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Frenke Logbuch

Von Liliane Waldner

Einführung in die Frenke

Die Quelle der Frenke liegt auf 820 m.ü.M. am Baselbieter Bilsteinberg. Sie ist 18,7 Kilometer lang und fliesst durch das Waldenburgertal. Sie mündet auf 312 m.ü.M. bei Liestal in die Ergolz.

Mehr über die Frenke auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Frenke_(Fluss)

Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo
21. März 2026: Liestal - Bubendorf

Ich starte bei der Bushaltestelle Heidenloch, überschreite die Brücke über die Ergolz und gelange zur Mündung der Frenke in die Ergolz. Optisch habe ich das Gefühl, die Frenke führe mehr Wasser als die Ergolz. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die Frenke kurz vor der Mündung tosend eine Schwelle herabstürzt.

Ich fotografiere das Schild «Schmugglerwegli» beim Ausbildungszentrum der Eidgenössischen Zollverwaltung. Danach wechsle ich auf einem Steg auf die östliche Uferseite, unterschreite das Bahngeleise und gelange zur Siedlung Gräubern. Dort zweigt bei einem Abfalleimer ein schmaler Fusspfad zur Frenke hinab. Von dort gibt es einen romantischen Blick auf die Frenke. Der Pfad steigt dann sehr steil wieder zu einem bequemen Weg hinauf. Er ist nicht in der Karte eingezeichnet und nur bei Trockenheit zu empfehlen.

Beim nächsten Steg wechsle ich zum westlichen Ufer und laufe dem Veloweg entlang bis zur Vereinigung von Vorderer Frenke mit der Hinteren Frenke beim Flurnamen Morgental. Die Wärme hat meine Spastik verstärkt und die Zehen zwicken wieder. Ich frage eine Landwirtin, ob ich bei ihrem Hof kurz absitzen kann. Sie ist sehr freundlich, bringt mir einen Stuhl und sogar Mineralwasser zu trinken. So entspannt sich eine Konversation, während der auch ihre Schwägerin kurz vorbeikommt. Ich esse einige Getreideriegel und Dörrfrüchte. Danach verabschiede ich mich mit Dankes- und Segensworten von der herzlichen und hilfsbereiten Gastgeberin.
Es wird etwas kühler und fängt für einige Minuten zu tröpfeln an. Ich fotografiere den Zusammenschluss der beiden Frenke-Quellflüsse. Die Rast und die kühlere Luft bringen Kräfte zurück. Nach den Sportplätzen überschreite ich die Frenke, fotografiere bei der Brücke das Gebäude des Bads Bubendorf. Dort war früher ein Bad. 1830 war es der Ort der Zusammenkunft, wo sich die Anführer der Landschaft trafen und eine Petition für die Gleichberechtigung von Stadt und Land im Kanton Basel verfassten. Der darauffolgende Krieg führte zur Kantonsteilung in Basel-Stadt und Basel-Land. Aus Zürcher Sicht kann dieses Treffen als eine Art Uster-Tag von Basel erachtet werden, denn auch in Uster forderte 1830 die Landbevölkerung die Gleichstellung mit der Stadt Zürich.

Beim Kreisel nehme ich die Strasse entlang des Einkaufszentrums sowie der Gewerbebauten bis zur Station Talhaus. Am Schluss holt mich die Müdigkeit wieder ein. Ich sehe dankbar, dass der Gasthof offen hat. Das ist für mich wie eine Sensation nach den vielen geschlossenen Landgasthöfen, die ich in der Ostschweiz und in Schaffhausen erlebt habe. Aber Obacht: Alle Plätze sind reserviert und ich kehre wieder um. Im nächsten Moment werde ich wieder hineingerufen. Die hilfsbereiten Wirtsleute organisieren ein kleines Tischchen für mich und ich geniesse mit Heisshunger einen währschaften Znacht. Damit ist die Geschichte des Landgasthauses nicht vorbei. Er ist im Prinzip geschlossen, aber die Wirtsleute des Sichternhof ob Liestal benutzen ihn, während ihr eigener Landgasthof umgebaut wird. Zu essen gibt es dort oben am Sichternhof ab dem 18. April wieder. Reservation ist zu empfehlen! Kein Wunder angesichts der Beliebtheit mit traditioneller Schweizer Küche zu optimalem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Wegstrecke betrug 5,6 Kilometer. Dafür erzwingen mir Spastik und Zehenzwicken einen ganzen Tag.

