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Simme Logbuch

von Liliane Waldner

Einführung in die Simme



Die Simme entspringt bei der Quelle Siebenbrünnen ob Lenk auf 1405 m.ü.M. und sie mündet auf 600 m.ü.M. unterhalb von Wimmis in die Kander. Sie ist 53 Kilometer lang.


Mehr über die Simme auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Simme

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30. September 2012: Eifeld - Boltigen

Ich starte meine Tour ins Simmental in Eifeld. Dort bin ich letzten Sonntag ins Kandertal abgezweigt. Es nieselt und das Nieseln scheint zum wolkenverhangenen Niesen zu passen. Das Schloss Wimmis markiert den Eingang zum Simmental. Es ist heute Sitz der Bezirksverwaltung. Einmal im Monat finden öffentliche Führungen statt. In Wimmis komme ich an alten Bauernhäusern vorbei, die um ihre Geranienpracht eifern zu scheinen. Dort beginnt der Simmentaler Hausweg, der an den prächtigsten Simmentaler Häusern vorbeiführt. Durch die Zucht und den Export der Simmentaler Kühe kamen die Bauern in früheren Jahrhunderten zu Wohlstand und konnten sich stattliche Häuser leisten.

In Wimmis gelange ich wieder an die Simme und folge flotten Schrittes dem bequemen Uferweg bis nach Oey. Ich zweige nicht dort ab, wo das Wanderwegschild nach oben 35 Minuten nach Oey zeigt, sondern laufe nach Konsultation einheimischer Spaziergänger geradeaus. Vor Oey kreuze ich den Alpenbockweg. Der Alpenbock ist ein von der Natur schick dekorierter Käfer, den Spaziergänger mit genügend Beobachtungszeit und Glück entlang dieses Weges entdecken können. Eingangs Oey zieren Geweihe das Gebäude eines Gewerbebetriebes. Weidmanns Heil schiesst es mir durch den Kopf. Durch beginnt ein Diemtigtaler Hausweg, eine weitere Kategorie der Simmentaler Hauswege. Beim Dorfgasthof erinnert ein Transparent an den Schwingerkönig 2010 Kilian Wenger.

Zügig gelange ich von Oey nach Erlenbach. Bei der Steinibrücke nach Erlenbach packt eine Gruppe Deutscher Kanufahrerinnen und -fahrer ihre Ausrüstung nach einer Wildwassertour ein. Sie war laut einem Fahrer wunderbar. Der Weg steigt nun steil an. Die Simmengand erstreckt sich entlang der Simme. Der Weg wird zum Pfad, der über einen steilen, nassen und zum Teil aufgeweichten Grashang führt. Unten mäandriert die Simme. Ich bin froh um meine hohen Schuhe. Es zahlt sich aus, dass ich meine Fussgelenke täglich trainiere und in letzter Zeit begonnen habe, bei der Morgengymnastik auch etwas auf den Zehenspitzen zu laufen. Ich komme deshalb flüssig und trittsicher über den steilen Grashang. Danach verläuft der Weg wieder auf einem geteerten Fahrweg. Es nieselt wieder. So bin ich froh, beim Kloster Därstetten auf der Bank unter dem breiten Vordach der Kirche meine Teerast abhalten zu können. Die Klosterkirche wurde im Mittelalter erbaut und die noch erhaltenen Fresken sind sehenswert.

Von Därstetten geht es nach Weissenburg. Ich denke an das Weissenburger Citro in den Tagen meiner Jugend. Heilbad und Mineralwasserfabrik bestehen schon lange nicht mehr. In Weissenburg stosse ich auf Frauen, die mir sagen, sie hätten mich am Morgen schon in Wimmis gesehen. Sie sind erstaunt über die Distanz, die ich gelaufen bin. Es geht aber weiter. Bei einer Wirtschaft steigt der Weg Richtung Boltigen via Pfaffenried nach dem Spielplatz mit Rutschbahn zuerst steil an, verläuft danach wieder auf einem Fahrweg und steigt noch weiter an. Ich wundere mich, wenn das Pfaffenried kommt und bin auf eine weitere, feuchte Partie gefasst. Offenbar werden Pfaffen gerne als Flurnamen verwendet: Pfaffensprung (beim Kraftwerk Wassen), Pfaffenmoos (beim Schopfgraben zwischen Eggiwil und Schangnau) und nun das Pfaffenried.

