fluss-frau.ch
Reuss Logbuch

von Liliane Waldner
Schöllenenschlucht mit Eisenbahn
Einführung in die Reuss

Die Reuss ist 164 km lang. Sie entsteht aus der Vereinigung von Furkareuss und Gotthardreuss in Hospental. Die Furkareuss entspringt auf 2431 m.ü.M. beim Furkapass, die Gotthardreuss auf 2480 m.ü.M. in einem kleinen Quellseelein unterhalb des Passo di Lucendro. Sie mündet zwischen Windisch und Turgi im Gebiet des Wasserschlosses auf 330 m.ü.M. in die Aare. Sie fliesst durch die Kantone Tessin, Uri, Schwyz (Vierwaldstättersee), Luzern, Zug, Zürich und Aargau.

Auch dieses Logbuch ist ähnlich dem der Aare ein Patchwork, weil ich einige Reusstrecken bereits vor 2010 zum Teil mehrere Male erwandert habe. Weil ich erst später mit fotografieren der Flusslandschaften begonnen habe, habe ich das Video für die Begrüssung auf der Reuss-Page nachträglich gedreht. Zusätzlich habe ich eine Fotopräsentation eingeschoben, die ich für den landschaftlich besonders wertvollen Reussabschnitt erstellt habe. Nach der Erreichung der Quelle der Gotthardreuss bin ich noch die Vierwaldstättersee-Strecke von Luzern nach Flüelen entlang marschiert, um meinen Fussweg entlang des Reusswassers zu vervollständigen.

Mehr über die Reuss auf
http://de.wikipedia.org/wiki/Reuss_(Fluss)

Wo liegt die Reussquelle?


Diese Frage ist für mich trotz dem Aufstieg zur Quelle der Gotthard-Reuss und dem Studium der Internetquellen offen geblieben. Ich habe deshalb am 18. September 2014 folgendes an Paul Dubacher, den Initianten des Vierquellenweges gemailt:

„Sehr geehrter Herr Dubacher


Der Vier-Quellen-Weg ist eine tolle Sache. Wie Sie aus dem Selfie im Anhang entnehmen, habe ich die Quelle und Stele der Gotthard-Reuss erreicht.

Ich frage mich jedoch immer noch, ob das kleine, namenlose Seelein dort, die richtige Reussquelle ist. Sie geben dies auf Ihrer Vier-Quellen-Website mit der Höhenangabe von 2480 m.ü.M. so an. Diese Höhenangabe des Seeleins stimmt mit der Schweiz-Mobil-Karte überein. Wikipedia gibt die Quelle der Gotthardreuss auf 2349 m.ü.M. an. Siehe Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Gotthardreuss Wikipedia bezieht sich als Quelle auf den Geoserver der Schweizerischen Bundesverwaltung. Siehe Link: http://map.geo.admin.ch/?X=155881.93&Y=683975.47&zoom=9&lang=de&topic=ech&bgLayer=ch.swisstopo.pixelkarte-farbe&catalogNodes=457&layers=ch.swisstopo.vec25-gewaessernetz Zwischen dem Seelein, wo die Stele des Vierquellenweges steht, und dem Flüsschen, das leicht nord-nord-westlich weiter unten beginnt und dessen Anfang mit der Höhenangabe von Wikipedia übereinstimmt, sehe ich keine Verbindung. In das Seelein fliessen zwei Bäche, was ich beim Vorbeimarsch entdeckt habe, aber ich kann mich an keinen Abfluss erinnern.

Für mich bleibt die Frage offen, wo die Reussquelle liegt. Vielleicht können Sie sie mir beantworten. Ich danke Ihnen zum voraus für Ihre Bemühungen.

Freundliche Grüsse
Liliane Waldner“

Paul Dubacher hat mir am 19. September 2014 wie folgt geantwortet:

„Sehr geehrte Frau Waldner danke für grosses Interesse am Vier - Quellen - Weg


wären sie so nett und würden mir ihre Tel. oder Natel Nr. senden.

Ich werde ihnen so schnell als möglich zurück rufen.

Mit freundlichen Wandergrüssen

Paul Dubacher“


Er hat mir am 20. September 2014 angerufen und ich fasse das Resultat unseres Gesprächs wie folgt zusammen:

Er hat das Gelände für die Erstellung des Vierquellen-Weges gründlich erkundigt. Vom Seelein auf 2480 m.ü.M. fliesst wegen der Felsen ein schlecht sichtbarer Bach in die Tiefe. Dies ist die Reussquelle. Weil kurz vor dem Seelein der Weg sich in zwei Varianten teilt, die sich erst weiter hinten am Seelein wieder vereinen, kann je nach Wegwahl der Reussabfluss verpasst werden. Meine überprüfung der Schweiz-Mobilkarte hat ergeben, dass dies so zutrifft. (Ich mag mich erinnern, dass ich an dieser Verzweigung ein hin und her gehabt habe, nachdem ich weiter oben ein Zeichen gesehen habe, den oberen Weg genommen und trotzdem den diskreten Seeabfluss verpasst habe, vermutlich weil ich ihn als übliches Rinnsal oder Feuchtstelle gehalten habe. Vielleicht habe ich im Kopf noch zu stark den markanten Seeabfluss der Moësa und damit zu hohe Erwartungen gehabt.) Paul Dubacher hat sich wegen der Reussquelle an den Bund gewandt. Dieser kennt die richtige Quelle der Gotthardreuss nicht. Die im Internet veröffentlichte Geomap des Bundes mit dem dort tiefer eingezeichneten Bach mit Beginn auf 2349 m.ü.M. stimmt so nicht. Diese Karte ist die Quelle für Wikipedia sowie die Schweiz-Mobil-Wanderkarte. Die Reussquellen-Stele ist etwas weiter See-aufwärts platziert worden, wo besser gerastet werden kann.