Links:

Vom Baselbieter Rütli zum braven Hotelgebäude: Bad Bubendorf | Baselbieter Baukultur #86 - ArchitekturBasel

Sichternhof - Menu
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24. März 2026: Bubendorf - Hölstein

Ich starte bei der Station Talhaus. Dort fotografiere ich eine Remise, in der wie in einer Vitrine ein historischer Wagen des Waldeburgerli ausgestellt ist. An bestimmten Tagen verkehrt dort ein Dampf-getriebenes Modell der Waldenburger Bahn. Der Weg führt mich am oberen Talhaus vorbei in ein Gewerbegebiet südlich der Station Lampenberg-Ramlisburg. Auf der Karte sind dort eine Galgematte und ein Galgeplatz eingetragen. Ich muss die Schnellstrasse queren, um den Radweg nach Hölstein nehmen zu können.

Ich wandere durch das Dorf Hölstein, komme am Gebäude der Uhrenfabrik Oris vorbei. Ich erfahre von einem Mann, dass Hayek dort hunderte von Arbeitern entliess, was für den kleinen Ort ein schwerer Schlag war. In der Tat hat die 1904 gegründete Uhrenfabrik Oris eine spannende Firmengeschichte durchlaufen. Nach ihrem Tiefpunkt im Rahmen der ASUAG wurde sie wieder neu aufgebaut und stellt hochwertige Qualitätsuhren her. Am Ufer der Vorderen Frenke entlang des Fabrik-Komplexes fliegt manchmal ein Eisvogel vorbei, sagt mir eine Frau. Bei der Station Hölstein Süd beende ich die Tour.

Die Wegstrecke betrug 5,3 Kilometer.

Links:

Home - Remise Waldeburgerli

Die Geschichte von Oris | Oris
Vordere Frenke

Ob Bubendorf wandere ich dem Quellfluss Vordere Frenke hinauf.
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8. April 2026: Hölstein - Waldenburg

Ich starte bei der Haltestelle Hölstein Süd. Von dort gelange ich an den Wanderweg, auf dem ich bis Oberdorf am Ufer der Vorderen Frenke gehen kann. In Oberdorf lebten gemäss einer Familienchronik Vorfahren von mir. Sie waren Hugenotten und migrierten als Religionsflüchtlinge in die Gegend. Einer war sogar Vizebürgermeister von Oberdorf. Als der Bürgermeister wegen Täuferei angeschuldigt und in Basel ins Gefängnis gesteckt wurde, ging er mit einer Delegation von Oberdorf nach Basel, überzeugte die Obrigkeit von der Unschuld des Bürgermeisters und erwirkte dessen Freilassung.

Die Beine werden immer schwerer. Trotzdem schaffe ich es noch nach Waldenburg. Dort erblicke ich die Ruine der Waldenburg weit oben und fotografiere sie. Die Burg gab dem Ort, dem Tal sowie der Waldenburgerbahn ihren Namen. Unterwegs gelingt es mir, die bei der Bevölkerung populäre Bahn zu fotografieren.

Die Wegstrecke betrug 4,8 Kilometer.

Links:

Ruine Waldenburg - burgenseite.ch

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Bing-Video
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11. April 2026: Waldenburg - Dürrenberg (Langenbruck)

Ich wandere durch den Ort hinaus und komme an den Gebäuden der Revue Thommen vorbei. Das Gedächtnis macht klick. Es handelt sich um eine traditionsreiche Schweizer Uhrenmarke. Sie stellte die ersten Fliegeruhren her. Ich gehe weiter geradeaus Richtung Bad, nehme aber dort den asphaltierten Weg Richtung des Weilers Lammet. Eine Frau sagt mir, der offizielle Wanderweg sei sumpfig und auch für sie unangenehm. Nach Querung der Hauptstrasse erhalte ich beim früheren Restaurant Hauenstein eine Sitzgelegenheit.

Bald geht nach kurzer Pause der asphaltierte Weg in einen Feldweg über, der immer ruppiger und sumpfiger wird. Beim Landgut Spittel pausiere ich auf einer Sitzbank. Danach folgt ein immer steiler werdender Weideweg zum Ober Dürrenberg. Dort setze ich mich auf einen Stein neben dem Bauernhof und komme kurz mit dem Bauer ins Gespräch. Es wird dunkel und beginnt zu donnern. Ich checke den Wetterbericht, gemäss dem es bis spät in den Abend in Langenbruck trocken sein soll, aber der Radar zeigt einen roten Kreis und es beginnt zu tröpfeln. Nach dem Unter Dürrenberg geht es richtig los mit Blitz, Donner und Hagel. Bei der Postautohaltestelle Dürrenberg gibt es keinen Unterstand. Ich gehe dem Trottoir der Landstrasse entlang Richtung Oberer Hauenstein. Freundliche Autofahrer wollen mich mitnehmen, aber ich hoffe, den Ort nach der Klus bald zu erreichen. In der Klus strömt es wieder stärker und nun nehme ich das Angebot einer Mutter und ihrer kleinen Kinder dankend an, bis zur Postautohaltestelle zu fahren. Es waren die Kinder, welche die Mutter baten, mich mitzunehmen. Ich werde den Rest des Tages in pflotschnassen Kleidern und Schuhen verbringen.

