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Tamina Logbuch

von Liliane Waldner

Einführung in die Tamina

Die Tamina entspringt auf 2‘680 m.ü.M. aus den Gebirgsbächen am Fuss der Ostflanke des Piz Sardona. Sie mündet auf 496 m.ü.M. bei Bad Ragaz in den Rhein. Sie ist eine St. Gallerin.

Mehr über die Tamina auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tamina_(Fluss)




3. August 2017: Bad Ragaz - Valens

Die Wanderzeit von Bad Ragaz nach Valens wird ab Bahnhof mit drei Stunden angegeben. In einer Stunde und zwanzig Minuten sollte man es bis zum alten Bad Pfäfers schaffen.

Ich folge ab dem Bahnhof jedoch dem Wanderwegschild Richtung Landquart, um an die Mündung der Tamina in den Rhein zu gelangen. In etwa fünf Minuten bin ich dort. Ich quere die Brücke und laufe danach dem Uferweg entlang hoch. In der Mitte von Bad Ragaz quere ich nochmals die Brücke, um in die Naturstrasse in die Taminaschlucht einzubiegen. Nur der Schluchtenbus sowie das Pferdefuhrwerk dürfen die Naturstrasse zum alten Bad Pfäfers benutzen.

Bald unterquert der Weg die Taminabrücke, die sich 200 Meter weiter oben über die Taminaschlucht erstreckt. Sie ist die längste Bogenbrücke der Schweiz. Die Wanderung durch die kühle Schlucht ist am heutigen, heissen Tag herrlich. Bald ist das Alte Bad Pfäfers erreicht. Es ist das älteste Barockbad der Schweiz. Die Thermalquelle wurde bereits 1040 entdeckt. Paracelsus wirkte als Arzt und pries die Heilquelle. Prominente Besucher waren mitunter Johanna Spyri, Rainer Maria Rilke, Friedrich Nietzsche und natürlich im Reformationsjahr zu erwähnen Ulrich von Hutten. Das Gebäude beherbergt ein Museum sowie ein Restaurant. Heutzutage besteht kein Badebetrieb mehr. Das Wasser der Thermalquelle wird nach Bad Ragaz und zur Klinik Valens geleitet.

Der Höhepunkt der Tour ist der Besuch des Grottenweges tief in der Schlucht sowie des Quellenstromes der Thermalquelle. Dafür müssen bei der Eingangsdrehtür fünf Franken in den Automaten geworfen werden. Die Schlucht ist an dieser Stelle so eng und dunkel, dass das Gefühl besteht, die Felsen der beiden Wände würden sich oben berühren.

Danach raste ich und steige den steilen Weg Richtung Kirche Valens auf. Ich komme so direkt zur Klinik Valens, wo ich mir auf der Terrasse des Restaurants Kaffee und Aprikosenwähe genehmige. Die Klinik Valens ist bekannt dafür, MS-Betroffene zu therapieren. Das Postauto hält direkt vor der Klinik.

Links:
http://www.taminabruecke.ch/taminabrucke/
http://www.altes-bad-pfaefers.ch
http://www.badragaz.ch/de/portrait/geschichte/welcome.php?action=showinfo&info_id=6702
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5. August 2017: Valens - Vättis

Ab Valens kann auf zweierlei Arten nach Vättis gegangen werden. Die angegebene Zeit von drei Stunden 15 Minuten dürfte identisch sein. Es ist jedoch empfehlenswert, mit gut vier Stunden zu rechnen. Ein Natur-Wanderweg führt ab der Kirche Valens bis zum Kraftwerk Mapragg und mündet erst dort in die moderat befahrene Strasse. Weil es hinab geht und ich den Naturweg aufgrund der Karte beim Queren des Mülitobels als ruppig einschätze, folge ich dem Strässchen, auf dem manchmal Minuten verstreichen, bis ein Auto kommt. Dort komme ich bequem über das Mülitobel, durch den der Zanaibach zur Tamina fliesst. In Vasön decke ich mich im Dorfladen mit lokalem Alpkäse ein. Er wird für den Transport eingeschweisst.