Paul Dubacher erklärt mir, dass es sieben Quellflüsse oder Quellbäche der Reuss gibt. Die bekannteren sind Gotthardreuss, Furkareuss, Oberalpreuss, Maienreuss, Witenwasserenreuss. Er hat sich für den Vierquellen-Weg für die Gotthardreuss entschieden. Ich bestätige ihm, dass es dieser Quellfluss beim Lucendro ist, der mir in der Schule als Reussquelle vermittelt worden ist.

Es entspinnt sich danach ein Gespräch über Flussquellen. Es kann noch bei anderen Flüssen diskutiert werden, wo die richtige Quelle liegt. Ich schildere ihm mein Erlebnis über meinen gescheiterten Anlauf zum Tomasee von Tschamut aus. Er bestätigt mir, dass der Weg nach der ersten Brücke des Vorderrheines zum Tomasee hinauf in schlechtem Zustand sei und es nicht mehr ratsam sei, ihn zu begehen. Es habe dort einige Wege in schlechtem Zustand und für die Route Richtung Maighelspass müssten Anpassungen gemacht werden. Der Weg vom Oberalppass zum Tomasee ist gut.

Paul Dubacher berichtet mir, dass er an einem neuen Projekt arbeitet, der Kontinentalwasserscheide. Es gibt weltweit nur drei solcher Kontinentalwasserscheiden, eine davon liegt auf 3025 m.ü.M. im beim Witenwasserenstock im Gebiet zwischen Gotthard und Furka, die beiden anderen sind in Angola sowie im Himalaja. Er wird diese schweizerische Kontinentalscheide zusammen mit Bergführern abklären. Ihre Eigenart ist: Je nach Windrichtung fliesst das Wasser in ein anderes europäisches Meer, via Reuss in die Nordsee, via Rhone in die Riveria oder via Ticino in die Adria. Die Kontinentalscheide könnte dem Vierquellenweg hinzugefügt werden. Ich empfehle ihm, zu sorgen, dass die Sache bei der wissenschaftlichen Bestätigung medial gross aufgemacht werden sollte.

Wir wünschen uns am Schluss gegenseitiges Gelingen bei unseren Projekten.


Alte Reuss-Erlebnisse

Die Reuss habe ich selbstverständlich häufig abgelaufen oder einfach überquert. Erwähnenswert sind folgende Teilstrecken, die ich vor meinem Schub 2009/2010 absolviert habe:

Auf meinem Weg von der Europabrücke in Zürich nach Windisch und Brugg bin ich ab Mellingen das untere Stück der Reuss entlang gelaufen. Immer wenn ich seither bei Birmenstorf entweder über die Autobahnbrücke oder Eisenbahnbrücke fahre, erinnere ich mich daran, dass ich dort unten durch gelaufen bin.

Ein gewaltiges Reuss-Teilstück habe ich jedoch auf meinem Marsch nach Luzern absolviert. Bei Maschwanden bin ich beim Reussspitz an die Reuss gelangt. Von da an, galt es einfach, der Reuss entlang zu spulen. Luzern habe ich von zu Hause aus nicht auf Anhieb geschafft. Im ersten Anlauf gelangte ich bis nach Rotkreuz, im zweiten bis nach Emmen und erst im dritten Anlauf bis nach Luzern. Ich habe vor Glücksgefühl meine Hände an das Holz der Kappelibrücke geschlagen und bin noch bis zum Dampfschiffsteg marschiert. Zu erwähnen ist, dass ich mich noch einmal auf die Strecke nach Luzern gewagt habe. Dies war im Sommer 2009, bevor mein damaliger, schwerer Schub losging. Ich kam an diesem heissen Tag nur bis Gisikon-Root und nahm von dort den Bus nach Luzern. Ich habe in der Nacht zuvor nicht gut geschlafen und war bereits müde, als ich in Affoltern Irene Enderli mit ihren Enkelkindern begegnete. Irene Enderli war Gemeindepräsidentin in Affoltern und Kollegin aus dem Kantonsrat.

Auf dem ämtlerweg bin ich via Lorze und Lorzenspitz an die Reuss gelangt und von dort das Teilstück bis Obfelden marschiert, bevor ich über den Isenberg nach Bonstetten zurückgekehrt bin. Nachdem mir Ernst Jud, der Gemeindepräsident von Hedingen und frühere Kantonsrat, eine Karte über den ämtlerweg gesandt habe, habe ich den 46 Kilometer langen ämtlerweg in einem Tag absolviert. Dabei stattete ich meinem früheren Kantonsratskollegen und heutigen Bankratskollegen Fredi Binder in Knonau einen Besuch ab. Dort durfte ich ein Stück frisch gebackene Wähe und eine Tasse Kaffee geniessen. Ernst Jud schickte ich eine Karte von Bonstetten und berichtete ihm über die „Vollstreckung“ des ämtlerwegs. Dies geschah am heissen Junisamstag 2003, bevor ich am Montag darauf in den Bankrat gewählt worden bin, was aus gesetzlichen Gründen der ämterunvereinbarkeit meine Kantonsratskarriere beendet hat.

Bei meinem Marsch von der Tramendstation Zürich-Albisrieden nach Hochdorf im Kanton Luzern lief ich von Oberlunkhofen bis zur Obfelder-Brücke der Reuss entlang, bevor ich nach Merenschwand für den Aufstieg nach Beinwil im Freiamt und zum Horber abzweigte.

Dies sind die Reuss-Teilstücke, die ich entlang gewandert bin, bevor ich nach meinem Schub 2009/2010 im Jahre 2011 mit meinen systematischen Fluss-Wanderungen begonnen habe. Zusammen mit den im Rahmen des Flussprojektes absolvierten Teilstrecken habe ich die Reuss von ihrer Mündung bis zur Quelle an der Gotthardreuss bewältigt.