Eine gesunde Person hätte für die Strecke eine gute Stunde benötigt.

Links:

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16. April 2026: Zur Quelle in Langenbruck:

Ich starte bei der Bushaltestelle Dürrenberg in Langenbruck und marschiere auf dem Trottoir der Landstrasse durch die Klus. Am Waldrand zweigt der Helfebergweg nach rechts oben ab und führt mich nach etwa 100 Höhenmetern Aufstieg direkt zur Quelle der Vordere Frenke. Sie liegt in einem mit Stacheldraht eingegrenzten Geviert. Danach steige ich denselben Weg wieder ab und gehe dem Trottoir entlang zur Haltestelle Passhöhe. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass der Fliegerpionier Oskar Bider in Langenbruck geboren wurde.

Eine gesunde Person benötigt dafür kaum eine Stunde Wegzeit.

Ein anderer Zweig des in diese Region eingewanderten Waldner-Stammes liess sich in Langenbruck nieder.
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Hintere Frenke

Als Zugabe kommt jetzt die kleinere Hintere Frenke an die Reihe. Sie mündet in Bubendorf in die Vordere Frenke. Das Bild der Mündung befindet sich Logbuch-Abschnitt Liestal - Bubendorf.

23. April 2026: Bubendorf - Ziefen

Ich starte bei der Bahnstation Bad Bubendorf und folge der Hauptstrasse durch Bubendorf. Es gelingt mir ein Schnappschuss mit einem Fischreiher in der Hinteren Frenke. Am oberen Ende von Bubendorf beeindruckt mich das riesige Areal der BACHEM, Basler Chemie. Ich mag mich erinnern, dass die Firma klein angefangen hat, mit einem Gründer, und bald ein  Börsenliebling geworden ist. Jetzt ist dort eine ganze Industriestadt herangewachsen. Es ist Mittagszeit und viele junge Menschen gehen zu den Snackständen. Andere junge Menschen joggen auf dem Radweg nach Ziefen hin und her. Es strahlt die Atmosphäre eines Campus aus. Ein Plakat wirbt: Jobs für helle Köpfe. Ich höre vor allem Deutsch und etwas Englisch. Das Unternehmen wächst weiter und ein neues Werk wird dieser Tage eröffnet, sagt mir ein Mann. Die Spezialitätenchemie ist auf Fachkräfte angewiesen.

Mir fällt auf, dass noch eine andere Biopharma präsent ist, von der ich bis anhin nichts gewusst habe: Cisbiopharma. Sie erarbeitet Therapien für Lungen- und Hirntumore.

Ich wandere auf dem Radweg nach Ziefen und finde bei einem Gewerbebau eingangs des Orts eine Sitzgelegenheit. Die Strasse durch das Dorf ist eng und stark befahren. Eine Frau rät mir, den Rad- und Fussweg weiter oben zu nehmen. Dort liegt ein Einfamilienhaus-Gebiet mit vielen grünen Vorgärten. Kinder spielen auf der kaum befahrenen Strasse. Auch Ziefen ist in der Waldner-Stammtafel erwähnt. Von einem Ehepaar erfahre ich, dass eine Frau namens Waldner im Altersheim lebt und 90 Jahre alt ist. Ich beende die Tour bei der Bushaltestelle Hofmatt.

Die Wegstrecke beträgt 5,7 Kilometer.

Links:

Peptide & Oligo Manufacturer & CDMO | Bachem

Welcome - CIS BIOPHARMA
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25. April 2026: Ziefen - Reigoldswil

Ich gehe ab der Haltestelle Hofmatt dem kombinierten Fuss- und Radweg durch das grüne Reigoldswiler Tal nach Reigoldswil. Die Route ist einfach. Unterwegs kreuze ich eine Frau mit Stöcken. Wir blicken und gegenseitig an und kommen ins Gespräch. Wir beide leben mit MS. Die Frau ist 67 Jahre alt und hat die Prognose vor nicht allzu langer Zeit erhalten. Sie vermutet, dass sie die MS bereits seit 30 Jahren hat. Sie arbeitet immer noch zu 80% im Pflegedienst. Sie ist läuferisch weit besser dran als ich und sie läuft jeden Tag ihre fünf Kilometer. Dazu geht sie ins Gym. Eine Therapie mit immun-suppressiven Mitteln ist in Prüfung. Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute.

Ich sitze bald im Bäckerei-Café beim Dorfzentrum. Die Wegstrecke betrug nur 3,7 Kilometer.
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