Nach der Hinteregg beginnt ein schmaler Pfad, der wieder über feuchte, weiche Grashänge sowie moosige oder mit Wurzeln und Steinen versehenen Waldpfade führt. In einem Tobel rauscht ein Bach und die Holzbrücke darüber ist so schmierig-glitschig, dass ich mich mit beiden Händen am Geländer festhalten muss, um nicht einfach von der Brücke zu rutschen. Danach geht es einige steile Stufen hinauf, wo ein Fahrweg weiterführt. Immer noch kein Pfaffenried in Sicht! Ich beschleunige meine Schritte wieder und nähere mich einem Weiler mit gemütlichen, alten Holzhäusern. Dort mache ich auf einer Sitzbank meine Teerast. Der Bauch hätte an diesem meist trüben Tag gerne Kaffee und Meringue und würde ohne Halt nach Boltigen durchmarschieren, doch der Kopf sagt jetzt Teerast. Es sind noch 45 Minuten und wer weiss, was noch kommt. Der Rest stellt sich als bequem heraus. Allerdings fährt mir der Zug direkt vor der Nase ab. Dies ist der Preis, dass ich noch zwei kurze Fotohalte eingelegt habe. Bis zum nächsten Zug reicht es aber nicht, um gemütlich in der einzigen Gaststätte von Boltigen einzukehren. So beschäftige ich mich mit meinen Erinnerungen an Fahrten durch Boltigen, um von dort den Jaunpass zu überqueren. Im Bäderberg ob dem Jaunpass gibt es übrigens im Sonnenofen getrocknete Meringue, die mit frischem Alpenschlagrahm serviert werden.

Die Wegzeiten von Eifeld nach Wimmis sind mit 20 Minuten, von Wimmis nach Oey mit 1 Stunde 10 Minuten und von Oey nach Boltigen via Därstetten Chloster mit 4 Stunden 45 Minuten angegeben. Es gibt Einkehrmöglichkeiten am Weg in Wimmis, Oey, Weissenburg und Boltigen. Immer wieder lädt eine Sitzbank zur Rast ein.

Links:

http://www.wimmis-tourismus.ch/sehenswuerdigkeiten.htm

http://hauswege.ch/simmentaler-hausweg/

http://www.diemtigtal.ch/index.php?page=399&printview=1

http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D459.php
6. Oktober 2012: Boltigen - St. Stephan

Es ist bei meinem Start in Boltigen kühl und sonnig. Auch hier fällt mir auf, wie stark die Holzwirtschaft im Simmental präsent ist. Ich überschreite wieder die Holzbrücke über die Simme und gehe Richtung Zweisimmen weiter. Das Auf und Ab entlang des schmalen Pfades im steilen, bewaldeten Hang entlang der Simme wärmt mich bald auf. Es scheint, dass ich mit zunehmendem Training immer etwas flüssiger über solche, mit Wurzeln und Steinbrocken versehene Pfade gelange. An einer steilen Steile muss ich mich über einen Drahtzaun schwingen. Ich bin froh, mich an einem Pflock festhalten zu können, um auf dem steilen Gelände darunter sicher Tritt zu fassen. Keine Gymnastik- und Therapieminute zu Hause ist überflüssig! Bei Reidenbach weitet sich der Weg zu einer bequemen, teils gekiesten, Fahrstrasse. Gegenüber steigt die Passstrasse in Spitzkehren Richtung Jaunpass auf. Früher bin ich mit meinem Auto gerne über den Jaunpass gefahren. Als Automobilistin habe ich Spass an Passfahrten gehabt und ich fuhr noch vor meiner Fahrprüfung im eigenen Auto bereits über den Brünig.

Bei Garstatt überquert der Weg die Simme und die Kantonsstrasse. Ein blauer Kleinwagen hupt und die Insassen winken mir heftig zu. Es geht viel zu schnell, als dass ich erkennen kann, um welche Leute es sich handelt, die mir zuwinken. Der Weg steigt bei einem Tobel an und führt über Weiden. Aus einer Gruppe von Kühen kommt mir eine gehörnte Kuh entgegen und pflanzt sich auf dem Wanderweg vor mir auf. Da in den Medien so einiges über Kühe und Wandersleute steht, gehe ich ihr behutsam entgegen und halte kurz vor ihr. Sie mustert mich. Sie ist offenbar die Chefin hier. Ich begrüsse sie: Salü Du, wie kommen wir aneinander gut vorbei? Aus ihr dringen leise Geräusche. Sie begutachtet mich weiter. Dann schreitet sie an mir vorbei und signalisiert damit ihr Einverständnis für meine Anwesenheit. Ich marschiere weiter und die anderen Kühe verlassen ebenfalls den Wanderweg.