Juli 2011: Flüelen - Wassen

Diese Wanderung dauert etwa sieben Stunden. Nach dem Bahnhof Flüelen folgt der Wanderweg zuerst einem Bach namens Giessen. Hier ist als Folge der überschwemmung 1987 ein Hochwasserschutzlehrpfad eingerichtet worden, der sich bis nach Attinghausen erstreckt. An diesem Tag lerne ich, dass durch die Einrichtung eines Feuchtgebietes in einem Flusstal etwas der Natur, d.h. dem Fluss zurückgegeben wird, um das Landwirtschaftsland und die menschlichen Siedlungen dahinter vor Hochwasser zu schützen. Es ist ein Geben und Nehmen, um mit der Kraft der Flüsse zurecht zukommen. Ich erinnere mich lebhaft, wie eine Delegation aus Seedorf ins Amtshaus Helvetiaplatz kam, um Emilie Lieberherr zu danken, dass sie sich für die grosszügigen Hilfsgelder der Stadt Zürich an die katastrophengeplagten Urnerinnen und Urner eingesetzt hat. Auf der Höhe von Seedorf zweigt der Weg Richtung Reussdamm ab.

Nun bin ich auch auf der Via Gottardo, der Wanderschuh-Autobahn über den Gotthard. Nach Attinghausen treffe ich auf ein Ehepaar, das zu Fuss in die Ferien in den Tessin wandern will. Sie sind nicht die schlankesten und müssen mit viel Gepäck zurechtkommen. Ich wünsche ihnen eine gute Fussreise. Einige Felsenpartien zeigen mir auf, dass ich mich in alpinem Gelände bewege. Bald lasse ich Altdorf mit dem weitherum sichtbaren Ruag-Komplex links hinter mir und gelange nach Erstfeld. Auf der Autobahn stauen sich die Autos, so dass ich die parallel zum Wanderweg auf der Autobahn stehende Autokolonne zu Fuss überhole. Ich freue mich, rascher zu sein als die Autos. Bei Erstfeld denke ich intensiv an Emilie Lieberherr, die dort zu Welt gekommen und aufgewachsen ist. Wo hat sie wohl gewohnt?

Vor Silenen überquert der Wanderweg erneut die Autobahn. Ich komme mit einem Deutschen ins Gespräch, mit dem ich die stehende Kolonne unten betrachte. Ich winke den Automobilisten zu, die neben ihren Autos stehen, und rufe ihnen spasseshalber zu, dass sie besser zu Fuss gehe würden, um vorwärtszukommen. Ich erfahre vom Deutschen, dass er von Deutschland bis nach Italien zu Fuss geht und danach mit dem Flugzeug heimfliegt. Ein Pressefotograf steht ebenfalls auf der Brücke und fotografiert uns von hinten, wie wir die stehende Kolonne betrachten. Der Deutsche zieht bald wie mit Siebenmeilenstiefeln weiter.

Nach dem Kraftwerk Amsteg steigt der Weg an. Ich erfahre auf den Tafeln des Eisenbahnweges, dass die SBB das Kraftwerk im ersten Weltkrieg bauten, um die Eisenbahn zu elektrifizieren und sich von der deutschen Kohle unabhängig zu machen. Der Weg fällt erst bei Meitschingen wieder zur Reuss hinunter. Er quert das Fellitobel. Die Reuss verläuft hier tief unter der Autobahn wie ein Wildfluss durch eine Schlucht, die durch eine Hängebrücke überspannt wird. Danach erreiche ich bald Gurtnellen. Dort werde ich auf eine ehemalige Karbidfabrik aufmerksam. Sie ist ein weiteres Zeugnis der Industrialisierung Uris. Ich fühle mich gut und entscheide, bis Wassen weiter zu laufen. An einem Ort hängen Himbeeren an Stauden, was meinen Gaumen erfreut. Nach dem Pfaffensprung mit dem Kraftwerk Wassen sammle ich auf einer Wiese Schafgarben für den Tee. In Wassen steige ich ins berühmte Kirchlein von Wassen auf. In der kühlen Ruhe der Kirche bete ich laut und danke Gott, dass er mir die Kraft für diese Tour gegeben hat. Ich bitte Gott ferner, die Urner vor weiteren Fluten zu schützen. Vom Kirchenhügel geniesse ich den grandiosen Panoramablick auf die Arena der Kehrtunnels, durch die sich die Eisenbahn Richtung Göschenen schraubt. Eine Urnerin erinnert sich auf der Busfahrt nach Erstfeld hinunter an das Hochwasser von 1987. Diese Katastrophe muss sich in das Bewusstsein der jetzigen Generation eingekerbt haben.

Links:
http://www.ur.ch/de/bd/aft/hochwasserschutz-lehrpfad-reuss-m396/
http://www.gottardo-wanderweg.ch/


Juli 2011: Mellingen-Ottenbach

Ich behalte mir den Höhepunkt auf zuletzt auf und schliesse zuerst im Mittelland ein noch offenes Teilstück zwischen Mellingen und Ottenbach. Ich bin auf meinen Märschen von Zürich zu westlichen Destinationen wie Aarau, Lenzburg, Windisch, Brugg oft durch Mellingen mit seinem markanten Stadttor marschiert und komme mir etwas komisch vor, mit der S-Bahn nach Mellingen zu fahren.