Ab dem Kraftwerk Mapragg führt ein Naturweg entlang des Stausees. Er verengt sich zu einem schmalen Pfad am oberen Ende des Stausees, quert die Tamina und verläuft im Sandwich zwischen Strasse und steilem Abhang zum Fluss bis zur nächsten Brücke. Dort geht der Pfad wieder an das westliche Ufer. Die Tamina fliesst dort durch eine Talverengung.

Bei Schüelen weitet sich das Tal und der Pfad geht in ein asphaltiertes Strässchen über. Ich raste beim Schützenhaus. Danach laufe ich flott auf Vättis zu. Ich gehe nicht direkt ins Dorf, sondern folge noch dem Weg oberhalb des Dorfes, der sich danach ins Calfeisental fortsetzt, um einen guten Fotoblick auf Vättis zu erhalten. In Vättis laufen das Calfeisental sowie das Tal zum Kunkelsbach, aus dem der Görbsbach zur Tamina fliesst, zusammen.
Vättis ist ein gemütliches, ruhiges Feriendorf. In Vättis findet eine im August 2017 eine Freiluftausstellung unter dem Motto Künstler am Wasser statt. Die Festung Furggels zählt zu den grossen Alpenfestungen des Zweiten Weltkrieges. Es finden dort am Wochenende öffentliche Führungen sowie ein Restaurationsbetrieb statt.

Vor zwei Jahren wäre ich ohne weiteres bis zum Gigerwald-Staudamm durchmarschiert. Dafür wären noch eine Stunde 40 Minuten nötig. Weil ich langsam bin, würde ich das letzte Postauto verpassen. Es fährt beim Staudamm bereits Viertel nach Drei ab. Deshalb mache ich einen Kaffeehalt im Hotel Tamina, das übrigens frische, lokale Forellen anpreist.

Links:
http://www.raonline.ch/pages/edu/nw2/power01a4a6.html
http://www.kuenstleramwasser.ch/index.html
http://www.festung-furggels.ch
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7. August 2017: Vättis - Staumauer Gigerwald

Die heutige Etappe ist kurz. Die angegebene Wanderzeit von Vättis zum Gasthaus Gigerwald beträgt eine Stunde 40 Minuten und ab Gasthaus Gigerwald bis zur Staumauer zusätzlich 40 Minuten. Ab der Isig Brugg verläuft der Wanderweg auf der Fahrstrasse. Weil die Route technisch einfach ist, kann ich die Zeit einigermassen einhalten. Wer nicht so viel Asphalt laufen will, kann bei der Isig Brugg den Bergwanderweg auf der anderen Flussseite direkt bis zur Postautohaltestelle Staumauer nehmen. Ab dort gibt es keinen öffentlichen Verkehr mehr ins Sardonagebiet, wo die Quelle der Tamina liegt. Das Wanderwegzeichen gibt 4 Stunden 10 Minuten bis zur SAC Hütte Sardona an. Zweimal bin ich unterwegs eingeladen worden, mitzufahren.

Links:
http://www.geometh-data.ethz.ch/publicat/diploma/2012_Zwicky/Staumauer%20Gigerwald/staumauer_gigerwald.htm
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26. - 28. August 2017: Calfeisental bis Alp Sardona

Die Tamina entsteht aus den Quellbächen und dem Gletscher des Piz Sardona. Für die Distanz von der Staumauer des Gigerwaldstausees bis zur SAC-Hütte Sardona fühle ich mich zu langsam. Die offizielle Wanderzeit ist vier Stunden zehn Minuten. Bei der Alp Sardona hat auf meine Anrufe niemand geantwortet, als ich für die übernachtung im Touristenlager reservieren wollte. Die Problemlösung ist die übernachtung in der Walsersiedlung St. Martin vom Samstag auf den Sonntag, die Wanderung zur Alp Sardona und zurück am Sonntag, die zweite übernachtung vom Sonntag auf den Montag in St. Martin gewesen. Es gibt nur zwei Postautokurse täglich bis und von der Staumauer des Gigerwaldstausees.