Bei Grubenwald unten weitet sich das Tal und gibt die Sicht Richtung Zweisimmen frei. Eine Tafel zeigt an, dass der Weg den Burgenweg Zweisimmen kreuzt. Oben muss die Burg Mannenberg liegen. Ich folge den Simmenuferweg Richtung Zweisimmen, passiere die ARA und kurz darauf den Forellensee. Danach gelange ich rasch zur Mündung der kleinen Simme in die Simme. Damit erklärt sich der Begriff „Zweisimmen“. Hier fliessen die zwei Simmen zusammen. Die kleine Simme entspringt dem Tal rechts von mir unterhalb von Saanenmöser. Der „grossen“ Simme folge ich links geradeaus von mir Richtung Quelle. Zuerst muss ich über das Holzbrücklein über die kleine Simme gelangen. Beim Zusammenfluss befinden sich zwei Sitzbänke. Die Sonne wärmt den Rastplatz und beleuchtet das sich färbende Laub der Bäume. Zeit für meine Teerast!

Danach marschiere am Flugplatz vorbei. Die Pilotinnen und Piloten sitzen auf der Terrasse einer Baracke zum Mittagessen. Einige kleine Maschinen warten auf dem Feld. Der Weg überquert danach nochmals die Simme und steigt nach Blankenburg auf. Ich erblicke weit hinten im Obersimmental den Wildstrubel sowie den Glacier de la Plaine Morte. Den Wildstrubel bestieg ich in jungen Jahren mit Bergführer Otto Stoller vom Schwarenbach. Nach dem sonnig gelegenen Blankenburg überquert der Weg wieder Kantonsstrasse und Simme und setzt sich in einem Wald fort. Die Landschaft erscheint an diesem sonnig, milden Herbsttag lieblich. Ich geniesse den Moment in vollen Zügen. Im diesem Wald könnten zur richtigen Zeit Heidelbeeren gepflückt werden. Ich muss mir das merken. Nach Ried stösst der Weg wieder an die Simme und danach ist es nicht mehr weit zu meinem Tagesziel St. Stephan. Ich darf heute um 18 Uhr zum Freiwilligen-Nachtessen in das Ortmuseum Albisrieden und mache am Tag danach bei der Moschtete mit, weshalb meine Tour bereits um 14. 30 Uhr beendet wird.

Zu den Wanderwegzeiten: Sie sind für mich gemäss der Beschilderung nicht schlüssig. Ich bin um 9.15 in Boltigen angekommen und nach einem Fotohalt zur Dokumentierung der Holzwirtschaft abmarschiert. Ankunftszeit in St. Stephan ist 14.30 Uhr. Bei der Simmenvereinigung habe ich eine halbe Stunde gerastet und fotografiert. Dazwischen kamen kurze Foto- und andere technische Halte.

Einkehrmöglichkeiten entlang des Weges gibt es in Blankenburg und Ried. Wunderschön hergerichtet und mit Holz ausgerüstet sind die beiden Rastplätze zwischen Blankenburg und St. Stephan. Auch heute habe ich nur im Kopf Meringue gegessen.

Links:

http://www.burgenweg.ch/
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20. Oktober 2012: St. Stephan - Siebenbrunnen

Der sommerliche Herbsttag mit Fernsicht ist für den Marsch an die Quelle goldrichtig. Meine Schmerzen rechts vom Kreuz sind vorüber. Ich habe das Problem mit meiner Therapeutin angegangen. Vermutlich habe ich bei meiner Schlussübung im Gymnastikprogramm den Muskel überdehnt, so dass es dort manchmal etwas geknackt hat. Ich nenne sie die „Denise-Biellmann-übung“. Ich stehe auf einem Bein und ziehe die Ferse des anderen Fusses mit der Hand zum Gesäss hinauf. Natürlich schaffe ich es nicht wie Denise Biellmann oder eine Ballett-Tänzerin, den Fuss bis zum Kopf hinauf zu ziehen. Die Therapeutin zeigt mir, wie ich diese übung einwandfrei ausführen kann. Die Brust muss raus, der Bauch rein und der Po etwas angespannt sein. Dabei muss ich darauf achten, kein hohles Kreuz zu erhalten. Es ist eine anspruchsvolle Koordinationsübung, kombiniert mit einer Muskeldehnung am Oberschenkel. Nur tägliches, unaufhörliches üben bringt es!

Von St. Stephan führt der Weg zuerst an der Flugpiste vorbei. Sie wurde bis 1999 von Kampfjets der Flugwaffe benutzt. Heute sind einige Knaben und Männer dort, um ihre Modellflugzeuge in die Luft zu bringen. Ich laufe deshalb dem Rollweg entlang, neben dem Kühe weiden. Der Wanderweg kann bis Schadauli als rollstuhlgängig bezeichnet werden. Vor Matten kreuze ich eine Rollstuhlfahrerin mit ihrem Begleiter. Rasch taucht Lenk auf. Dort sind einige Häuser etwas grösser und mit mehr Steinen versehen als in den anderen Orten des Simmentals. Wäre die traditionelle Holz-Bauweise, der sich auch neue Bauten einzufügen haben, in allen Bergebieten so strikt gepflegt worden wie im Simmental, hätte die knapp angenommene Zweitwohnungsinitiative kaum Chancen gehabt.