Bei leichtem Regen bin ich bald am Reussufer. Nun folgt praktisch ein Naturschutzgebiet nach dem anderen. Bald taucht vis-à-vis das Gnadenthal mit seinem ehemaligen Kloster auf. Bei einem Bauernhof campieren Pfadfinder. Es handelt sich zu meinem Erstaunen allesamt um schwarze Kinder und Jugendliche, die perfekt schweizerdeutsch reden. Ein Jugendlicher spielt mit der Gitarre. Die Pfadfindergruppe hält in ihrem Lager eine perfekt schweizerische Ordnung. Ich spreche kurz mit ihnen. Sie kennen offenbar nichts anderes als die Schweiz. Ich freue mich, dass das perfekte Schweizertum nicht der weissen Hautfarbe vorbehalten ist.

Vor Bremgarten hat Pro Natura einen Informationsstand eingerichtet. Ein Zivildienstpflichtiger und seine Kollegin informieren über das Naturschutzgebiet und die Arbeit von Pro Natura. Es ist immer schön, das Städtchen Bremgarten zu durchqueren. Es ist wie Mellingen eine meiner Passagen auf Westmärschen gewesen, zum Beispiel nach Wohlen, Villmergen, Schöftland, Teufental. Ein besonderer Höhepunkt wird heute der Flachsee sein, den ich das erste Mal sehe. Der Flachsee ist mit seinen Inselchen ein Vogelparadies. Es soll beim Flachsee auch Biber geben. Auf einer Anhöhe mit Blick auf den See mache ich eine Teerast.

Danach strebe ich dem Reussufer entlang nach Ottenbach, wo ich im dortigen Ausflugsrestaurant einkehre. Die Strecke vom Flachsee bis Ottenbach ist ebenfalls von geschützten Feuchtgebieten gesäumt. Ich kehre ein Jahr später wieder nach Ottenbach zurück, um für die Umweltkommission der SP des Kantons Zürich über die Naturschutzgebiete Gmeimatt, Bibelaas, das heimatgeschützte Fabrikgebäude der früheren Seidenspinnerei Haas mit ihrem Turbinenhaus und Fabrikkanal Bilder zu machen.
Rastplätze und Einkehrmöglichkeiten gibt es auf der ganzen Strecke. Bekannt sind der Hecht bei der Brücke nach Rottenschwil sowie das Ausflugsrestaurant bei der Brücke von Ottenbach für Fischküche.
Reussabschnitt bei Ottenbach - Obfelden

Im Vorfeld der kantonalen Volksabstimmung über den Autobahnzubringer  Obfelden - Ottenbach am 12. September 2012 hat mich die Umweltkommission der SP des Kantons Zürich gebeten, das durch den Strassenbau tangierte Naturschutzgebiet fotografisch zu dokumentieren. Die frühere Fabrik Haas in Ottenbach samt ihrem Kleinkraftwerk stehen unter kantonalem Denkmalschutz.  Der Parkplatz vor der Fabrik hätte als Ausgleichsfläche für vom Strassenbau beeinträchtigte Gebiete dienen sollen. Die involvierten Flachmoore sind von nationaler Bedeutung. Das Ensemble Fabrik, Kraftwerk, Fabrikkanal und Flachmoore wurden 2005 und 2007 überschwemmt und die Bauten mussten wieder hergestellt werden.

Liste der betroffenen Flachmoore von nationaler Bedeutung:
Gmeimatt
Bibelaas
Lunnergrien

Das Volk hat die Vorlage über den Autobahnzubringer angenommen, aber die Umsetzung ist seither gerichtlich blockiert. Flachmoore sind wie Hochmoore seit der Rothenthurm-Abstimmung bundesrechtlich geschützt. Bundesrecht bricht kantonales Recht.

Ich habe in der ehemaligen Fabrik Haas erfahren, dass unterhalb des Pakrplatzes sowie der Wiese bis zum Pontonhaus von den Gemeinden früher Abfall deponiert worden sei und die Deponie nachträglich zugeschüttet worden sei. Das Gebiet müsse deshalb saniert werden, bevor mit dem Strassenbau begonnen werden könne. Wer von der Brücke nach Muri die Reuss entlang blickt, sollte zum Schluss kommen, dass eine unterirdische  Führung des Autobahnzubringers unter der Reuss und dem lieblichen Erholungsgebiet hindurch für Mensch und Natur das beste wäre.

Ich zeige in der kleinen Fotoserie eine für die Symbiose von Fluss und Industrie typische Situation, bei der Wasser des Flusses in einen Industriekanal geleitet wird, um Energie für die Fabrik zu liefern. Der Unterlauf wird unterhalb der Fabrik wieder in den Fluss gelenkt. Die Bilder zeigen die dazu gehörigen Naturschutzgebiete.

Heute dient die ehemalige Fabrik Haas als Fabrik-Outlet. Es werden in den Räumen Textilien, Bettwaren und anderes verkauft. Vor allem der 3. Stock  mit der wunderbaren Auswahl an Stoffen und Utensilien für das Nähen dürfte das Herz all jener Frauen und Männer höher schlagen lassen, die ihre Kleider selber nähen. 

Der WWF hat in seiner Studie „Freiheit für das Wilde Wasser“ 15 Alpenflüsse miteinander verglichen und die Reuss insgesamt qualitativ als mittelmässig eingestuft. Er bezeichnet das Gebiet, in dem der Autobahnzubringer gebaut werden sollte, als Smaragdgebiet der Reuss. Ich teile diese Einschätzung, weil ich die Reuss auf ihrer gesamten Länge erwandert habe und kenne.

