Bahnhof Tenero bis Lavertezzo oder mit mehr als drei Stunden bis Vogorno rechnen müssen.

Ich steige etwas weiter nach oben und danach auf schmalem Pfad durch Weingärten nach Minusio hinab. Von dort spule ich entlang des mir aus früheren Ferienaufenthalten in Locarno vertrauten Uferweges bis zum Maggiadelta. So habe ich mir über das Fluss-Delta-Gebietes von Ticino, Verzasca und Maggia einen Gesamtüberblick verschafft und die drei Flüsse dokumentarisch vernetzt.
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14. September 2016: Airolo - Gotthardpass

Heute nutze ich einen härteren Test des Fusshebers, um mein Flussnetzwerk zwischen dem Ticino und dem Rheinsystem (bzw. der Reuss) zu verknüpfen. Weil der Fussheber nur auf den Lowa-Wanderhalbschuh abgestimmt ist, gehe ich die alte Tremola hinauf. Die Distanz Airolo - Gotthardpass beträgt gut 13 Kilometer und es sind etwa 900 Höhenmeter zu überwinden. Die Route ist problemlos und das Kopfsteinpflaster für die Füsse gut verträglich, zumal am Strassenrand das Gras zwischen den Kopfsteinpflaster-Rändern hervorlugt.

Ich gelange vom Bahnhof über einen ruhigen Wanderweg oberhalb der Kaserne und dem Festungsmuseum Airolo auf die Tremola. Bald beginnt es mit dem Kopfsteinpflaster und oberhalb von Motto Bartola ist das Kopfsteinpflaster durchgängig.

Unterwegs grüsse ich ein niederländisches Ehepaar, das mit seinem Auto auf einer Ausbuchtung rastet. Die Frau gibt mir zur Erfrischung ein Pfefferminzbonbon. Ein Paar in einem offenen, englischen Wagen überholt mich und die Frau feuert mich lautstark und winkend an. Weiter oben kreuze ich das erste und einzige Mal eine Wandersfrau, die entlang der Tremola absteigt. Sie ist von Basel nach Chiasso unterwegs und sie sagt mir, die Tremola ist auch ein Wanderweg. So sehe ich es auch. Der Verkehr ist an diesem Mittwoch mässig. Bei der zweiten Pause zwei Kilometer vor dem Ziel erblicke den Bedrettohöhenweg gegenüber. Dort bin ich im September 2014 nach Erreichen der Reussquelle und dem überschreiten des Lucendropasses nach steilem Abstieg hinabgekommen. Auf der Passhöhe gratuliert mir ein Mann für meine Leistung. Er hat mich vom Postauto aus gesehen, als ich oberhalb der Kaserne in die Tremola gelangt bin. Beim Stand der Alpe di Sorescia kaufe ich Alpkäse.

Jetzt ist auch das Rhein-Ticino-Fluss-System miteinander verknüpft.

Meine rechten Zehen schmerzen immer wieder wegen dem Druck und ich ziehe bei meinen beiden Pausen die Schuhe aus. Zuletzt sticht noch die kaum verheilte Blase auf dem Rist und drückt das Band auf den Knöchel. Ansonst ist es ein gemütlicher Tag. Ohne Druckstellen hätte es noch lange so gehen können, denn ich spüre keine Anstrengung.
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