Nahe des Bahnhofes von Lenk komme ich am Hotel Wildstrubel vorbei, in das meine Gotte früher gerne gegangen ist. Zuletzt habe ich sie und meine Cousine Gisela mit dem Auto nach Lenk gefahren und von dort wieder nach Winterthur zurückgebracht. Eben und leichtfüssig geht es bis zu den Simmentalfällen weiter. Unterwegs schaue ich nahe der Rohrbachbrücke den Hornussern zu. Schilder der Alpkultur Simmental erläutern auf dem Wanderweg die Berglandwirtschaft.

Die Simme muss sich zwischen dem Rezliboden und dem Talbeginn Richtung Lenk durch eine Schlucht zwängen und stürzt über rauschende Kaskaden hinab. Ein erster guter Aussichtspunkt liegt hinter dem Restaurant Simmenfälle und ein zweiter bei der Barbarabrücke. Schilder erläutern auf dem Rezlibergweg die Geologie und Geschichte. Der breite Weg steigt steil bis zur Rezlialp an. Unterwegs erheischt die weisse Birgflue Aufmerksamkeit, die das Heim vieler Vögel darstellen soll. In der Rezlialp weitet sich das Tal wieder zu einem von hohen Wänden umgebenen Kessel. Die Sonnenstrahlen erreichen wieder den Grund. Auf der Rezlialp steht das Siebenbrunnen-Restaurant. Von dort sind es noch wenigen Minuten bis zu Siebenbrunnen, der Quelle der Simme. Die Simme tritt aus Karstfelsen in einem Bündel von Strömen aus dem Untergrund heraus. Das Simmenwasser wird vom weiter oben liegenden Glacier de la Plaine Morte gespiesen.

Ich schliesse mich der Gästeschar auf der Terrasse des Restaurants an und komme endlich zum verdienten Meringue mit Kaffee. Meringue mit frischem Alpenrahm gehört zum Berner Oberland. Bei der Alpwirtschaft kann ich Alpkäse mit der Bio-Knospe kaufen.

Nach dem Z’Vieri trotte ich langsam zum Restaurant Simmenfälle hinunter, wo mich der Bus zum Bahnhof führt. Unterwegs unterhalte ich mich mit einem Ehepaar, das etwas Besonderes sammelt: Erdhäufchen, die die Würmer auf dem Waldboden bilden. Sie nutzen diese, um zu Hause die Erde des Gartens sowie von Topfflanzen mit nährstoffreicher Erde anzureichern. Es ist ein Ersatz für die Torferde. Ich lobe das Paar für ihre Super-Idee und erkläre ihnen, dass Coop keine Torferde mehr verkauft, weil das Stechen von Torf die Moorlandschaften zerstört. Die Frau sagt, dass Erde aus Wurmhäufchen auf einem regionalen Raritätenmarkt für sieben Franken das Kilo angeboten würde. Da lohne es sich, diese unterwegs selber zu sammeln.

Der gemütliche Abstieg bietet Musse, um über die Kander und Simme zu sinnieren. Die Simme ist ein lieblicher Fluss und erscheint mir sanfter als die Kander mit ihren urtümlichen, wuchtigen Kanderfällen und Bergmassiven. Die sanftmütige Simme darf allerdings nicht unterschätzt werden, wie ein Wegschild auf dem Abstieg zeigt. Dort hat die Simme bei einem Hochwasser ein Waldstück weggerissen. Die Kander hat mit ihren Zuflüssen aus dem üschinental, dem Oeschinensee, dem Frutig- und Kiental mehr auf der Brust als die Simme. Dies mag der Grund sein, weshalb die kürzere Kander den Namen nach der Simmeneinmündung bis zum Thunersee trägt.

Gemäss Wegschildern beträgt die Zeit St. Stephan - Lenk 1 Stunde 40 Minuten und von Lenk bis zur Quelle Siebenbrunnen 2 Stunden 15 Minuten. Einkehrmöglichkeiten unterwegs gibt es in Lenk, bei den Simmenfällen sowie auf dem Rezliberg. Es bestehen ferner Rastplätze auf der Strecke, ein besonders schön gelegener bei Siebenbrunnen.

Links:

http://www.alpkultur.ch/
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