Hier einige Zitate aus der Studie:

„Unterhalb von Mühlau rücken die
Dämme vom Flusslauf weg. Hier tritt streckenweise eine Verbesserung der Gewässermorphologie auf. Zwischen Maschwanden und Stetten liegt das Smaragdgebiet-Reuss, das eine der vielfältigsten und besterhaltenen Flusslandschaften des Schweizer Mittellandes darstellt (WWF Schweiz 2006, http://assets.wwf.ch/downloads/
wwf_reuss.pdf).
Oberhalb von Bremgarten ist der Flusslauf der Reuss in Teilabschnitten
nahezu unberührt, weitausholende Mäander, ursprüngliche Uferwälder und Altarme prägen das Landschaftsbild (Auengebiet Alte Reuss, Tote Reuss). Südlich von Bremgarten ist die Reuss nicht begradigt, weist jedoch in Teilabschnitten starke Uferverbauungen auf. Dennoch liegt hier ein besonders wertvoller Teilbereich des Smaragdgebietes: Eine weiträumige parkartige Kulturlandschaft, charakterisiert
durch Feuchtbiotope wie Pfeifengraswiesen, Kleinseggenrieden, Hochstaudenfluren und durchzogen von Altwassern.“

Link:
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Freiheit_fuer_das_Wilde_Wasser_-_Die_WWF-Alpenflussstudie.pdf
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August 2011: Wassen - Gotthardpass

Das Wetter wird anfangs August beständiger und die Böden sind trocken. Heute ist der Tag meines Angriffs auf den Gotthard, wo die Reuss entspringt. Ich nehme in Wassen noch einen Kaffee und ein Gipfeli in einer Raststätte, blicke respektvoll zum Kirchlein hinauf und marschiere los. Immer wieder erläutern Tafeln die Geschichte der Gotthardbahn. Nach gut einer Stunde verläuft der Wanderweg direkt neben der Eisenbahnlinie. Göschenen taucht auf. Ich laufe allein durch ein Massiv, das immer erhabener auf mich wirkt.

Nach Göschenen geht es steil hinauf. Die lärmige Passstrasse verläuft zum Teil nahe des Weges, bis der Weg zur Häderlinsbrücke abzweigt. Diese ursprüngliche Brücke aus dem Mittelalter wurde im Hochwasser von 1987 zerstört und danach unter der ägyde des Baumeisterverbandes durch Lehrlinge originalgetreu rekonstruiert. Nach der Häderlinsbrücke schwingt sich der Wanderweg auf das Dach der Galerie und des Tunnels der Gotthardbahn. Ich komme angesichts meiner Umgebung in eine Hochstimmung. Bald erreiche ich die Teufelsbrücke und überschreite sie feierlich. Hier kämpften Russen und Franzosen. Am Hang gegenüber wehen russische und schweizerische Fahne einträchtig nebeneinander. Die monumentale kyrillische Schrift in Felsenmassiv kennzeichnet das Suworow-Denkmal. Das Gasthaus ist leider geschlossen. In einer nahen Felsenwand üben Soldaten das Klettern. Ich frage sie angesichts der russischen Fahne spasseshalber, ob sie Russen sind, denn sie sprechen einen so schwer verständlichen Bergler-Dialekt, dass dies auch russisch klingen könnte. Nun steigt der Weg ein letztes Mal an und Andermatt liegt vor mir.

Ich mache beim Bahnhof eine Rast und denke über die strategische Lage von Andermatt nach. Das Urserental ist hier weit und eben. Von Norden kommt der Verkehr aus dem Mittelland, der Nordschweiz und vom Nordteil Europas, aus dem Osten kommt der Verkehr über den Oberalppass, aus dem Westen vom Furkapass. Die wintersicheren Eisenbahnlinien sind in Andermatt verknüpft. Nach Süden geht es über den Gotthard in das südliche Europa. Der ägyptische Tycoon Sawiris hat sich wie der russische General Suworow mit Andermatt strategische überlegungen gemacht.

Ich marschiere nach der Rast der Hochebene entlang Richtung Hospental. Entlang des Weges erstreckt sich ein neuer Golfplatz. Hospental ist ein gemütliches Dörfchen, in dem ich eher übernachten würde als in Andermatt. Dies hat sich vielleicht auch General Suworow gedacht, der im heute denkmalgeschützten Hotel St. Gotthard abgestiegen ist.

Bis jetzt ist alles ein Kinderspiel gewesen. Der harte Teil des heutigen Tages liegt nach fast vier Stunden Marsch noch vor mir: der Angriff auf den Gotthard! Am Anfang verläuft der Weg kurz auf einem mit Kopfsteinen bedeckten Strassenstück, vielleicht noch einem überbleibsel der historischen Gotthardstrasse. Danach beginnt der weiss-rot-weisse Bergweg. Seine Anlage ist speziell und fordernd. Er steigt an und gelangt auf die Höhe der neuen Passstrasse hinauf. Ich erwarte, dass ich weiter ansteigen kann, aber dann steigt der Weg von der Passstrasse aus wieder steil ab und verläuft über Matten. Dieses Auf-und-Ab-Muster wiederholt sich mehrere Male. Der motorisierte Verkehr kann gleichmässig aufsteigen, während ich als Läuferin einem ständigen Auf und Ab unterzogen bin, welches die Kondition mehr fordert als ein gleichmässiger Aufstieg. Irgendwann komme ich am riesigen Lüftungskamin des Gotthard-Strassentunnels vorbei. Beim Mätteli steht eine Wirtschaft an der Strasse, ich raste jedoch auf einer Sitzbank am Weg. Von Fredi Binder erfahre ich später, dass er beim Mätteli seine Kühe sömmern lässt. Als nach dem Mattli der Weg an das alte Gotthardstrassen-Trassee stösst, taucht das Schild und Wappen Ticino auf. Ich bin nun im Tessin und der Pass ist jetzt zum Greifen nahe. Als ich praktisch auf die Passhöhe komme, laufe ich das letzte Stück der alten Passstrasse entlang. Ich habe genug vom ständigen Auf-und-Ab-Weg. Jetzt trällere ich aus Freude „über de Gotthard flüget Bräme“ hinaus. Rechts oben liegt die Lucendro-Staumauer mit dem Lucendro-See, wo die Reuss entspringt. Es wird mir jetzt bewusst, dass die Reuss auch eine Tessinerin ist. Ich habe sie vorher immer als Urnerin gehalten.