Ich komme am Samstag nach gut einer Stunde Wanderung auf dem Strässchen von der Staumauer in St. Martin an. In den alten Gebäuden befinden sich heutzutage ein Restaurant sowie Hotelzimmer und ein Touristenlager. Das Kirchlein ist immer noch erhalten und läutet um sieben Uhr abends. Es dient der stillen Andacht, aber es finden keine Predigten mehr statt. Eine Tonbildschau im kleinen Museum informiert über die Geschichte der Walser im Calfeisental. Die gesamte Anlage, auch das kleine Zimmer, in dem ich untergebracht bin, hat musealen Charakter und versetzt mich in eine andere Zeit. Im alten Holzofen wird das Brot gebacken und auf der Speisekarte stehen lokale Spezialitäten. Das Hotel bietet zeitgemäss im Freien Fass-Saunen, ein Sprudelbad sowie Miet-E-Bikes an. Unten rauscht die Tamina.

Nach Kaffee und Kuchen nutze ich den Nachmittag, um in den Bereich von Untersäss bis Mittelsäss der Malanseralp aufzusteigen. Ich geniesse einen atemberaubenden Tiefblick auf den Stausee, eine Panoramasicht auf die Ringelspitz-Kette gegenüber und einen ersten Ausblick auf die Sardona-Gruppe, das Quellgebiet der Tamina. Abends herrscht im Hotel dank eines Polterabends von 15 jungen Glarnern, die aus Elm via Foopass und Heubützlipass ins Calfeisental gestiegen sind, Betrieb. Ich habe es in meiner Kammer ruhig und höre nachts bloss die Mäuse über den Dachboden trippeln oder fetzen. Ein einmaliges Erlebnis!

Meine sonntägliche Wanderung auf einfachem Wanderweg in die Nähe des Quellgebietes der Tamina oberhalb der Alp Sardona wird zur Geschichtslektion. Elf Tafeln informieren auf dem Weg über die Geschichte der Walser im Calfeisental. Diese wanderten im 14. Jahrhundert über die Trinser Furgga vom bündnerischen Fidaz in das Calfeisental. Sie konnten sich nur gut hundert Jahre lang dort halten. Der damalige Klimawandel mit der kleinen Eiszeit sowie der Schattenwurf der Ringelspitz-Kette machten den Anbau von Feldfrüchten unmöglich. Aber auch die Viehwirtschaft war für die meisten zu karg. Heute werden nur noch auf der Malanseralp Milchkühe gehalten. Auf den anderen Alpen wird Mutterkuh-Haltung betrieben.

Bei der Sardona-Alp stehen Kaffee und Kuchen an. Ich unterhalte mich mit einer Liechtensteiner Familie am Tisch. Von einem Mann aus Vättis erhalte ich mehr Informationen. Er meint, dass der Winterweg zur Sardona-Hütte des SAC gut zu machen und zu empfehlen sein. Er informiert, dass in alter Zeit im Calfeisental und Taminatal auch rätoromanisch gesprochen wurde. Davon zeugen Ortsnamen wie Valens, Vason, Vättis. Auf der anderen Seite der Tamina erblicken wir Murmeltiere. Erwähnenswert ist, dass das Sardona-Gebiet wegen seiner Tektonik zum UNESCO-Welterbe gehört. Auf dem Abstieg nach St. Martin habe ich Glück. Es beginnt wieder zu regnen und eine Appenzeller Bauernfamilie, die ihre Tiere auf der Alp Vordere Ebni weiden lässt, nimmt mich mit ihrem Auto bis St. Martin mit.

Die offizielle Wanderwegzeit von St. Martin bis Alp Sardona ist zwei Stunden 25 Minuten und zurück ein dreiviertel Stunden. Neben dem breiten Wanderweg besteht ein sportlicher Bergweg auf der anderen Uferseite. Ab Alp Sardona sind bis zur SAC-Hütte nochmals eine Stunde und 20 Minuten angeschrieben.

Der Montag verbleibt für den gemütlichen Rückweg zum Postauto. Zu Hause stelle ich fest, dass meine Taschenlampe unter dem Kopfkissen liegen geblieben ist. Ein klares Zeichen, dass ich mich an das heimelige St. Martin zurücksehne!

Links:
http://pro.sankt-martin.ch
https://www.sanktmartin.info
http://www.pfaefers.ch/de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/welcome.php?action=showobject&object_id=10205
https://www.nzz.ch/article8ZS0K-1.298985
http://www.unesco-sardona.ch/Wie-Berge-sich-erheben.das_welterbe.0.html
http://www.geopark.ch/Geopark-Sardona.der_geopark.0.html
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