Der Hospitz ist von vielen Touristen bevölkert. Es reicht bis zum Postauto nicht für das Gotthard-Museum sowie einen Restaurantbesuch. Ein Schild macht auf den Vier-Quellen-Weg aufmerksam, der durch Bundesrat Blocher eingeweiht wurde. Sofern ich mich verbessern mag, wäre dies eine lockende Tour. Ich verpflege mich an einem Stand mit Bier und Bratwurst und kaufe mir danach eine Schale Heidelbeeren, die ich während der Postautofahrt nach Andermatt verdrücke.

9. September 2012: Gotthardpass - Reussquelle

Heute will ich mich zur Reussquelle hinaufwagen. Sie liegt unterhalb des Lucendro-Passes. Ich gelange entlang eines Fahrweges vom Gotthard-Hospiz entang des Lucendro-Stausees leicht bis zur Alpe di Lucendro. Danach steigt der weiss-rot-weisse Bergweg an und er wird immer steiler. Ich habe vielleicht noch etwa drei Kehren bis zu einer Anhöhe zu überwinden, ab der der Weg zur Quelle und zum Pass gemäss Karte etwas abflacht. Vor mir liegt jedoch ein so ruppiges, fast unwegsames Wegstück und ich frage mich, ob ich da wieder herabkomme. Wäre oben ein Postauto, würde ich unbekümmert weiter ansteigen. Ich bin der Reussquelle sicher auf wenige hundert Meter nahe. Trotzdem steige ich ab. Dafür begebe ich mich an diesem sonnigen Spätsommertag an das steile Ufer des Lucendro-Stausees, sammle und esse während zwei Stunden Heidelbeeren. Das erst frisch eröffnete Sasso San Gottardo kann ich an einem trüben Tag besuchen. Beim Hospiz kaufe ich bei einem Käsestand den besten Alpkäse, den ich in meinem Leben gegessen habe. Er stammt von der nahen Alpe Sorescia.

Links:
http://www.sasso-sangottardo.ch/
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4. September 2014: Gotthardpass - Reussquelle Gotthardreuss
  
Es hat mich immer gewurmt, dass ich am 9. September 2012 umkehren musste. Heute starte ich gut vorbereitet meinen entscheidenden Anlauf zur Quelle. Ich steige leicht und flüssig entlang dem Strässchen am Lucendro-Stausee bis zur Alpe di Lucendro auf. Es ist sonnig, es deutet sich bereits erstes Gewölk an. Ab der Alp beginnt der Bergwanderweg.

Ich steige bedächtig auf. Es geht bald über einige hohe Felstritte. Ich konzentriere mich auf den Weg und meine Koordination. Ich gelange in eine Steilstufe mit engen Kehren. Tief unter mir liegt der Lago di Lucendro. Ich vermute die Stelle, wo ich 2012 umgekehrt bin. Ich habe diesen Sommer jedoch bereits einige grobe Bergwege erwandert, so dass es mich nicht mehr abschreckt. Danach verschwindet der Blick zum Lucendro-Stausee. Ich habe die Stelle definitiv überwunden. Es geht jetzt nur noch voran.

Was ich 2012 nicht gewusst habe: Ich habe noch eine lange Hangpassage mit teils felsigen Stellen und hohen Stufen bis zur Quellen-Stele vor mir. Ich raste an einer Stelle, um neue Kräfte zu sammeln. Dann geht es steil weiter zu einer nächsten, schroffen Passage, die meine volle Konzentration erfordert. Es scheint sich ewig lang bis zur Quelle zu ziehen. Dann flacht der Weg plötzlich ab und ich erblicke das kleine Quellseelein und die Stele der Gotthardreuss-Quelle. Geschafft! Ich setze mich für ein Foto-Selfie vor die Granit-Stele. Danach überwinde ich die restlichen Höhenmeter bis zum 2532 m.ü.M. gelegenen Passo di Lucendro.

Von der Passhöhe eröffnet sich mir ein atemberaubendes Panorama über das Bedrettotal sowie die Leventina. Ich sehe sogar die Pisten des Militärflugplatzes von Ambri. Schade, hat sich der Himmel mittlerweile bedeckt, so dass ich nicht mehr sehen kann. Bei Klarsicht muss die Sache viel toller sein. Ich erblicke auch den Sasso della Bocca, über den ich auf meinem Weg zur Alpe di Pesciüm gestiegen bin, um von dort zwei Tage später den Bedretto-Höhenweg auf der anderen Seite Richtung Ticino-Quelle entlangzustreben.

Jetzt gilt nochmals volle Konzentration! Ich gehe vorsichtig eine Hangtraverse entlang, die allmählich absteigt. Auch dort muss ich manchmal meine Hände zu Hilfe nehmen, um mich für nächste, schwierige Tritte an felsigen Griffen festzuhalten. Nach einer mir lange dauernden Zeit gelange ich zur Abzweigung des Weges Richtung Piansecco-Hütte. Dieser Weg führt mich zum breiten, bequemen Bedretto-Höhenweg. Ich lege eine Trinkpause ein, um für den Abstieg gerüstet zu sein. Der Abstieg ist extrem steil, aber er ist weniger felsig als der Aufstieg. Ich komme häufiger über steile Alpweiden mit guten Tritten als über felsige Passagen. Es gilt auch hier: Sicherheit vor Geschwindigkeit. Nach geduldiger und regelmässiger Körperarbeit lande ich erleichtert auf dem Bedretto-Höhenweg. Gott sei gelobt!

Es tröpfelt jetzt etwas mehr als vorher. Dies macht mir nichts aus. Der Beweis ist erbracht, dass mit gezieltem Training, guter Kondition und grosszügigem Zeitbudget auch mit Multiple Sklerose ein anspruchsvoller T3-Bergwanderweg bewältigt werden kann. Jetzt kann ich erleichtert Richtung Postautohaltestelle Galleria Banchi spulen. Immer wieder geniesse ich die Aussicht. Am Ende des Weges haben sich zwei Jäger samt Fernrohr und Geländewagen eingerichtet und suchen den Hang oben nach Wild ab. Nahe der Postautohaltestelle pfeift ein Murmeltier.

Übrigens: Bei der Postautofahrt nach Andermatt hält das Postauto bei der Haltestelle Mätteli. Der Chauffeur steigt aus und kauft beim mobilen Käsestand Käse. Ich tue es ihm gleich und erwerbe Alpkäse vom Gotthard. Ich bemerke, in Afrika würden die Passagiere bei einer solchen Gelegenheit allesamt aussteigen und einkaufen. Wir sollten das Beste aus beiden Kulturen vereinen und leben. Der Chauffeur und die beiden anderen Passagiere lachen.  
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Einführung in die Seestrecke der Reuss

Von Flüelen bis Luzern fliesst die Reuss durch den Vierwaldstättersee. Nachdem ich bei Rhein und Rhone die Seestrecke der Flüsse von Anfang an eingeschlossen habe, ist es logisch, dass ich dies bei der Reuss auch nachhole. Aufgrund meiner Systematik, die Fliessgewässer von der Mündung bzw. Grenze bis zur Quelle abzuschreiten, absolviere ich die Seestrecke der Reuss von Luzern in Richtung Flüelen. Ich habe mich angesichts des Winters für die leicht abzumarschierende Nordseite des Sees entschieden.

12. Dezember 2014: Luzern - Weggis

„Vo Luzern uf Wäggis zue … bruucht me weder Strümpf noch Schueh“ lautet ein beliebtes Volkslied. Ich brauche allerdings Strümpfe wie Schuhe und absolviere die Strecke zwischen halb neun Uhr morgens und halb drei Uhr nachmittags samt Teerast in einem Tag. Ich schleife die Ecken der Strecke beim Meggenhorn mit seinem Schloss und Hertenstein ab, folge auf weiten Strecken dem Fussweg entlang der Strasse und nicht dem Waldstätterweg oder Lehnenweg ab Greppen.

Ich starte beim Bahnhof und der Schiffstation Luzern. Dort hin bin ich an einem Septembersamstag im Jahr 2002 von meiner Wohnung in Zürich aus via Uetliberg an einem Tag marschiert und ab dem Reussspitz bei Meisterschwanden der Reuss bis nach Luzern gefolgt.

Vom Schiffsteg überquere ich die Brücke und folge dem Seeweg, passiere bald das erlebnisreiche Verkehrshaus sowie einen Findling, der während der Eiszeit vom Urnerland bis nach Luzern gedriftet ist.  Das Schloss Meggen beim Meggenhorn ist ebenfalls eine Attraktion. Ab Merlischachen komme ich bis Weggis an mehreren Kirschbrennereien und Bauernhöfen mit Eigenbrand im Angebot vorbei. Ich befinde mich auf der Schwyzer Kirschstrasse.

Vor Küssnacht pausiere ich bei der Astrid-Kapelle. Der tödliche Autounfall der belgischen Königin Astrid bei einem Birnbaum am Seeufer war 1935 ein ähnliches Drama und weltweites Medienereignis wie der Autounfall der englischen Prinzessin Diana 1997 in Paris. Mein Dady erzählte an sonntäglichen Autofahrten an den Vierwaldstättersee davon. Der Dezembertag ist so mild, dass während der Teerast plötzlich Bienen um mich schwirren.

Küssnacht am Rigi ist bekannt für die nahe gelegene Hohle Gasse, wo unser Willi Tell den Gessler erschoss. Die Gemeinde ist heute für den Rigi-Kirsch sowie die Baer-Käserei, die zu einem ökologischen Pionierbetrieb weiterentwickelt worden ist, bekannt. Ich werde auf dem Heimweg beim Umsteigen den Käsereiladen besuchen und reichlich Käse einkaufen.

Nach Küssnacht geht es locker via Greppen nach Weggis, einer beliebten Sommerfrische mit Luftseilbahn nach Rigi Kaltbad hinauf. In Greppen deutet ein Chestenenweg darauf hin, dass in diesem milden Klima an der Südflanke der Rigi Edelkastanien wachsen.

Offizielle Wanderzeit Luzern bis Küssnacht am Rigi ist 3 Stunden 50 Minuten und von dort nach Weggis 2 Stunden 50 Minuten entlang des Waldstätterweges oder Lehnenweges.

Links:
https://www.verkehrshaus.ch
http://www.swisscastles.ch/Luzern/meggenhornd.html
http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/articleEEQE0-1.55902
http://www.baer.ch
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14. Dezember 2014: Weggis - Vitznau

Heute habe ich bloss einen Sonntagsspaziergang dem Fussweg entlang des Sees von Weggis nach Vitznau vor. Die Wegzeit beträgt etwa eine bis eineinviertel Stunde. Ich entdecke eine Gedenktafel, die informiert, dass der berühmte amerikanische Schriftsteller Mark Twain in Weggis in den Ferien war und diesen Ort als schönsten Flecken der Welt bezeichnete. Ein Mark-Twain-Themenweg führt von Weggis auf die Rigi. Auf dem Weg nach Vitznau komme ich an einem originellen Inselchen mit einem kleinen Felsentörchen vorbei.

Mein Tagesziel ist die Rehabilitationsklinik Cereneo in Vitznau. Ich besuche meine Therapiekollegin Marianne Engel, die dort mit ihrer ebenfalls behinderten Tochter Sibylle zur Kur weilt. Nelly, ihre andere Tochter kommt auch zu Besuch. Marianne lädt mich zum Mittagessen  und Zvieri ein. Wir verbringen einen gemütlichen Sonntagnachmittag zusammen.
Links:
http://www.wvrt.ch/de/sport-wandern/wandern/weggis-rigi-kaltbad
http://www.cereneo.ch
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21. Dezember 2014: Vitznau - Brunnen

Seit letztem Montag hat sich die MS bei mir wieder verstärkt zurückgemeldet, vielleicht damit ich mir nicht einbilde, gesund zu sein und übermütig werde. Trotzdem bin ich vergangene Woche zweimal auf dem Uetliberg gewesen. Ich muss mich trotz stärkerem Kribbeln und mehr Koordinationsproblemen bewegen. Ich habe das Motto des Habsburger-Kaisers Karl V. verinnerlicht: Ultra Plus. Auf Deutsch: immer weiter.

Ich bin deshalb froh, bei sonnigem Wetter dem Trottoir entlang der Strasse entlang dem Vierwaldstättersee nach Brunnen laufen zu können. Dieser leichte Spazierweg ist in dreieinhalb Stunden zu machen. Bei Rotschuo erinnere ich mich daran, dass ich im früheren Gewerkschaftshotel des damaligen Bau- und Holzarbeiterverbandes Kurse über Vereinsrecht und Vereinsführung absolvierte. Eine Fraktionstagung fand einmal dort statt. Heute ist es verkauft und bietet sich als Paradieshotel an.

Gersau ist bekannt für seine jährliche Feckerchilbi der Fahrenden. Gersau hat eine Geschichte als Freie Republik bis 1798 inmitten der Alten Eidgenossenschaft. Vielleicht fühlen sich wegen der Besonderheit des Ortes die Fahrenden dort willkommen.

Unterwegs treffe ich Taucherinnen und Taucher. Ich rede mit einem Taucher-Paar, das mir berichtet, sie hätten im See einen Schwarm mit Tausenden von kleinen Fischen getroffen. Der Vierwaldstättersee lädt offenbar im Winter zum Tauchen.

Bei Fallenbach raste ich kurz. Dann ist es nicht mehr weit ins Zentrum und zum Bahnhof von Brunnen. Bei der Dorfstrasse zum Ortskern entdecke ich an einer Hauswand in alt-deutscher Schrift einen Reim, der die Freiheit der Schwyzer beschwört. Darüber hängt eine historische Verbotstafel. Im rechten Winkel dazu ist ein Gebäude angebaut, in dem sich der Bosphorus-Club befindet. Eine reizvolle Kombination. Passend dazu ist eine Zeile des Schwyzer Spruchs: „Fry isch wer ander achte cha und selber viel vertreid.“ In diesem Zufall steckt die aktuelle Botschaft.

Links:
http://www.feckerchilbi.ch
http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/eine-freie-republik-inmitten-der-eidgenossenschaft-1.18067204
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Heiligabend 2014: Brunnen - Flüelen

Von Brunnen nach Sisikon ist die Wegzeit mit 3 Stunden und 20 Minuten angegeben und von Sisikon nach Flüelen dauert es nochmals mehr als zwei Stunden. Ich marschiere, obwohl ich die MS wieder stärker spüre. Ich benötige einfach die Bewegung in der kalten, frischen Luft. Dann ist es erträglicher.

In Brunnen entdecke ich den Hinweis auf eine Schaubrennerei. Es ist jene von Dettling. Der Weg steigt steil nach Morschach auf und ich geniesse es. Unten verlaufen Strasse und Bahnlinie im Tunnel. Ohne Tunnel muss der Axenstein mit einem steilen Weg nach Morschach überwunden werden. Danach verläuft der Weg leicht steigend bis über 800 m.ü.M. beim Flurnamen Schilti und fällt danach steil nach Sisikon ab. Der Weg der Schweiz endet nahe des Axensteins ob Morschach mit dem Kanton Genf.

Es erstaunt mich wegen den felsigen Hängen entlang des Urnersees und des Hindernisses beim Axenstein und anderen Felsen nicht, dass früher Flüelen von Brunnen her nur per Schiff erreichbar war. Als der russische General Suworow 1798 nach der überquerung des Gotthards und der gewonnenen Schlacht bei der Teufelsbrücke in Altdorf ankam, musste er feststellen, dass die Franzosen alle Schiffe aus Flüelen entfernt hatten. Er musste via Chinzigpass vom Schächental ins Muotatal steigen. Der Zug der 22‘000 Mann starken Suworow-Armee über die Schweizer Alpenpässe ist so legendär wie der Zug Hannibals über die Alpen.

Ab Sisikon folge ich zuerst dem Wanderweg und nach dem Tunnel mit dem Uristier dem kombinierten Rad- und Spazierweg bis nach Flüelen. Ich vermeide wegen dem Schub den anspruchsvolleren Wanderweg unten am See. Nach der Tellsplatte öffnet sich das Panorama auf den Urnersee, die Berggruppe mit Niederbauen und Oberbauen, den Urirotstock, den Gitsch, den Bristen, Rophaien usw. Die Landschaft ist in ein besonderes Licht des späten Nachmittags des Heiligabend getaucht. Vor allem der Bristen leuchtet zauberhaft in der untergehenden Sonne. Es entfährt meinem Kopf: Herrgott, ist das schön!

Beim Bahnhof Flüelen docke ich an meinen Weg an, auf dem ich im Juli 2011 Richtung Wassen losmarschiert bin. Die Reusslücke entlang des Vierwaldstättersees ist geschlossen.

Links:
http://www.brunnentourismus.ch/de/kultur-besichtigungen/besichtigungenfuehrungen/besichtigungen/dettling
http://www.weg-der-schweiz.ch/de/
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